Bechtle bleibt in Kauflaune

Neckarsulm  Die starke Nachfrage nach IT-Lösungen treibt das Wachstum von Bechtle an. Bis 2030 peilt der Mittelständler zehn Milliarden Euro Umsatz an. Das geht nicht ohne Zukäufe.

Von Heiko Fritze

Bechtle bleibt in Kauflaune

Foto: Archiv/Mugler

Es sind gerade jede Menge Unternehmen auf dem Markt. Große und kleine, Systemhäuser, Spezialisten für CAD und viele mehr. Kein Wunder, das Bechtle-Vorstandschef Thomas Olemotz ankündigt: "Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr wieder vier bis sechs Zukäufe tätigen werden." Mittlerweile im dritten Jahr beobachte der Neckarsulmer IT-Dienstleister ein großes Angebot für Firmenübernahmen - und will davon profitieren.

Immerhin, berichtet Olemotz, habe sich die entsprechende Abteilung bei Bechtle im abgelaufenen Jahr 170 Übernahmekandidaten angeschaut. In sechs Fällen wurde man sich handelseinig - unter anderem kam es so zur größten Akquisition in der Unternehmensgeschichte: Alleine für Inmac Wstore wurde ein dreistelliger Millionenbetrag hingeblättert. Drei Ursachen macht der Konzernchef für die Marktbewegungen verantwortlich: offene Nachfolgeregelungen, niedrige Zinsen für die Finanzierung der Käufe - und historisch hohe Preise, die Verkäufer zurzeit erzielen können.

Überall ein zweistelliges Plus

Dass der Umsatz der Neckarsulmer vergangenes Jahr deutlich zulegte, lag aber nicht nur an den Übernahmen. Auch auf Basis der Konzernstruktur von Jahresbeginn 2018 beläuft sich das Wachstum im Gesamtjahr auf 15,8 Prozent, sagte Olemotz. Mit den Übernahmen ist das Plus auf 21,1 Prozent gestiegen. Insgesamt kam Bechtle im abgelaufenen Jahr auf 4,3 Milliarden Euro Umsatz. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 137 Millionen Euro, ein Zuwachs von 19,7 Prozent.

Von den beiden Sparten ist die kleinere, der Bereich E-Commerce, diesmal stärker gewachsen, um 34,5 Prozent. Einerseits wird dort seit September der Zukauf von Inmac Wstore eingerechnet - aber auch ohne diesen lag das Umsatzplus bei 18,8 Prozent im Vergleich zu 15,5 - inklusive Zukäufe - in der Sparte IT-Systemhaus und Dienstleistungen. Mit E-Commerce wurden nun 1,4 Milliarden Euro erzielt.

Hoffnung auf den Digitalpakt

Im neuen Jahr dürfte es so weitergehen, kündigt der Konzernchef an: Der Umsatz soll erneut um einen zweistelligen Prozentsatz zulegen. Hoffnungen setzt er unter anderem auf den Digitalpakt von Bundesregierung und Ländern, also die Ausstattung von Schulen und Bildungseinrichtungen mit mehr IT. Durch Zukäufe sollen "zukunftsträchtige, profitable Geschäftsfelder" ausgebaut werden - etwa CAD- oder ERP-Anwendungen, 3D-Druck oder künstliche Intelligenz.

So betreibe Bechtle ja bereits zwei Vorführzentren für 3D-Druck in Deutschland - und habe vergangenes Jahr 32 dieser Maschinen verkauft, berichtete Olemotz. Der Brexit werde hingegen voraussichtlich wenig Einflüsse haben - als problematischer könnten dafür sich Entwicklungen im Zuge von Handelsstreitigkeiten erweisen. "Wir wollen Marktanteile gewinnen", sagte der Vorstandschef. "Aber das neue Jahr wird mit Sicherheit anspruchsvoller."

 

 


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