Auslastung bei Audi in Neckarsulm sinkt weiter

Neckarsulm  Beim A8 sind auch im November mehrere produktionsfreie Tage geplant. WLTP-Umstellung belastet die Absatzzahlen gewaltig.

Von Manfred Stockburger
Auslastung bei Audi in Neckarsulm sinkt weiter

Der A8 müsste der Konkurrenz zurzeit nach herkömmlicher Weisheit gerade die Rücklichter zeigen. Doch die Wettbewerber vergrößern den Vorsprung. Foto: Audi

Geplant war zu Jahresbeginn eine ganz andere Zahl: Trotz der Neuanläufe im Werk Neckarsulm wollte Audi dieses Jahr deutlich mehr als 200.000 Autos vom Band fahren lassen. Die 195.000 aus dem Jahr 2017 sollten Geschichte sein. Nach drei Quartalen sieht die Rechnung aber ziemlich anders aus.

Betriebsrat nennt die Zahlen "enttäuschend"

Mit 135.431 produzierten Fahrzeugen bis einschließlich September weist die Produktionsstatistik ein Minus von rund zehn Prozent aus. "Die Produktionszahlen sind insgesamt enttäuschend - insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir mit neuen Fahrzeugen gestartet sind", sagt Rolf Klotz, der Betriebsratsvorsitzende von Audi Neckarsulm.

Die Planung des Produktionsprogramms für den Dezember laufe aktuell gemäß dem regulären Prozess, heißt es. Vergangenes Jahr liefen in Neckarsulm im Schlussquartal 45.000 Autos vom Band, dieses Jahr würde eine solche Zahl den Standort auf ein Volumen von 180.000 Fahrzeuge schrumpfen lassen - diesen Oktober gab es allerdings mehrere Schließtage. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 liefen in Neckarsulm 177.820 Autos vom Band.

Noch immer fehlt für viele Motoren und Modelle die WLTP-Zulassung

Hauptgrund sind die fehlenden Zulassungen vieler Motoren nach dem neuen Prüfzyklus WLTP. So gab es Stand Ende Oktober das Neckarsulmer Volumenmodell A6 lediglich in drei Diesel-Varianten, der angekündigte Benziner fehlt laut ADAC-Liste der verfügbaren WLTP-Modelle weiterhin. Den A8 gibt es unverändert nur als Diesel-Sechszylinder mit 286 PS. Nicht nur vom deutschen Markt gibt es indes schlechte Nachrichten beim Absatz. In den USA ging die Zahl der verkauften Audi-Fahrzeuge im Oktober um 17 Prozent auf 16.056 zurück.

Werkleiter prognostiziert steigende Auslastung fürs nächste Jahr

"Wir haben uns darauf eingestellt, dass 2018 nochmal ein herausforderndes Jahr wird, in dem wir die anspruchsvolle Anlaufsituation und Auswirkungen des neuen Prüfzyklus WLTP wirtschaftlich managen und die Produktion flexibel planen müssen", sagt Werkleiter Helmut Stettner, dessen Hoffnungen nun auf dem Jahr 2019 ruhen. "Die Prognose sieht mit der erneuerten Modellpalette eine steigende Auslastung vor", erklärt er und betont, dass das Werk für die Zukunft gerüstet sei. Auch Klotz sieht für 2019 "bessere Vorzeichen".

Aufstockung der Schichten verzögert sich

Zuerst geht es aber darum, die nächsten Monate zu managen - vor allem beim A8 gibt es auch im November drei produktionsfreie Tage, nachdem die Bänder im Oktober bereits an acht Arbeitstagen standen. Eigentlich müsste die Oberklasselimousine ein Jahr nach der Einführung unter Volldampf laufen. Davon ist Audi aber weit entfernt, aktuell wird der A8 nur im 1,5-Schicht-Betrieb montiert. Die Aufstockung verzögert nach Stimme-Informationen weiter.

Auch beim A6 und A7 verschiebt Audi wohl den Aufbau der vollen Nachtschicht - aktuell gibt es zu diesem Thema Gespräche zwischen Betriebsrat und Unternehmen.

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Kommentar: Zu wenig

 

Die jüngsten Audi-Zahlen sind eine Herausforderung für die gesamte Region. Manfred Stockburger kommentiert. 

Sicherlich: Die Zulassungszahlen im Monat Oktober sind eine Momentaufnahme – die Umstellung auf den neuen Abgaszyklus WLTP und die sauberen Euro6-d-temp-Motoren hat den Automarkt in Deutschland kräftig durcheinandergewirbelt. Ein Marktanteil von 3,1 Prozent, den Audi im abgelaufenen Monat nur noch erreicht hat – das ist dennoch wirklich besorgniserregend für eine Region, deren wirtschaftliches Wohlergehen so eng mit Audi verknüpft ist.

Ebenfalls ein dickes Minus steht bei den Audi-Zulassungen in Deutschland für das Gesamtjahr. Das wirkt sich auch auf den Standort Neckarsulm aus: Das Produktionsvolumen wird mutmaßlich in eine Größenordnung abrutschen, die es zuletzt im Krisenjahr 2009 gab. 

Die Misere ist hausgemacht: Auch die vorgezogene Einführung des WLTP-Zyklus ist eine Folge des Dieselbetrugs, in dessen Zentrum Neckarsulm stand. Die Zahlen zeigen aber, wie groß die Herausforderungen sind, vor denen der größte Arbeitgeber der Region steht.

Umso wichtiger wäre es nun für das Unternehmen, eine tragfähige Strategie aufzustellen, die die Zukunft der fast 17.000 Beschäftigten und der vielen Zulieferbetriebe in Heilbronn-Franken absichert. Dazu muss alles auf den Prüfstand.

Allein die Hoffnung darauf, dass im nächsten Jahr alles besser werden soll, greift nämlich zu kurz – zumal die damaligen Audi-Verantwortlichen auch schon für 2018 die Rückkehr goldener Zeiten vorhergesagt hatten.

Ihre Meinung? manfred.stockburger@stimme.de

 

 

 


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