Aufgepasst, Kaufland!

Meinung  Der Metro-Konzern möchte den Kaufland-Konkurrenten Real verkaufen. Dass öffnet ausländischen Konzernen die Tür in den deutschen Lebensmittelhandel, kommentiert unser Kollege Manfred Stockburger. Greift vielleicht sogar Amazon zu?

Von Manfred Stockburger

Handelskonzern Metro
Nur noch Großhandel: Metro will die Supermarktkette Real verkaufen.  

Es gab Zeiten, da schaute die Schwarz-Gruppe zum Metro-Konzern auf - und die SB-Warenhaus-Kette Real der Düsseldorfer war der wichtigste Wettbewerber für Kaufland. Diese Zeiten sind längst vorbei, jetzt zieht Metro die Konsequenzen und verkauft Real. Große SB-Warenhäuser liegen nicht mehr im Trend: Auch die Neckarsulmer haben Probleme mit ihrer Kaufland-Sparte. Nicht nur deswegen kommen sie selbst als Käufer kaum infrage, dagegen hätten auch die Kartellbehörden etwas. So bleibt bestenfalls der Trost, dass die Schwierigkeiten anderswo offenbar noch größer sind.

Zurücklehnen dürfen sich die Neckarsulmer nicht: Die knapp 300 verbliebenen Real-Märkte könnten für einen Konkurrenten aus dem Ausland einen interessanten Einstieg ins Deutschlandgeschäft bieten, das einheimische Konzerne bislang unter sich aufgeteilt haben.

Manfred Stockburger
Manfred Stockburger, Chefkorrespondent Wirtschaft

Walmart und Intermarché haben sich einst die Finger verbrannt, die machten allerdings jeweils strategische Fehler. Tesco und Carrefour sind in Europa besser unterwegs. Sie als Wettbewerber vor der Türe zu haben, könnte ungemütlich werden. Auch die chinesischen Konzerne JD und Alibaba bauen sich eine Infrastruktur in Europa auf.

Das Schreckensszenario schlechthin für den hiesigen Handel wäre aber Amazon. Mit der Übernahme der US-Kette Whole Foods ist der Internetgigant vor einem Jahr in den stationären Lebensmittelhandel eingestiegen. Dort laufen die Geschäfte wieder. Ähnlich könnte das bei Real werden. Der Rückzug von Kaufland aus dem Lieferservice würde sich dann bitter rächen.