Audis kleine Montagehelfer aus dem 3D-Drucker

Heilbronn  Das Audi-Kompetenzzentrum für 3D-Druck in der Heilbronner Sportwagenmanufaktur spart Zeit und Kosten. Künftig werden die Spezialisten dem Werk Neckarsulm als Abteilung zugeordnet.

Von Manfred Stockburger
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Manchmal kommt sich Waldemar Hirsch "ein bisschen wie der Weihnachtsmann" vor: Wenn er seinen Kollegen an der Montagelinie über Nacht versprochene, auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Hilfswerkzeuge tatsächlich am nächsten Morgen vorbeibringt. "Dann ist das Grinsen riesengroß." Möglich macht das eine Technologie, die langsam den Kinderschuhen entwächst: 3D-Druck.

Bei der R8-Montage werden die Helferchen aus dem 3D-Drucker oft eingesetzt

Vor drei Jahren hat Projektleiter Hirsch zusammen mit einigen Kollegen in der R8-Manufaktur Böllinger Höfe die ersten Versuche unternommen, inzwischen sind an jeder der 15 Produktionsstationen, an denen der Sportwagen entsteht, verschiedene der kleinen Plastikhelfer im Einsatz: zum Beispiel, wenn es gilt, die Frontscheibe so einzusetzen, dass der Abstand zur Karosserie exakt stimmt.

Was sich für Laien wie Kleinigkeiten anhört, erleichtert den Audi-Mitarbeitern die Arbeit gewaltig. Ähnliche Teile kommen beim Einbau der Scheinwerfer zum Einsatz. Aber es sind immer nur Helfer: Serienteile aus dem Drucker sind weiterhin Zukunftsmusik.

Waldemar Hirschs Kollege Cem Gülaylar zeigt am Computersystem, wie einfach es ist, die Montagehelfer zu konstruieren. Und worauf es dabei zu achten gilt - etwa bei der Auswahl des Materials. Und dass die Strukturen der dreidimensionalen Kunststoffgebilde nicht zu filigran werden, schließlich sollen die kleinen Montagehelfer nicht beim ersten Mal kaputtgehen.

 

 

Kommunikation ist wichtig für den Erfolg

Die Nähe zu den Kollegen an der Montagelinie ist ausgesprochen wichtig, sagt Hirsch, dessen Arbeit demnächst damit geadelt wird, dass er eine eigene Fachabteilung bekommt, die dann nicht mehr Audi Sport, sondern dem Standort Neckarsulm zugeordnet ist. Damit bekommt der mittlerweile im VW-Konzern bestens vernetzte Macher eine deutlich größere Spielwiese.

Spieltrieb ist aber keineswegs der Grund, warum Audi in die 3D-Druck-Technologie investiert: Ihr Einsatz spart Kosten und Zeit - jeweils etwa 90 Prozent dessen, was ein vergleichbares Teil auf dem herkömmlichen Weg kosten würde. Und weil sich die Teile buchstäblich auf Knopfdruck produzieren lassen, können auch Verbesserungen blitzschnell umgesetzt werden.

Hunderte Ideen eingesammelt

Je größer die Halle, um so wichtiger wird die Kommunikation für den Erfolg des Projekts. "Man muss an der Linie präsent sein", sagt Hirsch. "Und die Mitarbeiter motivieren." In einem Workshop haben Hirsch, Gülaylar und andere Kollegen bereits mehrere Hundert Ideen generiert, wo Helfer aus dem Drucker die Arbeit erleichtern können. "Als wir am zweiten Tag tatsächlich die ersten fertigen Teile mitbrachten, die die Drucker über Nacht hergestellt hatten, da begannen die Ideen richtig zu sprudeln."

 


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