Audi streicht die Rest-Nachtschicht in der A6-Produktion

Neckarsulm  Bis 2023 ist keine nachhaltige Verbesserung der Auslastung des Neckarsulmer Audi-Werks in Sicht.

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Audi A6/A7 Produktion
Am Audi-Standort Neckarsulm laufen die Modelle A6 und A7 vom Band. Foto: Audi

Audi streicht in Neckarsulm jetzt auch die letzten Reste der Nachtschicht in der Montage des Modells A6. In der Nacht auf Dienstag wurden die knapp 250 betroffenen Mitarbeiter vom Betriebsrat und der Unternehmensleitung informiert.

"Das Marktumfeld macht eine Anpassung der geplanten Fahrweise in der A6/A7-Fertigung notwendig", bestätigte eine Audi-Sprecherin den Schritt. Auch 2020 werde "ein Jahr voller Herausforderungen", darauf müsse das Unternehmen reagieren. Sie verweist aber auf die Beschäftigungsgarantie bis 2025, die für alle Audi-Mitarbeiter weiterhin gelte.

Bis Ende März wird die Nachschicht abgewickelt

Umgesetzt wird die Streichung der Schicht bis Ende März - dann wird die bereits Anfang 2018 auf 250 Beschäftigte reduzierte Nachtschicht Geschichte sein. Eigentlich hatte Audi zugesagt, dass die Nacht-Produktion im Frühjahr 2019 wieder aufgestockt wird. 500 Leiharbeiter wurden dafür angeworben und wieder heimgeschickt.

Vor Jahresfrist war Audi noch von steigenden Produktionszahlen am Standort ausgegangen. Mittlerweile ist klar, dass sie weiter sinken. "Audi befindet sich in einer Phase des Umbruchs", heißt es in der Neckarsulmer Pressestelle. Bei der Steuerung der Produktion müssten die jeweils aktuellen Marktbedingungen berücksichtigt werden.

Die Betroffenen sollen künftig in den beiden Tagschichten der A6/A7-Montage sowie in anderen Bereichen des Standorts eingesetzt werden, wie es heißt. Wie berichtet hat die Konzernschwester Porsche Neckarsulmer Audi-Mitarbeitern ein Übernahmeangebot gemacht, weil das Werk in Zuffenhausen anders als die Neckarsulmer Fertigung durch den Anlauf des elektrischen Porsche Taycan bestens ausgelastet ist. In Neckarsulm werden dagegen die Weihnachtsferien verlängert.

Betriebsrat fordert einen Akutplan

Für den Neckarsulmer Audi-Betriebsratsvorsitzenden Rolf Klotz ist die Auflösung der Dauernachtschicht im C-Segment "eine direkte Folge der anhaltend schlechten Auslastung am Standort". Wie berichtet werden dieses Jahr wohl nur 178.000 statt der technisch möglichen 300.000 Fahrzeuge gefertigt. "Wir fordern vom Vorstand endlich einen Akutplan, durch den unsere Modelle besser am Markt platziert werden. Jedem sollte klar sein, dass es so nicht weitergehen kann."

Was in Sachen Werkbelegung auf dem Tisch liegt

Frühestens 2023 wird sich die Auslastung des Standorts wieder verbessern, wenn Audi und der VW-Konzern die für Neckarsulm angedachte künftige Werkbelegung umsetzen. Demnach soll die nächste Generation des Audi A4 in Neckarsulm gebaut werden - zusammen mit dem künftigen A6. Der aktuelle A8 soll nach Stimme-Informationen keinen Nachfolger mit Verbrennungsmotor mehr bekommen.

Die Produktion der elektrischen Variante der Audi-Luxuslimousine ist ab Mitte des nächsten Jahrzehnts für Leipzig vorgesehen. Als Ersatz soll Neckarsulm die zweite Generation des Q4 E-Tron bekommen, dessen erste 2021 im VW-Werk Zwickau anlaufen soll.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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