Audi muss Euro-4-Modelle zurückrufen

Neckarsulm  Bereits im Jahr 2004 hat Audi Abschalteinrichtungen in Dieselmotoren eingebaut. Das Kraftfahrtbundesamt hat jetzt den Rückruf von etwa 40.000 Fahrzeugen aus dieser Zeit, die in Deutschland noch zugelassen sind, angeordnet.

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Audi A3
Auch als Audis noch so aussahen, wurden die Abgaswerte von Dieselmotoren offenbar bereits mit unlauteren Mittel geschönt. Foto: HSt/Archiv

Der Abgasskandal und seine Folgen lassen Audi nicht los. Im Zuge des Abgasskandals hat das Kraftfahrtbundesamt nun erstmals einen Rückruf von Audi-Modellen mit Euro 4-Diesel angeordnet. Sie galten bisher als unverdächtig.

Betroffen sind Fahrzeuge des Typs A4 und A6 aus den Jahren 2004 bis 2009, in denen ein in Neckarsulm entwickelter 2,7-Liter-Sechszylinderdiesel verbaut ist. "Ersten Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 40.000 solcher Fahrzeuge heute noch zugelassen", sagte ein Audi-Sprecher.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte bereits vor vier Wochen moniert, dass das KBA Audi-Motoren der Abgasklasse Euro 4 nicht zurückgerufen hat, obwohl es festgestellt habe, dass mit der sogenannten Akustikfunktion eine unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut war. Audi will dem KBA ein Softwareupdate vorstellen, mit der die Autos regelkonform gemacht werden sollen.

Das Absatzplus von 26,8 Prozent der Marke im Oktober ist indirekt auch eine Folge des Dieselskandals. Die beschleunigte Umstellung auf den Abgaszyklus WLTP und die damit verbundenen Lieferengpässe hatten den Absatz im Herbst 2018 in den Keller geschickt. Im Oktober 2019 lieferte Audi 149 150 Autos aus, das waren aber immer noch beinahe 10.000 Fahrzeuge weniger als im Oktober 2017.


Verschleppte Probleme

Ein Kommentar von Manfred Stockburger

Es klingt nach einer ollen Kamelle: Euro-4-Fahrzeuge dürfen schließlich schon seit 2011 nicht mehr zugelassen werden. Für Audi kann der Fall aber gerade deswegen zum Problem werden. Denn seit dem jüngsten Rückruf durch das Kraftfahrtbundesamt hat es der Autobauer schriftlich, dass illegale Software nicht erst seit 2009 eingebaut wurde, sondern schon fünf Jahre früher. Fünf Jahre länger hätte die Unternehmensspitze also wissen müssen, dass Abgasnormen nur mit Softwaretricks eingehalten wurden.

Aus dieser Zeit stammt auch das „Erlkönig“-Gedicht eines Neckarsulmer Mitarbeiters, der den Betrug thematisierte. Jetzt ist der Tatbestand amtlich festgestellt. Das kostet Kraft und Geld.

Die Ingenieure in Neckarsulm werden es wohl auch dieses Mal schaffen, den Betrug zu heilen. Für verschiedene Topmanager, die sich schon bald vor Gericht mit ihrer Rolle in dem Skandal befassen müssen, kommen jetzt noch problematischere Zeiten zu. Die Theorie, dass die Software das Werk einer kleinen verschworenen Einheit böser Mitarbeiter gewesen sein soll, wird dadurch noch unglaubwürdiger.

Für das Autoland Baden-Württemberg ist das keine gute Nachricht – die Transformation der Branche ist auch ohne neuerliche Dieselrückrufe schon schwer genug zu verdauen. Dass Daimler 1100 Manager einsparen möchte, wie gleichzeitig bekannt wurde, lässt sich ebenfalls nicht in die Positiv-Kategorie einsortieren. Neben dem schwierigen Markt und den Kosten der E-Mobilität lasten auf der Daimler-Bilanz ebenfalls Diesel-Sünden aus der Vergangenheit.


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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