Audi kürzt auch die Investitionen

Neckarsulm  Zwölf Milliarden Euro fließen bei Audi bis Ende 2024 in die E-Mobilität und damit vor allem nach Ingolstadt. Ganz leer geht der Audi-Standort Neckarsulm aber doch nicht aus.

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Audi kürzt auch die Investitionen

Die Modernisierung der Neckarsulmer Lackiererei ist Teil des neuen Fünfjahresplans.

Foto: Audi

Der Sparkurs bei Audi wirkt sich auch auf die Investitionen aus. 2018 belief sich das Investitionsvolumen des Autobauers im rollierenden Fünfjahresplan auf 40 Milliarden Euro, dieses Jahr haben die Ingolstädter drei Milliarden aus dem Budget herausgestrichen und planen jetzt mit Investitionen von 37 Milliarden Euro bis Ende 2024. Neben Investitionen in Gebäude und Anlagen weltweit sind in dieser Summe auch Entwicklungskosten für neue Fahrzeugprojekte enthalten.

Rund zwölf Milliarden Euro, also ein knappes Drittel der Gesamtsumme, soll in den nächsten fünf Jahren in die Elektromobilität fließen - darin enthalten sind auch Mittel für die Neckarsulmer Brennstoffzellen-Entwicklung. Vor Jahresfrist hatte das Unternehmen diese Summe nur zusammen mit den Themen Digitalisierung und autonomes Fahren bekanntgegeben - 14 Milliarden Euro dick war das Investitionspaket damals. Der größte Teil davon, sagte eine Sprecherin, floss jedoch in die E-Mobilität. Software und autonomes Fahren sind im Konzern mittlerweile anderweitig aufgehängt.

Statt zehn kommen bis 2025 jetzt 20 Elektroautos auf den Markt

"Mit unserer Strategie beschleunigen wir unseren Elektrifizierungskurs", sagt Finanzvorstand Alexander Seitz. "Unsere Investitionsplanung trägt dem Rechnung." Bis 2025 will der Audi-Konzern nun 20 vollelektrische Fahrzeuge im Mark haben - aktuell ist gibt es eines - und mehr als zehn Plug-in-Hybride.

Vor Jahresfrist hatte das Unternehmen noch als Ziel gehabt, bis 2025 jeweils etwa zehn reine E-Autos und Hybride auf dem Markt zu haben. Jetzt sollen zur Mitte des nächsten Jahrzehnts bereits 40 Prozent des Absatzes auf elektrifizierte Fahrzeuge entfallen. Gleichzeitig spricht Seitz von einer deutlichen Verbesserung der Investitions- und Kostendisziplin.

Basis für diese steile Anlaufkurve bei den Elektrofahrzeugen bilden die beiden Konzernplattformen PPE und MEB, die nach der diese Woche unterzeichneten Vereinbarung mit den Betriebsräten aber vorerst nicht in Neckarsulm eingerüstet werden, sondern in Ingolstadt beziehungsweise Zwickau.

Fonds bildet Basis für die künftige Elektrifizierung des Standorts

Die Sprecherin verweist jedoch darauf, dass der Weg für die Produktion von Elektroautos am hiesigen Standort mit dem Fonds "Elektrifizierung Neckarsulm" abgesichert sei, der von 2020 bis 2025 jährlich mit 50 Millionen Euro dotiert werde. "Dieser Fonds schafft die notwendige finanzielle Basis für die notwendigen Baumaßnahmen zur Fertigung von E-Autos am Standort Neckarsulm." Die eigentlichen E-Investitionen ins Werk werden nach der aktuellen Planung aber erst nach dem Ende der jetzt verabschiedeten Planung kommen.

 

Produktion bei Audi

Zahl der gefertigten Fahrzeuge

2013

2014

2015

2016

2017

2018

1.187.300

1.200.000

im Ausland

1.000.000

753.500

800.000

in Ingolstadt

576.700

491.300

600.000

400.000

275.700

186.200

200.000

in Neckarsulm

HSt-Grafik, Quelle: Audi

Produktion bei Audi

Zahl der gefertigten Fahrzeuge

2013

14

15

16

17

2018

1.187.300

im Ausland

753.500

in Ingolstadt

576.700

491.300

275.700

in Neckarsulm

186.200

HSt-Grafik, Quelle: Audi

Ganz leer geht Neckarsulm dennoch nicht aus. Teil der Zukunftsvereinbarung - und damit auch der Investitionsplanung - ist auch die Rundumerneuerung der mittlerweile 25 Jahre alten Lackiererei in Neckarsulm. Der erste Bauabschnitt, bei dem die Vorbehandlung modernisiert wird, ist bereits in Arbeit. Im zweiten Schritt steht die Modernisierung der Decklackstraße an. 1995 wurde die Lackiererei, die damals 312 Millionen Mark kostete, als größte Investition der Standortgeschichte gefeiert. Die Erneuerung der seither mehrfach erweiterten Anlage wird wieder in diese Kategorie fallen.

Sparkurs macht zusätzliche Investitonsmittel frei

Und woher kommt das Geld für die Investitionen? Schon immer steckt Audi einen guten Teil des Umsatzes in die Entwicklungs- und Sachinvestitionen - in den vergangenen Jahren waren dies jeweils rund 13 Prozent des Umsatzes von rund 60 Milliarden Euro. Für weitere Mittel verweist Alexander Seitz auf den Transformationsplan ATP, den Audi schon vor zwei Jahren auf den Weg gebracht habe. Bis 2022 soll das Programm 15 Milliarden Zukunftsinvestitionen freispielen. Weitere Milliardensummen sollen der Personalabbau und die Kapazitätsreduzierung in die Kasse spülen.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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