Audi kämpft weiter mit Schwierigkeiten

Neckarsulm  Die Auslastungsprobleme im Neckarsulmer Audi-Werk dauern an. Die meisten Produktionsbänder stehen in diesen Tagen still, rund 230 Leiharbeiter müssen gehen.

Von Manfred Stockburger
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Audi kämpft weiter mit Schwierigkeiten
Die Produktion des R8 in der Heilbronner Audi-Manufaktur ist dieses Mal nur teilweise von der Produktionspause betroffen. Foto: Audi

Ferien! Üblicherweise ist das ein Grund zur Freude, bei Audi mischt sich diese in der Faschingswoche aber bei vielen Mitarbeitern mit einem flauen Gefühl im Magen: Die freie Zeit ist nicht freiwillig, sondern vom Unternehmen angeordnet.

"Aktuell spüren wir nach wie vor die Auswirkungen von WLTP", sagt eine Sprecherin. Das heißt, dass Audi die Umstellung an den neuen Abgasprüfzyklus für den europäischen Markt, die im vergangenen Jahr für Turbulenzen sorgte, noch immer nicht verdaut hat.

Auch außerhalb Europas läuft es nicht optimal für Audi: Im Februar waren die Verkäufe der Marke in den USA erneut deutlich rückläufig. Dem durch den Modellwechsel bedingten Plus beim A6 und A8 stand aus Neckarsulmer Sicht ein deutlicher Rückgang beim A4 entgegen, der für den US-Markt ebenfalls am Standort produziert wird.

Die meisten Produktionsbänder stehen still

Die Folgen sind konkret: Die Produktionsbänder der Modelle A4, A5 Cabrio, A6 und A7 stehen diese Woche in Neckarsulm komplett still, beim A8 wird bis einschließlich Aschermittwoch nicht gefertigt, beim R8 steht der Karosseriebau bis dahin still. Pro Arbeitstag können in Neckarsulm, wenn rund um die Uhr produziert wird, etwa 1300 Autos hergestellt werden. In der aktuellen Fahrweise sind es allerdings nur rund 900, die pro Arbeitstag entfallen, wenn alle Bänder stillstehen.

"Wir befinden uns auch 2019 in einem schwierigen Übergangsjahr mit großen Herausforderungen bedingt durch politische Unsicherheiten, anhaltender Diskussion um Fahrverbote und volatilen Märkten", heißt es bei Audi zur Begründung. Zudem wurden im vergangenen Jahr im Rahmen der WLTP-Umstellung und verschiedener Modellwechseln Autos auf Halde produziert - dieses gezielt aufgebaute Lager fließe nun sukzessive ab, erklärt die Sprecherin.

Entfallschichten werden komplett von den Zeitkonten abgezogen

Man habe die einzelnen Entfallmaßnahmen, wie mangels Nachfrage gestrichene Schichten bei Audi genannt werden, in Absprache mit dem Betriebsrat in einem arbeitnehmerfreundlichen Zeitraum gebündelt - in den Faschingsferien. Anders als 2018, als Audi den Mitarbeitern die Hälfte der WLTP-bedingten Ausfallzeiten ersetzte, werden die entfallenden Stunden jetzt komplett von Arbeitszeitkonto der Beschäftigten abgezogen. Das heißt, dass sie zwar weiter Geld erhalten, die Arbeitsleistung aber später erbringen müssen.

Leiharbeiter werden abgemeldet

Wie berichtet hat das Unternehmen zudem beschlossen, die mehrfach verschobene Aufstockung der Nachtschicht in der A6/A7-Produktion abzusagen. Damit werden auch die dafür bereits im Dezember angeworbenen rund 230 Leiharbeiter überflüssig - sie hatten teilweise schon vergangenen Freitag ihren letzten Arbeitstag, nachdem sie kurzfristig "abgemeldet" wurden, wie es in der Audi-Sprache heißt.

Man setze Zeitarbeitnehmer nur ein, um Produktionsspitzen abzudecken. "Aktuell gibt es keine Pläne für den weiteren Einsatz von Zeitarbeitnehmern, da das aktuelle Produktionsvolumen über die Stammbelegschaft abgedeckt werden kann", sagt die Audi-Sprecherin.

Viele Zeitarbeiter hofften auf eine Festanstellung

Ursprünglich hatte Audi 500 Zeitarbeiter anwerben wollen. Weil der geplante Aufbau der Nachtschicht wenige Tage später schon wieder aber verschoben wurde, stoppte der Autobauer diesen Prozess. Nur wer bereits unterschrieben hatte, durfte im Januar anfangen. Nach nur zwei Monaten werden sie wieder weggeschickt - viele hatten auf einen dauerhaften Arbeitsplatz gehofft.

Einige der Betroffenen kommen allerdings bei der Konzernschwester Porsche in Stuttgart unter: Der Sportwagenhersteller baut seine Produktion aus, weil im Sommer der erste Elektro-Porsche anlaufen wird. Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold, seines Zeichens ehemaliger Audi-Werkleiter in Neckarsulm, hatte dies bereits im Januar im Gespräch mit der Stimme angedeutet.

 


Mitarbeiter im Audi-Werk

Mit 17.000 Beschäftigten ist die Mitarbeiterzahl bei Audi in Neckarsulm auf Rekordniveau, obwohl die Produktion weit unter den Bestwerten von um die 270.000 Stück liegt. Das liegt auch darin begründet, dass die Fertigung der neuen Modelle im Vergleich zu den Vorgängern deutlich aufwendiger. Die Zwangspause betrifft allerdings lediglich rund 6500 Beschäftigte. Das heißt nicht, dass die übrigen 10.000 alle Entwickler wären. Auch Bereiche wie der Werkzeugbau oder das Presswerk hängen nicht direkt an der Neckarsulmer Fahrzeugproduktion.


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