Audi entwickelt Brennstoffzelle mit Hyundai

Neckarsulm  Nicht alles bei Audi dreht sich in diesen Tagen um Diesel und Betrug: Beim Thema Brennstoffzelle geht der Autobauer ganz neue Wege.

Von Manfred Stockburger

Foto: Hyundai

Um die Wasserstoffautos schneller in die Serienreife zu bringen, hat Audi eine außergewöhnliche Technologiekooperation mit dem koreanischen Wettbewerber Hyundai vereinbart.

Hohe Reichweiten und kurze Betankungszeiten machen Wasserstoff perspektivisch zu einem attraktiven Energieträger für die Elektromobilität. Noch kommt die Technologie aber mit einem sehr teuren Preisschild.

Sofern die Wettbewerbshüter zustimmen, werden die beiden Unternehmen ihre Patente und nicht wettbewerbsrelevante Bauteile austauschen. Eine weitergehende Zusammenarbeit bei der Entwicklung dieser Technologie wird geprüft. Das Audi-Team, das die Technologie auf die Straße bringen soll, hat seinen Sitz in Neckarsulm.

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Bei der Markteinführung haben die Koreaner die Nase vorn: Der erste Hyundai mit Brennstoffzellenantrieb ist bereits bestellbar, Audi hat eine Kleinserie für das Jahr 2021 angekündigt. Basis wird der Oberklasse-SUV e-Tron sein, der dieses Jahr noch vorgestellt wird. Audi bringt dagegen den Zugang in den Premium-Markt mit, der bei der Etablierung neuer Technologien in der Regel eine Vorreiterrolle hat. Die Lizenzvereinbarung mit Hyundai zielt allerdings bereits auf die nächste Entwicklungsstufe - und ein breiteres Marktangebot.

Durchbruch der Technologie erreichen

Audi-Entwicklungsvorstand Peter Mertens beschreibt die Brennstoffzelle als „die konsequenteste Form des elektrischen Fahrens“. Sie sei im Technologieportfolio ein wichtiges Asset - das hatte sich bisher nicht immer so angehört. Mertens sieht Kooperationen als den richtigen Weg, den Durchbruch dieser Technologie bei attraktiven Kostenstrukturen zu erreichen.

„Dabei bündeln wir unsere Kräfte mit starken Partnern wie Hyundai.“ Die beiden Hersteller verfolgen in der Umsetzung der Technologie ähnliche Ansätze. Die regenerative Erzeugung von Wasserstoff und der Infrastruktur-Aufbau, so heißt es bei Audi, seien entscheidend für den künftigen Markterfolg dieser Antriebsform.

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„Wir sind zuversichtlich, dass unsere Partnerschaft mit Audi die Vision und die Stärken des Brennstoffzellen-Antriebs erfolgreich unter Beweis stellen wird“, betont Euisun Chung, Vice Chairman der Hyundai Motor Company. „Er beschreibt Wasserstoffautos als „den schnellsten Weg zu vollständig emissionsfreier Mobilität“. 

Partnerschaft mit Lieferant verlängert

In diesen Tagen hat Audi zudem seine Partnerschaft mit dem kanadischen Technologielieferanten Ballard Power um dreieinhalb Jahre bis 2022 verlängert. Der Brennstoffzellenspezialist beziffert den Wert der zusätzlich vereinbarten Aufträge auf bis zu 85 Millionen Dollar. Ballard Power unterstützt Audi bei der Entwicklung der eigentlichen Brennstoffzellen. Der Fokus der Kooperation mit den Koreanern liegt hingegen auf der Konzeption von Fahrzeugen.