Audi blickt in den Rückspiegel

Ingolstadt  Mitten in bewegten Zeiten blickt Audi in Ingolstadt auf die Neugründung der Auto Union GmbH vor 70 Jahren zurück: 1949 wurden an der Donau von der neu gegründeten Auto Union die ersten Fahrzeuge gefertigt.

Audi blickt in den Rückspiegel

Der Schnelllaster von DKW war das erste Fahrzeug, das die Auto Union in Ingolstadt fertigte.

Die Wurzeln des Autoherstellers liegen in Sachsen - dort, wo die Konzernmutter VW die elektrische Zukunft der Branche entwickelt. Nach dem Zusammenbruch von Nazi-Deutschland und der Enteignung der sächsischen Stammbetriebe der Auto Union in der sowjetisch besetzten Zone haben ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens ihre Firma am 3. September 1949 offiziell wieder neu gegründet - mitten in Ingolstadt.

Noch im Jahr 1949 wurden mehr als 500 DKW-Schnelllaster produziert

In Gebäuden der ehemaligen Festung begann das Unternehmen Ersatzteile und Motorräder zu produzieren. In der Schrannenstraße 3, heute ist dort das Amtsgericht Ingolstadt untergebracht, entsteht die erste Hauptverwaltung des neuen Unternehmens, das heute mit 44.000 Mitarbeitern am Standort die Geschicke der Stadt maßgeblich mitprägt.

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Schon 1945 gab es in Ingolstadt ein Zentraldepot für Auto Union Ersatzteile GmbH. Nach der Neugründung der Auto Union als Hersteller im Jahr 1949 wurden neben leitenden Mitarbeitern der ersten Stunde der Bauunternehmer Ernst Göhner aus Zürich und später der Multiindustrielle Friedrich Flick Hauptanteilseigner. Sie verkauften die Auto Union 1958 an Daimler-Benz. Die Stuttgarter reichten den Standort Ingolstadt Ende 1964 an VW weiter. Wolfsburg belebte die Marke Audi wieder, übernahm 1969 auch NSU und fusionierte die Firmen.

Noch im Jahr 1949 wurden die ersten 500 DKW-Schnelllaster produziert, deren Zweizylinder-Zweitakter allerdings gerade mal 20 PS auf die Straße bringen. Bis das heutige Schwesterwerk in Neckarsulm Automobile produzierte, zogen noch beinahe zehn weitere Jahre ins Land.

Aber wie kam die Auto Union aus Chemnitz ausgerechnet nach Ingolstadt? Einerseits stimmte die Geografie: In Nürnberg und München gab es Niederlassungen und Ersatzteillager der alten Auto Union, Ingolstadt liegt genau in der Mitte. Andererseits hatte Carl Hahn senior, ein leitender Manager der sächsischen Auto Union und Vater des späteren VW-Vorstandsvorsitzenden Carl Hahn, Beziehungen in die Region an der Donau. Und in den nicht mehr benötigten Gebäuden der Wehrmacht gab es genügend Platz.

Geschichtliche Sonderausstellung im Museum Mobile

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Wochenmarkt statt Piazza: Die erste Adresse der Audi-Vorläuferin Auto Union war 1949 die Schrannenstraße in der Ingolstädter Innenstadt. In dem Backsteingebäude saß damals der Vorstand des noch selbstständigen Unternehmens.

Fotos: Audi

Zum Jubiläum widmet Audi dieser Zeit im Museum Mobile die Ausstellung "W49". 49 steht dabei für das Jahr, das W bedeutete ursprünglich "West" und unterschied das erste in Ingolstadt gebaute Motorrad von den baugleichen Modellen aus dem Osten. Die Ausstellungsmacher interpretieren das W aber weiter: als Weggang, Wiederaufbau, Wagemut, Willensstärke, Wachstum, Wirtschaftskraft oder schlicht "W" wie der Wandel der Zeit.

Das Werk, wie es heute den Norden Ingolstadts dominiert, kam erst zehn Jahre später dazu. Im Sommer 1959 bezog das Unternehmen dort die ersten Produktionsanlagen. Heute ist das Werk 2,7 Millionen Quadratmeter groß und die Heimat der Audi-Modelle Q2, A3, A4 und A5. Auf dem Werksgelände und in der Stadt feierte das Unternehmen am Wochenende mit einem Mitarbeiterfest und einer neuen Themenführung durch die historischen Standorte in der Innenstadt seine spannende Vergangenheit.

Wichtige Entscheidungen über die künftige Werkbelegung stehen weiterhin aus

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Am Jubiläumswochenende fuhren zahlreiche Schnelllaster durch das Werk und die Stadt Ingolstadt.

Und die Zukunft? Auf der Piazza vor dem Werksgelände lässt sich das Unternehmen ein wenig in die Karten blicken. Unter anderem wurden dort der neue Bahnhalt "Ingolstadt Audi" und der IN-Campus im Osten von Ingolstadt vorgestellt. Welche Modelle künftig aber auf dem Gelände und in Neckarsulm gebaut werden, das bleibt auch am großen Audi-Jubeltag weiter offen.


 

 

Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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