Audi baut in den nächsten Jahren bis zu 9500 Stellen ab

Neckarsulm  Der Abbau der mehreren tausend Stellen soll sozialverträglich und ohne Entlassungen erfolgen. Teil der Vereinbarung ist zudem, dass Neckarsulm vorerst ein reines Verbrennerwerk bleibt.

Von Manfred Stockburger

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Im Neckarsulmer Werk sollen in der Fertigung etwa 1500 Arbeitsplätze wegfallen. Foto: Archiv/Manuel Maier

Tiefe Einschnitte ins Personal und in die Unternehmensstruktur sollen Audi für die Zukunft fit machen. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter auf ein Paket verständigt, das bis 2025 den Abbau von bis zu 9500 Arbeitsplätzen an den deutschen Audi-Standorten vorsieht. Erreicht werden soll dies durch die natürliche Fluktuation und durch zusätzliche Vorruhestandsregelungen.

Im Gegenzug wird die Beschäftigungssicherung, die aktuell bis 2025 Kündigungen ausschließt, bis Ende 2029 verlängert. Außerdem wird die Ergebnisbeteiligung für die Mitarbeiter nicht angetastet, solange keine neuen Rekordwerte erreicht werden.

Inwieweit Neckarsulm vom Abbau betroffen ist

In Neckarsulm sollen in der Fertigung etwa 1500 Arbeitsplätze wegfallen. Ob die 1000 IT-Fachkräfte, die in die neue Konzern-Gesellschaft Car.Software.org überführt werden sollen, als Teil des Personalabbaus gewertet werden, blieb zunächst offen. 2000 Beschäftigte sollen für neue Aufgaben umqualifiziert werden – diese Zahl ist Bestandteil der 9500 Stellen, die gestrichen werden sollen.

Der Betriebsrat spricht deswegen von 7500 Stellen, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll zunächst konstant bleiben, heißt es in der Vereinbarung. In einigen Jahren ist allerdings eine Überprüfung der Anzahl und der Lehrinhalte vorgesehen.

Teil der Vereinbarung ist, dass der intern als E6 bekannte elektrische A6-Nachfolger in Ingolstadt gebaut wird. Der A6 bekommt allerdings eine neunte Generation mit Verbrennungsmotor. Dieses Fahrzeug soll gemeinsam mit dem nächsten A4 in Neckarsulm auf einer Linie gefertigt werden.

Auch die Elektrifizierung spielt für Neckarsulm weiterhin eine Rolle

Ab 2024 wird dies dem Standort nochmals einige Jahre eine sehr gute Auslastung bescheren, gegen Ende des nächsten Jahrzehnts soll die Stückzahl dann aber in die Größenordnung der neuen Kapazität von 225.000 Fahrzeugen sinken. Die Lackiererei, deren Ertüchtigung bereits begonnen hat, soll aber dennoch auf einer Kapazität von 300.000 Fahrzeugen erhalten bleiben.

Das Werk Neckarsulm soll erst im zweiten Schritt elektrifiziert werden. Um einen erneuten Bruch dieser Zusage zu vermeiden, wurde als Teil der Vereinbarung ein zweckgebundener Investitionstopf vereinbart, mit dem der Umbau des Werks Neckarsulm für die Produktion von E-Fahrzeugen der zweiten Generation finanziert werden soll. 300 Millionen Euro sollen darin bereitgestellt werden.

Betriebsrat ist zufrieden mit dem Ergebnis 

„Mit Audi Zukunft packen wir auch die strukturellen Themen an, um Audi auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten“, sagt Audi-Chef Bram Schot. „In Zeiten des Umbruchs stellen wir Audi agiler und effizienter auf. Damit erhöhen wir die Produktivität und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Standorte langfristig.“  

Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch verweist auf die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2029, die  „ein großer Erfolg in schwierigen Zeiten“, sei.  „Wichtig für unsere Kolleginnen und Kollegen: Die Audi Ergebnisbeteiligung bleibt auf hohem Niveau bestehen.“ Rolf Klotz, der Betriebsratsvorsitzende des Audi-Standorts Neckarsulm, sieht die Zusage, dass der Standort auch elektrifiziert wird, als Pluspunkt: „Wir haben die Unternehmensleitung in die Pflicht genommen, ihre Zusagen auch umzusetzen. Mit der langfristigen Elektrifizierung schafft Audi Zukunft jetzt Fakten. Wir sichern damit die Zukunftsfähigkeit des Standorts Neckarsulm.“ 

 


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