Audi: Neckarsulm bekommt eigene Batteriemontage

Neckarsulm  Bei der Audi-Betriebsversammlung in Neckarsulm wurde eine eigene Batteriemontage für den Standort zugesagt. Baustart soll im neuen Jahr erfolgen. Viel Applaus gab es für den neuen Chef Bram Schot.

Von Alexander Schnell
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Elektromobilität nimmt Gestalt an
Die Montage der Batteriezellen für E-Autos, wie hier bei Volkswagen, soll künftig auch bei Audi in Neckarsulm erfolgen. Foto: Volkswagen

Mit viel Applaus und Standing Ovations haben die Audi-Mitarbeiter am Donnerstag Bram Schot in Neckarsulm begrüßt. Und der Applaus ebbte nicht ab, denn schließlich hatte der neue Chef des Autobauers auf der Betriebsversammlung gute Nachrichten dabei.

Der Standort produziert die Batterien für die künftigen Elektroautos direkt vor Ort. Die Batteriemontage entsteht auf dem ehemaligen Krieger-Gelände. Baustart ist im neuen Jahr, die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Das Werk in Ingolstadt erhält ebenfalls eine Batteriemontage, das wurde bereits am Mittwoch bekanntgegeben. Damit gestalten wir Neckarsulmer auch die Zukunft der Elektromobilität weiter aktiv mit", sagte Betriebsratschef Rolf Klotz , der zusammen mit Schot vor rund 3300 Beschäftigten sprach.

Marke schärfen, Kulturwandel forcieren

Die Kernbotschaft auf der Betriebsversammlung: "Audi muss neu ausgerichtet werden." Der Vorstand habe dafür klare Ziele: Die Marke schärfen, neue Benchmarks setzen, den Kulturwandel forcieren, den Kernmarkt China stärken und maßgebliche Zukunftstechnologien treiben. "Wir müssen die Dinge gemeinsam ändern - und zwar jetzt", sagte Schot. "Wir brauchen Euch alle, damit wir unsere Potenziale heben und die Transformation klappt."

Betriebsratschef Klotz erneuerte seine Forderung nach einem SUV-Modell für Neckarsulm - schließlich werde der Anteil von Limousinen und Kombis auf dem Weltmarkt weiter deutlich sinken in Zukunft. Von Bram Schot erwartet der Betriebsrat die Bündelung aller Kräfte, um weitere Motoren im neuen Prüfzyklus WLTP freigeben zu lassen. Ein gutes Zeichen für den Standort seien die für 2019 geplanten Vorstandstermine in Neckarsulm. "Das ist ein Novum. Allein im ersten Halbjahr 2019 wird der Audi-Vorstand zweimal bei uns im Werk tagen", sagte Klotz. Für den Betriebsrat sei das eine gute Gelegenheit, die Themen des Masterplans "Perspektive Neckarsulm" zu platzieren.

Investitionen in den Standort Neckarsulm

Der frisch gekürte Audi-Chef Bram Schot spricht bei der Betriebsversammlung in Neckarsulm. Foto: Audi/Matthias Stark

Doch die Zukunft am Standort kommt mit großen Schritten. In Neckarsulm nehmen die ersten Bauwerke in Sachen Elektromobilität bereits Gestalt an. So entsteht in der Mitte des Standorts ein Karosseriebau für die beiden volumenstarken E-Modelle, die ab 2021 auf Basis der gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE-Plattform in Neckarsulm gefertigt werden sollen. In einem weiteren Neubau soll zusätzlicher Platz für die Logistik und die Vormontage geschaffen werden. Zudem in Arbeit ist die Erweiterung der Montagehalle A11 in Richtung Neckar, in der ein Teil dieser Elektroautos zusammen mit dem A8 fertiggestellt werden soll.

Doch damit nicht genug. Neben dem ersten Elektroauto E-Tron aus dem Werk Brüssel und seinem engen Verwandten E-Tron Sportback hat Audi bisher einen elektrischen Q2L für China und den E-Tron GT angekündigt, der wie berichtet zum Jahreswechsel 2020/21 am Standort in Heilbronn in den Böllinger Höfen gebaut werden wird. Dort laufen bei Audi Sport bereits die Vorarbeiten.

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Insgesamt wird Audi in den Jahren bis 2023 rund 40 Milliarden Euro investieren, heißt es. 14 Milliarden Euro wird das Unternehmen in diesem Zeitraum in die Zukunftsthemen Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren stecken. Die Marke mit den vier Ringen tritt aufs Gas, allen voran der neue Chef Bram Schot. "Mit Modellen wie dem E-Tron GT wollen wir die Menschen wieder für Audi elektrisieren und dabei ein agiles und sehr effizientes Unternehmen sein", so der 57-Jährige. Apropos Effizienz. Rund 30 Prozent Komplexität will der Audi-Boss so schnell wie möglich über Bord werfen, ist zu hören. Weniger Varianten, weniger Aufwand, aber derselbe oder gar ein höherer Ertrag - ein komplexes Vorhaben. Die Mannschaft sei bereit, der Audi-Spirit sei zurück, findet der Niederländer: "Ich spüre ganz viel Energie im Unternehmen."

 

Strategie

"Bis 2025 werden wir deutlich mehr als 20 elektrifizierte Modelle im Angebot haben: Plug-in-Hybride, Elektroautos und ein erstes Modell mit Brennstoffzelle in Kleinserie", kündigt Audi-Chef Bram Schot an. "Wir treten mit dem Ziel an, zur Mitte des nächsten Jahrzehnts führende Premiummarke für Elektroautos zu sein und 800.000 E-Autos pro Jahr zu verkaufen. Für das erste Elektroauto mit den vier Ringen, dem SUV E-Tron, liegen nach Informationen der Heilbronner Stimme bereits mehr als 20.000 Reservierungen vor. Ein Test des Wagens folgt am 22. Dezember in der Autostimme.


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