Audi-Interimschef Bram Schot setzt erste Akzente

Neckarsulm  In seinem Brief an die Audi-Beschäftigten verzichtet Schot auf das Sie. Staatsanwälte verhören derweil Ex-Chef Rupert Stadler.

Von Manfred Stockburger und dpa

Audi-Interimschef Bram Schot setzt erste Akzente

Bald werden die Audianer Schot auch ohne Namensschild erkennen.

Foto: dpa

 

Wer ist der neue Chef? Weil Bram Schot erst seit dem vergangenen September dem Vorstand angehört und erst damals überhaupt zu Audi stieß, ist der 56-Jährige bei den knapp 17.000 Audi-Mitarbeitern in Neckarsulm und ihren gut 70.000 Kollegen in aller Welt weitgehend unbekannt.

Während Rupert Stadler sich am Mittwoch erstmals als U-Häftling den Fragen der Münchener Staatanwälte stellte, wendete sich Schot mit einem Brief an die Belegschaft. "Mein oberstes Ziel ist es, gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen Audi sicher durch diese turbulenten Zeiten zu steuern", schreibt er darin.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung äußern sich nicht zum Inhalt oder zur Dauer der Vernehmung Stadlers, der Schot-Brief liegt der Heilbronner Stimme dagegen vor.

"Audi trägt das Zuhören schon im Namen"

Die Verhaftung Stadlers habe ihn persönlich tief getroffen, schreibt Schot und betont erneut, dass die Unschuldsvermutung gelte. Angesichts der schwierigen Lage präsentiert sich Schot nahbar. "Unser Unternehmen trägt das Zuhören schon im Namen", schreibt er. Das sei sein Anspruch. Interessant ist nicht zuletzt, dass er die Kolleginnen und Kollegen nicht siezt: "Ich bin für Euch da."

Nach zwei Tagen in Untersuchungshaft wurde Audi-Chef Rupert Stadler am Mittwoch zum ersten Mal als Beschuldigter vernommen. Foto: dpa

Was die Aufarbeitung des Dieselbetrugs angeht, verspricht er, dass der alles tun werde, um die Krise "schnell und restlos" hinter sich zu bringen. Das Tempo und Zweifel an der Vollständigkeit der Aufklärung zum Ende der Ära Stadler hin haben letztlich dazu geführt, dass der bisherige Boss verhaftet wurde. Auch darüber hinaus betont der Niederländer: "Auf den Inhalt kommt es an. Und erst im zweiten Schritt auf Geschwindigkeit."

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Audi muss seine Versprechen einhalten

Stadler hatte schon vor einem halben Jahr das Diesel-Kapitel für beendet erklärt und angekündigt, dass die Task-Force aufgelöst werden solle. Wenig später mussten erneut Motoren mit illegalen Softwarekomponenten zurückgerufen werden. Bei Schot klingt das so: "Indem wir das tun, was wir versprechen, verdienen wir uns in der Öffentlichkeit Anerkennung zurück."

Wie lange Stadler in U-Haft bleiben muss, ist indes weiterhin völlig offen. Wenn durch seine Aussage oder andere Gründe die Verdunkelungsgefahr oder der dringende Tatverdacht entfiele, wäre er sofort freizulassen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Das ist bisher offenbar nicht geschehen.

Unternmehmen muss offen, ehrlich und gut geführt sein

"Wir alle wollen für ein gut geführtes, ehrliches und offenes Unternehmen arbeiten", lässt Bram Schot den Satz des VW-Chefs Herbert Diess anklingen, der auf der Hauptversammlung der Konzernmutter gefordert hatte, dass das Unternehmen "anständiger" werden müsse. Diess ist auch Audi-Aufsichtsratsvorsitzender.

"Wir müssen statt große Worte zu machen große Taten schaffen", schreibt Schot, der als Pragmatiker beschrieben wird. Er appelliert dabei an den Zusammenhalt der Mannschaft. "Auch beim Übergang auf WLTP werden wir gemeinsam gegensteuert - gegen Lieferengpässe und Auslastungsprobleme."

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