Audi-Chef Schot muss um seinen Job bangen

Ingolstadt/Neckarsulm  VW-Chef Herbert Diess setzt wohl auf den ehemaligen BMW-Vorstand Markus Duesmann an der Spitze der Marke mit den vier Ringen - und nicht mehr auf Bram Schot.

Von Alexander Schnell

Audi hat eine turbulente Woche hinter sich. Am Freitag vor einer Woche meldete der Autobauer mit den Halbjahreszahlen einen Gewinnrückgang um 20 Prozent. Am Dienstag klagte die Staatsanwaltschaft München den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler unter anderem wegen Betrugs an.

Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass sein Nachfolger Bram Schot im nächsten Frühjahr seinen Posten wieder räumen muss und durch den ehemaligen BMW-Vorstand Markus Duesmann ersetzt wird. Schwache Absatzzahlen erhöhen den Druck: Im Juli lag Audi in Deutschland 14 Prozent unter dem Vorjahreswert, BMW 32 Prozent darüber, wie das Kraftfahrtbundesamt am Freitag mitteilte.

Spekulationen gab es bereits im Juli 2018

Spekulationen, dass Duesmann Audi-Chef werden sollte, machten bereits im Juli 2018 die Runde, als er seinen Vertrag mit dem VW-Konzern unterschrieb. Mehrfach zögerte VW-Chef Herbert Diess die formale Bestellung Schots zum Audi-Vorstandschef hinaus. BMW aber beharrte auf der Wettbewerbsklausel, die Duesmann bis Oktober 2020 verbietet, für einen anderen Autobauer zu arbeiten. Erst im Dezember machte Diess Schot dann doch zum Audi-Chef.

Nun aber, so berichten Insider, möchte BMW Duesmann doch schon im Frühjahr 2020 ziehen lassen. Damit ist der 50-Jährige, den Diess aus seiner Zeit bei BMW gut kennt, wieder im Spiel.

Interview mit Betriebsräten sorgte für Aufregung

Angeheizt wurden die Personalspekulationen vor gut einem Monat. "Bram Schot ist jetzt im Moment der richtige Mann an der richtigen Stelle", sagte damals Audis Betriebsratschef Peter Mosch im Gespräch mit der Heilbronner Stimme und dem "Donaukurier". Und Bernd Osterloh, Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrats, schob vielsagend hinterher, dass Schot einen weiteren Vertrag als Vertriebsvorstand im Konzern habe. "Wenn Herr Duesmann endlich die Freigabe von BMW bekommt, muss man sehen, was man macht", so Osterloh.

Dem Vernehmen nach hat sich Herbert Diess aber schon festgelegt. "Die Achse Diess - Duesmann steht, da besteht kein Zweifel", sagte ein Insider der Heilbronner Stimme. Schot selbst nimmt die Spekulationen gelassen. Das Schöne an Volkswagen sei ja, hat er vor einer Weile mal gesagt, dass es so viele interessante Aufgaben gebe. Und überhaupt: "Es geht um das Unternehmen, nicht um mich als Person."

Standorte leiden an fehlender Auslastung 

Vor einigen Wochen hat Schot der Belegschaft die Strategie "Konsequent Audi" vorgestellt, die das Unternehmen wieder auf Kurs bringen soll. Seither ist aber wenig geschehen. Noch immer sind die Verhandlungen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern nicht gestartet. Die deutschen Standorte Neckarsulm und Ingolstadt leiden an Unterauslastung. Der Standort Neckarsulm ist auf 300.000 Einheiten jährlich ausgelegt, wird aber 2019 aller Voraussicht nach weniger als 200.000 Fahrzeuge fertigen. Zudem fordert der Betriebsrat eine Arbeitsplatzgarantie bis 2030. Bei der Konzernmutter VW liegt der Fokus gerade auf dem Ausbau der Elektromobilität.

 


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