Audi-Betriebsrat pocht auf die Einhaltung von Vereinbarungen

Neckarsulm  Audi hat die Einführung einer dritten Schicht in der Neckarsulmer A6-Produktion erneut verschoben. Die IG Metall kritisiert das „Verwirrspiel“ des Unternehmens.

Von Manfred Stockburger

Der Neckarsulmer Betriebsrat und die IG Metall stellen die Verlässlichkeit ihrer Gesprächspartner bei Audi in Frage. „Wir fordern weiterhin die Einhaltung von getroffenen Vereinbarungen“, heißt es in einem Flugblatt, das an den Werkstoren verteilt wurde. Hintergrund ist die erneute Verschiebung der Produktionsausweitung beim A6 in die Nachtschicht.

Zunächst sollte sie nach den Sommerferien 2018 kommen, dann vor Weihnachten, dann jetzt im Februar. Inzwischen steht fest, dass auch der nächste Termin im April nicht gehalten werden kann. Damit steuert das Unternehmen im dritten Jahr in Folge auf eine massive Unterauslastung des Standorts hin. Statt der möglichen 300.000 Fahrzeuge pro Jahr wurden in Neckarsulm zuletzt deutlich weniger als 200.000 Autos produziert.

Gewerkschaft verlangt Klarheit

„Dieses Verwirrspiel von Audi entwickelt sich zur Unsitte“, sagt Michael Unser, der Erste Bevollmächtigte der Neckarsulmer IG Metall. „Wir wollen jetzt endlich Klarheit.“ Das Unternehmen müsse sich erklären, wenn es seine Ankündigungen nicht realisieren könne, so der Gewerkschafter, der zugleich betont, dass die Beschäftigungssicherung für alle Audi-Mitarbeiter weiterhin die höchste Priorität habe. Am heutigen Donnerstag tagt der Audi-Aufsichtsrat.

„Ende 2017 haben wir der Auflösung der Dauernachtschicht im C-Segment nur befristet zugestimmt“, erklärt der Neckarsulmer Betriebsratsvorsitzende Rolf Klotz. „Bedingung war der Aufbau einer dritten synchronen Schicht ab Dezember 2018.“

Zuletzt habe der Betriebsrat aufgrund mangelnder Stückzahlen durch die Einführung des neuen Abgasprüfzyklus WLTP eingelenktund das Hochfahren auf April 2019 verschoben. „Das Unternehmen schuldet uns also im Grunde seit drei Monaten eine synchrone dritte Schicht. Doch die soll nun nicht einmal mehr verspätet kommen“, schimpft Klotz. „Wir sehen die Verlässlichkeit von Aussagen des Unternehmens zunehmend auf dem Prüfstand.“ Klotz betont, dass die mit dem Unternehmen getroffene Vereinbarungen weiterhin Gültigkeit haben.  

Ein Jahr voller Herausforderungen

Das Unternehmen verweist in einer Stellungnahme darauf, dass Audi sich in einer schwierigen Phase befinde. „Auch 2019 wird für das Unternehmen und die Mitarbeiter ein Jahr voller Herausforderungen, auf die das Unternehmen reagieren muss.“ Man habe den Betriebsrat umfassend über die aktuelle Situation informiert und verdeutlicht, dass an der Vereinbarung zum Aufbau der dritten Schicht in der A6-Fertigung sowie der vollen zweiten Schicht beim A8 nicht festgehalten werden kann.

Eine Sprecherin verweist auf die Beschäftigungsgarantie, die bis 2025 gilt. Man wolle mit dem Betriebsrat nun die konkrete Fahrweise der Fabrik für dieses Jahr sowie die Rahmenbedingungen für die tangierenden Bereiche besprechen.

 


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