Audi-Betriebsrat informiert Mitarbeiter

Neckarsulm  Im Ringen um die Zukunft des schlecht ausgelasteten Audi-Werks in Neckarsulm lässt der Betriebsrat Kompromissbereitschaft erkennen.

Email

 

Zur zentralen Informationsveranstaltung des Audi-Betriebsrat versammelten sich am Dienstag rund 5.000  Audianer auf dem Werksgelände in Neckarsulm. Die Beschäftigten wollten wissen, wie es mit ihnen und dem Standort im Wandel hin zur Elektromobilität weitergeht.

Betriebsratschef Rolf Klotz: "Das Werk in einigen Jahren elektrifizieren" 

Man bestehe angesichts der schwierigen Marktlage nicht zwingend auf der Zusage des Autobauers, wonach kurzfristig zwei volumenstarke Elektromodelle am Standort gebaut werden sollten, sagte der Neckarsulmer Betriebsratschef Rolf Klotz am Dienstag. Dafür müsse Audi aber zusichern, dass das Werk in einigen Jahren elektrifiziert werde, einen Zeitpunkt für die Umstellung fixieren und zweckgebundene Investitionen zurückstellen. Eine Betriebsratssprecherin ergänzte, in einem solchen Szenario müsse spätestens 2023 der Umbau der Werkseinrichtungen auf eine E-Modell-Produktion beginnen.

Werkleiter Helmut Stettner: "Der Standort muss flexibel werden"

"Wir als Standort Neckarsulm haben es uns zum Ziel gesetzt, langfristig profitabel zu wirtschaften und die Auslastung zu steigern", sagte Werkleiter Helmut Stettner.  "Wir wollen den Standort zukunftsorientiert und nachhaltig ausrichten. Nachhaltigkeit heißt für uns, dass wir ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen." Entscheidend sei dabei, dass der Standort so flexibel werde, dass das Unternehmen auf Anforderungen der Märkte optimal reagieren könne. "Sollte die Elektromobilität sich also beispielsweise schneller durchsetzen, als geplant, sind wir vorbereitet."

Journalisten, die der Betriebsrat zu der Veranstaltung eingeladen hatte, durften nicht bleiben. Das zeigt, wie nervös die Manager am Standort sind. „Ich habe keinerlei Verständnis für Schwarzmaler, die unseren Standort klein reden wollen“, sagte Werkleiter Stettner über die Aktion der Arbeitnehmervertreter. Der Veranstaltung bleibt er fern. Viele der Audi-Mitarbeiter trugen Buttons mit der Aufschrift Perspektive für unsere Zukunft. In der Mitte ist ein Herz zu sehen mit dem Schriftzug Audi – NSU.

 

 

Elektrifizierung kommt erst später

Während die Verhandlungen um die Zukunftsvereinbarung unter Hochdruck laufen, setzt Klotz auf den Druck der Straße, um seiner Forderung nach einem E-Modell für den Standort Nachdruck zu verleihen. „Wir wollen einen klaren und finanziell abgesicherten Weg in die batterieelektrische Mobilität“, sagte er. Und zwar sofort. Denn: „Wir müssen am Aufbruch in die Elektromobilität teilhaben. Ohne belastbare Investitionszusagen geben wir uns nicht zufrieden.“

Werkleiter Stettner geht „selbstverständlich davon aus, dass die Elektrifizierung langfristig erfolgen wird“. Eigentlich sollte das tatsächlich eine Selbstverständlichkeit sein, denn schon 2017 hatte der Vorstand – damals noch mit Rupert Stadler an der Spitze, dem Standort nicht eines, sondern zwei voluenstarke Elektroautos zugesagt, die ab 2021 in Neckarsulm anlaufen sollten. Seit Jahresbeginn versucht das Ingolstädter Management, diese Zusage wieder einzukassieren. Zunächst soll nur Ingolstadt zum Elektroauto-Standort umgebaut werden.

Hertwig und Juratovic zeigen Flagge

Auch Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig zeigte Flagge und nahm an der Veranstaltung teil. „Das war hochemotional, Rolf Klotz hat deutliche Worte gefunden und unmissverständlich klar gemacht, dass für Neckarsulm eine verbindliche Zukunftsperspektive beschlossen werden muss“, so der 50-Jährige. „Die Mitarbeiter haben Befürchtungen um die Zukunft dieses Werkes und es ist jetzt die Aufgabe von allen Beteiligten, dem entgegen zu wirken.

Unter den Besuchern wurde auch Josip Juratovic gesichtet. Er hat selbst 22 Jahre im Audi-Werk gearbeitet. „Das ist sehr bewegend für mich, das hier heute zu erleben und zu beobachten wie sich das Werk in den vergangenen Jahren entwickelt hat“, sagte der Bundestagsabgeordnete (SPD). „Es ist nun wichtig, dass der Standort von den Zukunftstechnologien nicht abgehängt wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.“


 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

Kommentar hinzufügen