Audi: Auslastung am Standort Neckarsulm sinkt weiter

Neckarsulm  Der Nachfolger des Modells A4 könnte in der Region gebaut werden. Im September verzeichnet Audi ein Absatzplus, im Gesamtjahr steht aber nach wie vor ein Minus.

Der Audi-Standort Neckarsulm wird bis zum Jahresende nach derzeitigen Planzahlen lediglich 178.000 Fahrzeuge produzieren, wie die Heilbronner Stimme aus Betriebsratskreisen erfahren hat. Das wäre eine Stückzahl, die auf dem Niveau des Krisenjahres 2009 liegt. 2019 wäre damit das dritte Jahr in Folge, in dem in Neckarsulm weniger als 200.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Ausgelegt ist das Werk auf 300.000 Einheiten jährlich.

Von Unternehmensseite gibt es auf Anfrage keine Angaben zu den geplanten Produktionszahlen am Standort. "Wir erwarten vom Vorstand mehr Anstrengungen, um die Modelle A6, A7 und A8 besser auf dem Markt zu positionieren", sagte Betriebsratschef Rolf Klotz gegenüber unserer Redaktion.

 

Entwicklung im Werk Neckarsulm

216.322

260.295

271.356

260.603

184.000

177.820

265.622

273.196

270.516

193.016

178.000

Produzierte Fahrzeuge

0

16.971

16.788

16.995

16.314

16.703

15.900

15.163

14.764

14.247

13.704

13.794

Mitarbeiter

0

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019*

HSt-Grafik, Quelle: Audi, eigene Recherche *Schätzung, Mitarbeiter zum 31.8.2019

Entwicklung im Werk Neckarsulm

271.356

260.603

184.000

270.516

193.016

178.000

Produzierte Fahrzeuge

0

16.971

16.788

16.995

16.314

16.703

15.900

Mitarbeiter

0

2014

2015

2016

2017

2018

2019*

HSt-Grafik, Quelle: Audi, eigene Recherche *Schätzung, Mitarbeiter zum 31.8.19

 

Elektroautos oder Fahrzeuge mit Verbrenner?

Vor zwei Jahren hatte der Audi-Vorstand die Zusage gegeben, dass in Neckarsulm zwei Elektrofahrzeuge produziert werden sollen. Der E-Tron GT, dessen Produktion derzeit in der Audi Sport-Manufaktur im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe vorbereitet wird, war dabei nicht eingerechnet. Im Frühjahr hatte das Unternehmen diese Zusage plötzlich in Frage gestellt. Alternativ würde Neckarsulm ein Verbrenner-Standort bleiben für Fahrzeuge, die wie der A6 und der A8 auf dem modularen Längsbaukasten (MLB) aufsetzen.

In den vergangenen Wochen gab es daher immer wieder Gerüchte, dass der Nachfolger des A4 (intern: B10) ab 2022/2023 in Neckarsulm statt in Ingolstadt gebaut werden soll. Vergangenes Jahr war jeder fünfte neue Audi ein A4. In Ingolstadt würden dann die Elektroautos gebaut.

Jobgarantie läuft im Jahr 2025 aus

Wie geht es in den deutschen Audi-Werken in Zukunft weiter? Diese Frage stand am Mittwoch im Mittelpunkt der Betriebsversammlung des Unternehmens am Stammsitz in Ingolstadt. Die künftigen Werkbelegungen werden auch bei der Versammlung am Donnerstag in Neckarsulm das Topthema sein.

Derzeit finden sondierende Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat statt, die Verhandlungen aber stehen nach wie vor aus. Der Betriebsrat fordert neben der Klarheit über die Werkbelegungen eine Jobgarantie bis 2030 - die jetzige läuft im Jahr 2025 aus.

3,6 Prozent weniger Fahrzeuge im Gesamtjahr

Am Mittwoch hat Audi die Absatzzahlen für September veröffentlicht. Weltweit wurden 145.400 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 4,5 Prozent. Dabei profitiert der Hersteller davon, dass der Vergleichszeitraum 2018 wegen Problemen bei der Umstellung auf den Abgaszyklus WLTP extrem schlecht ausgefallen war. Auf das Gesamtjahr gesehen liegt Audi im Minus. Bis Ende September wurden 1,36 Millionen Autos ausgeliefert, das sind 3,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.


Kommentar: Fakten schaffen

Welche Modelle werden künftig in welchem Audi-Werk gebaut? Klar: Um diese Frage abschließend zu beantworten, gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen. Die Frage steht aber schon sehr lange im Raum. Mit jedem Tag, der vergeht, wächst die Verunsicherung in der Belegschaft. Um so wichtiger ist es, dass endlich Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat über die Zukunft der deutschen Standorte beginnen und Fakten geschaffen werden.

Es geht in der Tat um sehr viel - um entscheidende Weichenstellungen. Nicht nur um das, was 2020 ist, sondern darum, wie Audi und seine Standorte für die nächsten Jahrzehnte aufgestellt werden. Für Neckarsulm stellt sich die Frage, ob der Fokus am Standort weiter auf Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor liegt oder ob die Elektromobilität Einzug hält. Beides parallel zu tun, wird technisch und wirtschaftlich schwer darstellbar sein.

Zumal Audi eine von vielen Marken im VW-Konzern ist. Aus Unternehmenssicht wird es mehr denn je darum gehen, gewisse Plattformen und Antriebsarten an einem Standort zu bündeln. Ein gutes Beispiel dafür ist das VW-Werk in Zwickau. Dort wird derzeit das Elektroauto ID.3 produziert, Modelle von Audi und Seat werden folgen. So muss nun für Neckarsulm das passende Tätigkeitsfeld gefunden werden.

 


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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