Auch so kommt Strom in die Garage

Neckarsulm  Audi zeigt bei der Weltpremiere des E-Tron in San Francisco auch eine mobile Ladesäule für Elektrofahrzeuge.

Von Manfred Stockburger

Mit der Vorstellung des ersten europäischen Premium-Elektroautos haben sie Mercedes den Vortritt gelassen. Erst jetzt zeigt Audi den E-Tron auch ohne die markante Tarnbeklebung der Öffentlichkeit - in Kalifornien, weil die Marktstrategen aus Ingolstadt in der Heimat von Tesla mehr Interessenten vermuten als in Brüssel, wo der Elektro-Stadtgeländewagen gebaut wird und ursprünglich vorgestellt werden sollte.

Entwickelt in der Audi-Denkwerkstatt in Berlin

Auch so kommt Strom in die Garage

Eine fahrbare Batterie für Elektroautos haben Teilnehmer der Audi-Denkwerkstatt entwickelt − sie kann nicht nur Fahrzeuge der eigenen Marke betanken. Foto: Audi

Wenn in San Francisco mit großem Getöse vor der Weltpresse das E-Zeitalter bei Audi eingeläutet wird, dann ist ein zweites Gefährt dabei. ParkE heißt das unscheinbare Gerät, das aber schon bald ebenfalls zur Modellpalette des VW-Konzerns gehören könnte. "Es sieht gut aus", verrät Anna Trunk von der Berliner Audi-Denkwerkstatt, in der die mobile Ladesäule von der Idee bis zum funktionsfähigen Prototyp entwickelt wurde, der Strom aus der Wohnung oder dem Keller bis in die Garage bringen kann.

Die Neckarsulmer Audi-Sprecherin Petra Haverkamp war Teil des Teams, das ParkE innerhalb von weniger als sechs Monaten entwickelt, als sie im ersten Halbjahr in Berlin bei der Audi-Denkwerkstatt war. "Keine von uns hatte einen Elektro-Hintergrund", sagt sie stolz - und doch hat es geklappt. Noch mehr freut sie sich, dass ParkE mit zur E-Tron-Weltpremiere darf.

ParkE soll E-Mobilität in der Stadt ermöglichen

Die ursprüngliche Idee ist, dass ParkE private Parkplätze ohne großen Aufwand elektrifizieren kann und somit den Einstieg in die Elektromobilität - insbesondere in der Stadt - erleichtern soll. Aufladen lässt sich die Batterie nämlich an einer ganz normalen Schukosteckdose. Damit muss nicht erst ein Starkstromkabel verlegt werden, was vielerorts sehr teuer oder sogar unmöglich ist und damit den Einstieg in die E-Mobilität verhindert.

Dass der Stromtransporter ein bisschen daherkommt wie eine mobile Kehrmaschine, ist daher kein Zufall. Schließlich bringen die 25 Kilowattstunden starken Batterien etwa 200 Kilogramm auf die Waage. Wendig und schmal muss sie sein, damit sie zwischen Fahrzeugen durchpasst. Und natürlich haben auch die Räder einen kleinen E-Antrieb, damit das Nachtanken nicht zur Schinderei wird.

Prototyp ist in San Francisco dabei

Auch so kommt Strom in die Garage
Das Ziel von Audi heißt: E-Mobilität stadttauglich machen. Foto: Audi

Bei ihrer Roadshow durchs Unternehmen haben Haverkamp und ihre Kollegen aber festgestellt, dass dass es auch ganz andere Anwendungsfälle für ihre Erfindung gibt. "Auch Autohäuser haben großes Interesse", erzählt Petra Haverkamp, die in der Berliner Denkwerkstatt zusammen mit drei Audi-Kollegen den ParkE als funktionsfähigen Prototyp entwickelt hat. "Auch im Handel müssen Autos zwischendurch betankt werden. Bei E-Autos geht das nicht mit dem Benzinkanister", erklärt sie. Dasselbe gilt für die Produktionswerke:

Im Normalfall reicht die Ladung aus, die E-Autos vom Fließband mitbringen. Müssen sie doch nachgeladen werden, ist die mobile Ladesäule praktisch. Auch der Neckarsulmer Werkleiter Helmut Stettner ist an ParkE interessiert.

Batterien stammen aus dem E-Tron

Die Batterien kommen von der Stange, was die Kosten des Produkts im Rahmen hält, wie Trunk und Haverkamp verraten: Es sind dieselben, die auch im neuen E-Tron eingebaut werden. Nach aktuellem Stand soll ParkE über ein Leasingangebot im Markt platziert werden. Design, Marke und Vertriebsweg sind hingegen noch offen, die Verhandlungen laufen aber. Jetzt wird der Prototyp aber erstmal nach Kalifornien verfrachtet, wo er zusammen mit dem E-Tron von Audi glänzen soll.

 
 

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