Aktiengesellschaften schütten in diesem Jahr weniger Geld aus

Frankfurt am Main / Region  Die börsennotierten deutschen Unternehmen werden in diesem Jahr voraussichtlich weniger Dividende zahlen als 2019. Das zeigen die Dividendenprognosen für die 160 Aktiengesellschaften im Dax, im MDax und im SDax.

Email
Aktiengesellschaften schütten in diesem Jahr weniger Geld aus

Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com

Laut einer Analyse der Deka-Bank können sich die Aktionäre auf Ausschüttungen in Höhe von 49,4 Milliarden Euro freuen. 2019 schütteten die Firmen noch rund 750 Millionen Euro mehr an ihre Anteilseigner aus.

Konjunkturschwäche macht sich bemerkbar

Den leichten Rückgang erklärt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der zur Sparkassen-Gruppe gehörenden Deka-Bank, mit der schwächeren Konjunktur. "Handelskonflikte, Schwächen der globalen Industrie sowie der Strukturwandel stellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und bremsen die Unternehmensgewinne" sagt Schallmayer.

Dennoch attestiert er den Aktiengesellschaften, sich "sowohl bei der absoluten Ausschüttungshöhe als auch beim Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs, der Dividendenrendite," weiterhin auf sehr hohem Niveau zu bewegen. So liege die prognostizierte Dividendenrendite der Unternehmen im Schnitt bei knapp über drei Prozent. "Das ist deutlich über dem, was derzeit etwa mit einem Tagesgeldkonto erreicht werden könnte", sagt Schallmayer.

Bayern ist bei den Bundesländern vorn

Schaut man sich die regionale Dividendenprognose an, werden Unterschiede deutlich. So ist Bayern nach wie vor das ausschüttungsstärkste Bundesland. Mit voraussichtlich knapp 15 Milliarden Euro zahlen die 37 bayerischen Aktiengesellschaften 44 Millionen Euro weniger Dividende als im Vorjahr. Es folgt Nordrhein-Westfalen, wo 32 Unternehmen prognostizierte 14 Milliarden Euro ausschütten - etwas weniger als 2019.

In Baden-Württemberg wird die Dividendensumme wohl um rund 20 Prozent auf knapp 5,1 Milliarden Euro sinken. Dieser Rückgang geht fast ausschließlich auf Daimler zurück. Der Stuttgarter Autobauer kürzt seine Ausschüttung um 43 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro. "Die Kombination aus Strukturwandel und schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen setzt der Automobilindustrie stark zu", analysiert Schallmayer. Die erhöhte Unsicherheit führe dazu, dass Unternehmen mit Blick auf die Gewinnausschüttungen vorsichtig agieren.

SAP und Bechtle zahlen mehr

Aktiengesellschaften schütten in diesem Jahr weniger Geld aus

Sieht man vom Ausreißer Daimler ab, ist die Dividendenentwicklung im Südwesten überwiegend positiv. So wird der Walldorfer Softwareriese SAP voraussichtlich 1,97 Milliarden Euro an seine Aktionäre auszahlen - das sind 123 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Auch der Neckarsulmer IT-Dienstleister Bechtle stockt seine Dividende von 42 auf 44 Millionen Euro auf, während Südzucker die Summe mit 41 Millionen Euro stabil hält.

Für die Zukunft zeigt sich Experte Schallmayer zuversichtlich. "Insgesamt sind die Geschäftsmodelle der Aktiengesellschaften den strukturellen Herausforderungen gewachsen und funktionsfähig."

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen