6500 Audi-Mitarbeiter in Neckarsulm in Kurzarbeit

Neckarsulm  Die Corona-Krise zwingt den Autobauer zu einer Pause. Aktuell sind rund 6500 Angestellte bei Audi in Neckarsulm in Kurzarbeit, die Zahlen könnten aber noch steigen. Das verschärft die Lage im Werk noch mehr.

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Audi-Werk steht still

In Neckarsulm ruht derzeit die Produktion. Im vergangenen Jahr wurden am Standort in der Region 177?209 Autos gefertigt − ein Minus von fast fünf Prozent im Vergleich zum ohnehin schon schwachen Vorjahr.

Foto: Audi

So leer sind die Parkhäuser rund um das Audi-Werk in Neckarsulm normalerweise nur während des Betriebsurlaubs im Sommer und Winter. Nun zwingt die Corona-Krise den Autobauer zu einer Pause. Seit vergangenem Montag stehen die Bänder still. Insgesamt sind aktuell rund 6500 Mitarbeiter von der Kurzarbeit betroffen. Die meisten von ihnen sind in der Produktion beschäftigt, aber auch Arbeitnehmer aus den Bereichen Qualitätssicherung, Fahrzeugauslieferung und dem Audi-Forum sind betroffen. "Die Zahl ist tagesaktuell und kann durchaus noch steigen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

"Gleichzeitig halten viele Mitarbeiter − unter den strikten Vorgaben des Robert-Koch Instituts − hier vor Ort weiterhin die Stellung und kämpfen dafür, dass die grundlegenden Prozesse weiterlaufen", sagt Audis Produktionsvorstand Peter Kössler. "Und trotzdem müssen wir jetzt schon den Blick nach vorne richten und daran denken, wann und wie wir unsere Fabriken wieder hochfahren." Denn aus wirtschaftlichen Gründen, so Kössler, werde Audi das Ende der Pandemie voraussichtlich nicht abwarten können.

"Es gilt jetzt, alle Tätigkeiten, Abläufe und Prozesse so zu organisieren, dass die Gesundheit unserer Mitarbeiter gewährleistet bleibt." In den sogenannten indirekten Bereichen des Standortes wie zum Beispiel der technischen Entwicklung laufe die Arbeit mit entsprechenden Schutzvorkehrungen weiter, so die Audi-Sprecherin.

Kurzarbeits-Konditionen für Audi-Mitarbeiter

Das Unternehmen hat sich am Donnerstag auf Nachfrage zu den Kurzarbeits-Konditionen für die Mitarbeiter geäußert. Allgemein bekannt ist, dass der Staat 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns bezahlt, Arbeitnehmer mit Kind bekommen 67 Prozent des Nettolohns. Zusätzlich gewährt Audi einen Zuschuss. "Die Höhe des Zuschusses bewirkt, dass auch der restliche pauschalierte Nettoentgeltausfall annähernd ausgeglichen wird", so die Sprecherin.

Vorläufiger Produktionsstopp und Kurzarbeit wegen der Corona-Pandemie: Für das ohnehin gebeutelte Audi-Werk in Neckarsulm verschärft sich die Lage durch die aktuelle Situation noch mehr. Seit Jahren leidet der Standort an einer extrem hohen Unterauslastung. 2019 sank die Zahl der produzierten Fahrzeuge im Vergleich zum ohnehin schon schwachen Vorjahr noch einmal um fast fünf Prozent auf 177.209 Autos.

Zur Erinnerung: Das Werk hat eine Kapazität von 300.000 Einheiten. Sie soll bis zum Ende des Jahrzehnts auf 225.000 Fahrzeuge verringert werden. Am Stammsitz in Ingolstadt sank die Zahl der gefertigten Fahrzeuge sogar um 10,1 Prozent auf 441.608 Einheiten. Bei allen schwierigen Umständen dürfen sich die Mitarbeiter dank des Gewinns von 4,5 Milliarden Euro dennoch über eine Prämie freuen: Die Ergebnisbeteiligung für einen Facharbeiter in den deutschen Werken beträgt für das vergangene Jahr 3880 Euro (2018 waren 3630 Euro).


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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