Wird Stadtbahnbeschluss annulliert?

Heilbronn - Verwunderung, vorsichtige Zustimmung und freudiger Optimismus - unterschiedliche Reaktionen im Rathaus, beim politischen Gegener und betroffenen Unternehmen löste der Vorschlag der Heilbronner SPD-Fraktion aus, die Nordtrasse der Stadtbahn nicht durch das Nadelöhr Sülmertor und die Austraße, sondern durch die Kreuzenstraße zu führen.

Von Joachim Friedl

Stadtbahntrasse  

Heilbronn - Verwunderung, vorsichtige Zustimmung und freudiger Optimismus - unterschiedliche Reaktionen im Rathaus, beim politischen Gegener und betroffenen Unternehmen löste der Vorschlag der Heilbronner SPD-Fraktion aus, die Nordtrasse der Stadtbahn nicht durch das Nadelöhr Sülmertor und die Austraße, sondern durch die Kreuzenstraße zu führen.

Obwohl der Gemeinderat im April die Strecke Paulinen-/Austraße beschlossen hat, fordert wie berichtet die SPD angesichts der finanzwirtschaftlichen Ausnahmesituation eine erneute Trassenprüfung. Ihrer Ansicht nach käme die Kreuzenstraße „deutlich preisgünstiger“. Allein die Untertunnelung des Sülmertors kostet zehn Millionen Euro. Eine erneute Beratung des Themas wäre aufgrund von Fristen im Gemeinderat erst ab Oktober möglich.

Unterschiede

„Es gibt eine eindeutige Beschlusslage - und auf dieser Grundlage planen wir“, erklärte Erste Bürgermeisterin Margarete Krug. Genauso sieht es Alexander Throm: „Es gibt keine neuen Argumente. Ich sehen keine Veranlassung, das Thema nochmals auf die Tagesordnung setzen zu lassen“, sagte der CDU-Fraktionssprecher.

„Ich kann mir die Kreuzenstraße sehr gut als Stadtbahntrasse vorstellen“, gab der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Losch seine persönliche Meinung wieder. Nach wie vor aber hänge die FDP einer S-Bahnlinie durch die Weipertstraße nach. So wie die Freien Wähler: „Die Stadtbahn wird trotz aller Beschlüsse einmal über den Europaplatz fahren“, prophezeit Heiner Dörner. Der SPD-Vorschlag ist für den FWV-Fraktionschef „nur eine Krücke“ und keine Lösung.

Überlegenswert

„Die SPD-Offensive habe ich mit einer gewissen Verwunderung gelesen“, bekannte Karl-Heinz Kimmerle. Der Grünen-Sprecher hält es für problematisch, dass mit der Kreuzentrasse der Industrieplatz nicht angefahren wird: „Das kann bei einem Jahrhundertprojekt nicht sein.“

„Das war ursprünglich einmal unser Antrag“, beansprucht Stadtrat Alfred Dagenbach von Pro Heilbronn das Urheberrecht. Nach „nachvollziehbaren Argumenten“ der Verwaltung habe man diese Trassenführung aufgegeben. Sollte es jetzt aber neue Erkenntnisse geben, sollte diese Variante noch einmal untersucht werden. Neustadtrat Hasso Ehinger von den Linken war gestern nicht zu erreichen.

Spätfolgen

Die Industrie- und Handelskammer Heilbronn (IHK), aus Sorge um die im Industriegebiet ansässigen Unternehmen noch nie ein Freund einer Stadtbahnführung durch die Austraße, hält den SPD-Gedanken für „bedenkenswert“. Angesichts der Tatsache, dass Heilbronn und die Region mit den Folgen der Trassenführung langfristig leben müssten, lohnt es sich nach Auffassung der IHK, die getroffene Ratsentscheidung zum Streckenverlauf noch einmal zu überdenken.

„Wir können eine S-Bahn durch die Kreuzenstraße nur begrüßen“, reagiert freudig Harald Zeller, Chef der Spedition Wüst und Anfang des Jahres engagierter Streiter für diese Variante. Jede Lösung, die nicht durch die Austraße führe, sei eine gute Lösung, sagte er.

Urteil

Nach dem Gemeinderatsbeschluss hätten er und viele Betriebe im Industriegebiet resigniert. Zwar habe die Stadtverwaltung die Minimalforderungen der betroffenen Firmen erfüllt, doch ändere dies nichts an der Tatsache, dass „die Austraße die absolut falsche Tasse ist“. Die Austraße als Lebensader des Industriegebiets brauche keine Stadtbahn, lautet Zellers Fazit.

Zeitplan für Weiterbau

Der Zeitplan für den Weiterbau der S-Bahnstrecke Richtung Norden: Der Planfeststellungsbeschluss durch das Regierungspräsidium Stuttgart wird Anfang 2010 erwartet. Noch 2010 sollen Leitungsverlegungen in der Allee und der Weinsberger Straße anlaufen. 2011 steht die Untertunnelung des Sülmertors an. Ein Projekt, das zehn Millionen Euro kostet und nur mit Zustimmung der Bahn möglich wird. 2011/2012 erfolgt der Gleisbau und der Bau der Oberleitungen. Inbetriebnahme soll Ende 2012 sein.

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