Stadtbahn Nord wird 15 Prozent teurer

Heilbronn - Die Stadtbahnlinie Richtung Norden wird auch im Stadtgebiet Heilbronn teurer. Das bestätigte Erste Bürgermeisterin Margarete Krug auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

Von Iris Baars-Werner

Kosten für Stadtbahn steigen
Dunkle Wolken über der Stadtbahn. Die Ausweitung des Netzes in den Norden wird nicht nur von kurzfristigen Baustopps begleitet, sondern auch von drohende Mehrausgaben.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Die Stadtbahnlinie Richtung Norden wird auch im Stadtgebiet Heilbronn teurer. Das bestätigte Erste Bürgermeisterin Margarete Krug auf Anfrage der Heilbronner Stimme. Dass die Kostensteigerung 15 Prozent ausmachen könnte, will Krug nicht kommentieren, dementiert diese Zahl allerdings auch nicht. "Ich will nicht, dass die Gremien ihre Informationen aus der Zeitung bekommen."

Die Gremien, das sind Gemeinderat und Aufsichtsrat der Stadtwerke Heilbronn. Denn die 3,6 Kilometer lange Wegstrecke von der Harmonie im Stadtzentrum nordwärts bis zur Gemarkungsgrenze mit Neckarsulm werden von der städtischen Tochter Stadtwerke gebaut, betrieben und bezahlt.

Kein Nachschlag

77,2 Millionen Euro waren für den Bau auf Heilbronner Stadtgebiet bisher errechnet, 19,4 Millionen Euro bleiben übrig, wenn alle Zuschüsse eingegangen sind. Hinzu kommen jedoch die Kosten für die 15 Züge, von denen jeder 4,6 Millionen Euro kostet.

Steigerungen um 15 Prozent, das wären zwischen elf und zwölf Millionen Euro. Diese Summe kann Heilbronn nicht einfach hinnehmen, denn es droht ein ganzes Bündel von Problemen: Die Kosten steigen, die Zuschüsse aber nicht. Margarete Krug bestätigt, dass die Stadt die Förderung bereits beantragt hat und keinen Nachschlag verlangen kann. Außerdem ist das gesamte Finanzkorsett ausgesprochen knapp.

Der Grund ist die standardisierte Bewertung. Dabei handelt es sich um eine volkwirtschaftliche Formel aus Kosten und Nutzen. Bleibt die unter der Marke 1,0 kommt kein Geld von Land oder Bund, denn dann ist das Vorhaben unwirtschaftlich. Die Stadtbahn Nord lag anfangs bei 1,24. Inzwischen ist die Marke nach Stimme-Informationen bedrohlich nahe an 1,03.

Der Landkreis Heilbronn hatte für seinen Streckenabschnitt ab Neckarsulm bereits im Mai Mehrkosten signalisiert. Unter anderem weil die Eisenbahnbrücke bei Bad Wimpfen neu gebaut werden muss. Von den damals befürchteten 15 Prozent sind inzwischen nur noch zehn Prozent übrig geblieben. Planungsamtschef Claus-Jürgen Renelt sagte gestern, man habe Einsparungen ausfindig gemacht. Dazu gehören Baustelleneinrichtungen ebenso wie veränderte Bahnsteige, Brückenkonstruktionen oder elektrische Leitungen.

Keine Gefahr

"Wir gefährden den Zuschuss nicht", ist auch Margarete Krug weiter zuversichtlich. Noch im August werde man nach Einsparmöglichkeiten suchen. Und auch alles prüfen, was Einfluss auf die standardisierte Bewertung hat. Dazu gehören Fahrgastzahlen. Die könnten, mutmaßt die SPD-Fraktion im Heilbronner Gemeinderat, mit den neuen Hochschulplänen steigen. Immerhin werden sich in den nächsten Jahren bis zu 2000 Studenten zusätzlich in der Innenstadt bewegen. In einer Anfrage ans Rathaus fordert die SPD zudem Auskunft über mögliche zusätzliche Risiken für Kosten und Zeitplan. Ein mutmaßliches Risiko schließt Margarete Krug dabei schon mal aus: Die Unterführung am Sülmertor gehöre "definitiv nicht" zu den Kostentreibern.

Hintergrund: Zeit und Geld

Noch sprechen alle Offiziellen von einem erhofften Start der Stadtbahn Nord im Dezember 2012. Doch sowohl Landrat Detlef Piepenburg als auch Heilbronns Erste Bürgermeisterin Margarete Krug wissen eigentlich, dass dieser Zeitplan nicht mehr zu halten ist. Mindestens ein halbes Jahr länger dürften die Bauarbeiten dauern, lauten interne Rechnungen. Die Kostenrechnungen momentan so aus: Der Landkreis und die Landkreiskommunen gehen für ihren Streckenanteil von den einst geschätzten 57 Millionen Euro plus zehn Prozent aus, die Stadt derzeit von 77 Millionen Euro plus x, wobei dieses x derzeit bei 15 Prozent liegen könnte. iba

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