Stadtbahn Nord frühestens 2014 komplett fertig

Region Heilbronn - Ob die Stadtbahn Nord bis Ende 2013 fährt, hängt weiter von der Finanzierungszusage des Landes ab. Grund für die Verzögerung sind anderweitige Bauarbeiten der Bahn auf der Neckartalstrecke.

Von Herbert Kaletta

Stadtbahn Nord frühestens 2014 komplett fertig
In Heilbronn, wie hier in der Allee, laufen die Arbeiten für den Ausbau der Stadtbahn Nord. Wann das Gesamtprojekt fertig wird, ist offen.Foto:Archiv/Sawatzki

Heilbronn - Bestenfalls Ende 2013 wird die Stadtbahn Nord von Heilbronn bis Mosbach fahren. Für den Zweig von Bad Friedrichshall-Jagstfeld über Bad Rappenau nach Sinsheim ist jetzt definitiv klar, dass die Fertigstellung erst bis Ende 2014 möglich ist.

Daran ist die Kollision zweier Baumaßnahmen schuld, die nach ursprünglicher Zeitplanung nicht zusammengetroffen wären. Die Deutsche Bahn hat 2013 größere Baumaßnahmen auf der Neckartalstrecke vor, die mit langem Vorlauf geplant wurden − als die Arbeiten für die Stadtbahnstrecke nach Sinsheim noch für 2012 eingetaktet waren. Beide Maßnahmen bedingen lange Sperrungen, währenddessen muss die jeweils andere Strecke den Umleitungsverkehr bewältigen. Alles Verhandeln war vergebens. "Wir sind nicht Herr des Verfahrens", bedauert Landrat Detlef Piepenburg. Dass auch 2013 weiter unsicher ist, liegt daran, dass es von der Landesregierung zwar "positive Signale aber noch immer keine schriftliche Zusage gibt", so der Landrat. Möglicherweise werde die erst mit einer Zustimmung des Landtags möglich − im ersten Quartal 2012.

Blockiert

Das Land müsste für den Bund einspringen, weil der aufgrund der Föderalismusreform 2019 aus der Finanzierung des Nahverkehrs aussteigt. Die Deutsche Bahn aber treibt das Verfahren nicht weiter, solange sie keine sicheren Finanzierungszusagen hat.

Jenseits dieser Hürden wird intensiv daran gearbeitet, alle anderen Wege zu ebnen. So müssen der Landkreis und die Städte und Gemeinden an der Strecke die Verträge unterzeichnen und ihrem Kostenanteil zustimmen. Inklusive der Betriebskosten.

Betriebskosten

Dazu gehört die Bezahlung der künftigen Fahrleistung, die mit dem Betrieb der Stadtbahn um mehr als 400 000 auf 956 000 Zugkilometer steigen wird. Wie bei anderen Stadtbahnen auch, zahlt das Land hierzu zwei Drittel, die Region ein Drittel der Mehrkosten, was jährlich 2,4 Millionen Euro ausmacht. Knapp 1,1 Millionen Euro zahlt der Landkreis. Zusammen etwa die gleiche Summe bringen Neckarsulm, Bad Friedrichshall, Offenau, Gundelsheim, Bad Wimpfen und Bad Rappenau ein. Den Rest die Landkreise Neckar-Odenwald und Rhein-Neckar, sowie Mosbach, Haßmersheim, Neckarzimmern und Sinsheim.

Dann sind da noch die Kosten für die Fahrzeugbeschaffung, die die Region alleine trägt. Das ist dennoch sinnvoll, weil es den Zugkilometerpreis verringert und die "günstigste Lösung" ist, wie Claus-Jürgen Renelt, Leiter des Kreisplanungsamts, sagt.

15 Fahrzeuge werden beschafft, rechnerische 11,5 entfallen auf den Landkreis, 3,5 auf die Stadt Heilbronn. Ein Wagen kostet rund 4,5 Millionen Euro. Die Gesamtsumme von mehr als 51 Millionen Euro für den Landkreis-Teil wird nach ähnlichem Schlüssel wie bei den Zugkilometern aufgeteilt. Der Landkreis übernimmt die Hälfte der jährlichen Rate, also 1,8 Millionen Euro. Bis Mitte Oktober braucht die AVG die definitive Aussage zur Bestellung. Deshalb stimmen jetzt in allen beteiligten Kommunen die Räte ab. Die Zeit drängt. Bei Verzögerungen, so heißt es, drohe eine Teuerung pro Fahrzeug um 500 000 Euro.

Kosten

Die Gesamtkosten für die Stadtbahn Nord im Landkreis Heilbronn betragen rund 81 Millionen Euro – 65 Millionen für den Bau, 16 Millionen für die Planung. Bund und Land tragen auf Grundlage des Entflechtungsgesetzes (früher GVFG) 80 Prozent der Bauausgaben. Die restlichen 20 Prozent, etwa 13 Millionen Euro, teilen sich Landkreis und Kreiskommunen je zur Hälfte. Gleiches gilt für die Planungskosten. Die Stadt Heilbronn hat Bau- und Planungskosten von 64 Millionen Euro. Sie ist von der Genehmigungsproblematik um die Deutsche Bahn nicht betroffen, weil diese für die Finanzierung des innerstädtischen Abschnitts nicht Partner ist.