Herber Rückschlag für Stadtbahn-Nord

Heilbronn  Die Stadtbahn wird auch im Sommer nicht bis nach Mosbach fahren. Aus internen Dokumenten geht hervor, dass es Probleme mit der Zugtechnik gibt.

Von unserer Redaktion

Ab Juni hätte die Stadtbahn Nord bis Mosbach fahren sollen. Es wäre der zweite Schritt im ohnehin schon verzögerten Zeitplan der Stadtbahn Nord gewesen. Die Verbindung nach Sinsheim sollte dann mit dem Winterfahrplan folgen. Nun ist alles wieder offen. Der vorläufige Betrieb mit Endstation in Neckarsulm wird mindestens bis Ende des Jahres weitergehen, weil die AVG mit den Fahrzeugen des Herstellers Bombardier nicht auf dem Schienennetz der Bahn fahren darf. 

Noch erwartet das Eisenbahnbundesamt die angekündigten Unterlagen des Fahrzeugherstellers Bombardier „in den kommenden Wochen“, wie es in Bonn heißt. Doch beim Betreiber, der AVG, hört sich das anders an: Die „mangelhafte Betriebsstabilität“ der Fahrzeuge lasse nur die Erkenntnis zu, „dass die Betriebsaufnahme von Heilbronn Nord ausgeschlossen ist“. 

Durchgefallen

Die AVG war nach eigener Aussage erst vor einer knappen Woche von Bombardier darüber informiert worden, dass aus der Zulassung bis Juni nichts wird. Die Fahrzeuge hatten einen „Gleisschaltmittelnachweis“ nicht erfüllt und waren durch den „Wankpoltest“ gefallen. Letzterer testet laut Tilo Elser, Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn, ob sich der Zug in Kurven nicht zu sehr zur Seite neigt. Der Nachweis der Gleisschaltmittel zeigt, ob das Fahrzeug beim Überfahren der Gleise Signale und Kontakte richtig auslöst.

Im Landratsamt ist man diesmal immerhin zufrieden mit der Informationspolitik des Partners AVG. Doch mit der Situation insgesamt „können wir nur eingeschränkt leben“, sagt Chefplaner Claus-Jürgen Renelt. Das sehen die Rathauschefs in den Kommunen entlang der Strecke ähnlich. Der Neckarsulmer Oberbürgermeister Joachim Scholz hält die Stadtbahn zwar ausdrücklich noch für für ein „gutes Projekt“. Aber: „Das ist ein Alarmsignal.“ Es werfe kein gutes Licht auf den Hersteller Bombardier. „Und für eine führende Wirtschaftsnation ist das auch nicht akzeptabel.“ 

Bad Friedrichshalls Bürgermeister Peter Dolderer macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Das ist völlig trostlos, völlig unbefriedigend und traurig“, sagte das Stadtoberhaupt. Dass es Bombardier nicht gelinge, Fahrzeuge zu bauen, die auf der Strecke ab Neckarsulm fahren können, nannte Dolderer „völlig unbefriedigend“. Und teuer. Denn jetzt müsse der Landkreis den Busverkehr parallel zur Schiene weiter aufrecht erhalten. „Uns bleibt die Hoffnung, dass es wenigstens bis zum Fahrplanwechsel im Dezember klappt“, sagte Dolderer. Auch die Gundelsheimer Bürgermeisterin Heike Schokatz ist enttäuscht. „Die Stadtbahn wird zur unendlichen Geschichte. Als positiv würde ich das nicht gerade bezeichnen.“

Vertragsfragen

Die AVG müsse jetzt Druck auf Bombardier ausüben, sagt Edgar Neumann, Pressesprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums. Allerdings spart der Übergangsbetrieb dem Land Kosten. Und: Der Vertrag mit der AVG zur Bedienung der Nordstrecke sei noch nicht unterzeichnet. 

 

 

So soll die Stadtbahn-Nord verlaufen

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