Archäologen untersuchen Allee-Baustelle

Heilbronn - Bauarbeiter haben bei der Stadtbahnbaustelle auf der Heilbronner Allee einen weiteren interessanten Fund gemacht. Nach Angaben von Archäologe Martin Hees vom Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen handelt es sich um eine Bastion, die zum Adelberger Turm gehört.

Von Jürgen Kümmerle

 

Heilbronn - Bauarbeiter haben bei der Stadtbahnbaustelle auf der Heilbronner Allee einen weiteren interessanten Fund gemacht. Nach Angaben von Archäologe Martin Hees vom Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen handelt es sich um eine Bastion, die zum Adelberger Turm gehört. Der Adelberger Turm war ein Wehrturm in der Stadtmauer, der laut Stadtarchiv Heilbronn um 1293 errichtet wurde.

Digital archiviert

Unterdessen sind Mitarbeiter vom Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Heilbronn damit beschäftigt, den Fundort zu vermessen. Die Ergebnisse sollen im geografischen Informationssystem der Stadt digital archiviert werden.

Bereits am vergangenen Dienstag wurden Mauerreste bei Bauarbeiten freigelegt. Die Stadt Heilbronn sprach von Fundamenten von Häusern um das Jahr 1900. Und betrachtete sie als historisch nicht relevant. Das Regierungspräsidium in Stuttgart hielt sich an die Aussagen aus Heilbronn. "Wenn die Stadt als Baurechtsbehörde das feststellt, vertrauen wir darauf", sagte Pressesprecher Clemens Homoth-Kuhs noch vergangene Woche.

Historisch relevant

Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege in Esslingen schalteten sich ein und prüften nach. Sie fanden heraus, dass es sich bei den Mauerresten um die Zwingermauer aus dem 13. oder 14. Jahrhundert handeln muss (siehe Foto). Spätmittelalter und damit von historischer Relevanz.

 

1835 - Die Heilbronner Bürger nutzen die Allee-Promenade außerhalb der Stadtmauern als Erholungsanlage.

 

Das hätte die Stadt Heilbronn eigentlich wissen können. In Band acht des archäologischen Stadtkatasters, im Jahr 2001 vom Landesdenkmalamt zusammen mit der Stadt Heilbronn herausgegeben, ist im dazugehörigen Kartenmaterial der Fundort 28 ausgewiesen. Unter "Kurzabriss des Befundes" ist die "Zwingermauer bzw. innere Grabenmauer" an jener Stelle markiert, an der jetzt die Mauerreste gefunden wurden. Untersuchungszeit waren die Jahre 1975 und 1999.

Doch nicht nur das Stadtkataster weist auf die Zwingermauer hin. In der im Oktober 2011 erschienenen Ausgabe "Die Stadtbahn", herausgegeben von den Heilbronner Stadtwerken in Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn, war auf Seite zwei ein Artikel über Fundamentreste der ehemaligen Stadtbefestigung erschienen. Im Zuge des Stadtbahnbaus waren durch Leitungsverlegungen in der Allee an der Kreuzung Karlstraße Fundamentreste und Scherben entdeckt worden. Walter Hirschmann vom Stadtarchiv Heilbronn erklärt in "Die Stadtbahn": "Nach den Maßen muss es sich um die Außenseite der Zwingermauer handeln." Dies lasse sich anhand alter Pläne auch bestimmen.

Vorwürfe

Bei der Stadt Heilbronn wehrt man sich gegen Vorwürfe, man hätte bereits vorab Bescheid wissen können. "Nach meinem ersten Augenschein am Dienstag hatte ich den falschen Verdacht. Am Donnerstag wusste ich mehr", sagt Joachim Hennze vom Amt für Denkmalpflege der Stadt Heilbronn.

Martin Hees hingegen spricht von klar definierten Zuständigkeiten. "Bereits während der Planungsphase hätte bei uns angefragt werden müssen." Schon im vergangenen Jahr waren Funde gemeldet worden. "Da scheint’s wohl ein Kommunikationsproblem bei der Stadt zu geben."

Keine Bauverzögerung

Die Arbeiten an der Stadtbahnbaustelle konnten trotz der Funde weitergehen. Bei der Zwingermauer und der neu entdeckten Bastion handelt es sich um sogenannte Bodendenkmäler. Nach Auskunft von Archäologe Martin Hees vom Landesamt für Denkmalpflege müssen sie unbeschädigt in die Baumaßnahmen integriert werden. Eine Freilegung der Funde sei nicht geplant. „Es wäre zu teuer, kostet viel Zeit und die Sicherheitsmaßnahmen wären enorm“, sagt Hees.