Heilbronner Kommissar über Ausbildung bei Polizei: „Kein Beruf, sondern Berufung“
Wer sich für eine Ausbildung bei der Polizei entscheidet, hat viele Möglichkeiten. Streifendienst und Kriminalpolizei sind längst nicht die einzigen Einsatzfelder, wie Steffen Lochner vom Polizeipräsidium Heilbronn erklärt.
Eine Ausbildung, viele Berufsbilder: Wer sich für eine Karriere bei der Polizei entscheidet, dem bieten sich vielfältige Perspektiven. „Die Bandbreite an Einsatzgebieten ist riesig“, sagt Kriminaloberkommissar Steffen Lochner. Nachdem er selbst sechseinhalb Jahre im Kriminaldauerdienst tätig war, ist der 36-Jährige aktuell für die Einstellungsberatung am Polizeipräsidium Heilbronn zuständig.
Wer sich mit Lochner unterhält, merkt schnell: Er brennt für seinen Beruf und kann aus langjähriger Erfahrung viele spannende Einblicke geben. Was angehende Polizeibeamte erwartet und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, erklärt er im Gespräch mit mein-sprungbrett.de, dem Portal der Heilbronner Stimme zur Berufsorientierung.
Polizei-Ausbildung bietet vielfältige Berufswege und Spezialisierungen
„Die meisten stellen sich unter einem Job bei der Polizei genau zwei Sparten vor“, sagt Lochner. Der Klassiker: der Streifendienst. „Hier ist auch der Großteil unserer Kolleginnen und Kollegen beheimatet. „Und natürlich die Kriminalpolizei. Und dann hört bei vielen sozusagen der Horizont auf. Genau dafür sind wir da – um diesen Horizont zu erweitern.“

Auf Messen, an Bewerbertagen, innerhalb von Praktika, BOGY oder BORS sind Einstellungsberater wie Lochner Ansprechpartner für junge Menschen, die Interesse am Polizeiberuf haben und stehen ihnen Rede und Antwort.
Vielfältige Einsatzgebiete – so perspektivreich ist eine Karriere bei der Polizei
„Wir sind das flächenmäßig größte Polizeipräsidium in ganz Baden-Württemberg“, erklärt Lochner. Mit einer Fläche von knapp 4.500 Quadratmetern sei das Einzugsgebiet etwa 1,7 mal so groß wie das Saarland. Damit ist das Polizeipräsidium Heilbronn verantwortlich für die Sicherheit von rund 850.000 Einwohnern. Als mögliche Einsatzgebiete für angehende Polizeibeamte nennt Lochner unter anderem:
- Bezirksdienst, Ermittlungsdienst
- Verkehrspolizei
- Autobahnfahndung
- Verkehrsunfallaufnahme (Bearbeitung schwerer Unfälle)
- Polizeireiterstaffel
- Polizeihundeführerstaffel
- Bereitschaftspolizei
- Personenschützer
- SEK
- LKA
- Kriminalpolizei
- MEK
- Verwaltung
- Einsatztrainer
- Führungs- und Einsatzstab
- Führungs- und Lagezentrum (Notrufe)
- Wasserschutzpolizei
- Öffentlichkeitsarbeit
Für die Ausbildung 2026, die am 1. September startet und 2,5 Jahre dauert, können sich Interessierte noch bis 31. Januar online bewerben. „Bewerben kann sich jeder zwischen 16 und 32 Jahren, der mindestens den mittleren Bildungsabschluss hat“, sagt Lochner. „Einen Mindestnotendurchschnitt gibt es nicht.“ Ebenfalls erforderlich ist ein Führerschein Klasse B. „Wer bei Ausbildungsantritt erst 16 Jahre alt ist, hat sieben Monate Zeit, den Führerschein BF 17 zu machen.“

Körperliche Fitness: Deutsches Sportabzeichen erforderlich
Auch in puncto körperliche Fitness müssen Bewerber bestimmte Nachweise erbringen. So ist es erforderlich, das Deutsche Sportabzeichen in Bronze zu absolvieren – mit Ausnahme der Ausdauerleistung, für die man das silberne Abzeichen ablegen muss. „Die Damen müssen zudem 200 Meter in unter 6:40 Minuten schwimmen, die Herren in unter 6 Minuten.“ Auch die Punkte in Flensburg müsse man offenlegen. Bewerbungen werden ausschließlich über das Online-Karriere-Portal der Polizei Baden-Württemberg entgegengenommen.
Nach der erfolgreichen Bewerbung geht es für die Bewerber zum Auswahltest nach Herrenberg. Wer diesen besteht, kommt zum polizeiärztlichen Dienst. „Hier wird noch einmal die Sehleistung kontrolliert, genauso wie das Hörvermögen.“ Auch werden Bewerber auf gesundheitliche Einschränkungen überprüft. „Das ist sozusagen die letzte Hürde, bevor die Einstellung erfolgen kann.“
Arbeit im Kriminaldauerdienst: „Man ist immer als Erstes vor Ort“
Steffen Lochner selbst hat 2009 seine Ausbildung in Bruchsal begonnen, war zunächst bei der Bereitschaftspolizei, danach bei der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit tätig. 2015 kam er zum Polizeirevier Heilbronn und wurde im selben Jahr anhand eines Auswahltests zum Studium zugelassen. Nach dem Studium wechselte er 2018 direkt zur Kriminalpolizei. „Ich war sechseinhalb Jahre durchgehend beim Kriminaldauerdienst tätig“ berichtet er. Es sei eine „schöne und spannende Zeit“ gewesen.

Ob Tötungsdelikt, Betäubungsmitteldelikt oder Raub: Rund um die Uhr ist der Kriminaldauerdienst im Einsatz. „Es ist der einzige Arbeitsbereich von insgesamt acht Kriminalinspektionen, der im Schichtdienst arbeitet.“ Alle Leichenfälle, die ins Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums Heilbronn fallen, werden hier bearbeitet. „Man ist immer als Erstes vor Ort.“
Starker Kollegenzusammenhalt – gemeinsam brenzlige Situationen meistern
Der Kriminaldauerdienst bearbeitet im Jahr mehrere hundert Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Leichensachbearbeitung. „Er wird alarmiert, wenn es sich um eine unklare Todesursache oder einen nicht natürlichen Tod handelt.“ Im weiteren Ermittlungsverlauf wird dann ermittelt, ob es sich um Mord, Totschlag, Köperverletzung mit Todesfolge handelt. Ebenso könnte es sich um einen anderen äußeren Einfluss gehandelt haben. „Darunter fallen zum Beispiel Suizide, Treppenstürze oder Arbeitsunfälle.“ Auch hier gelte es stets, zu prüfen, ob jemand „nachgeholfen“ habe.
Besonders bei der Polizei sei auch der Kollegenzusammenhalt. Viele Kollegen aus seinen ehemaligen Arbeitsbereichen seien inzwischen zu Freunden geworden, sagt Lochner. „Es ist schon etwas ganz anderes wie unter Kollegen in einem Bürojob.“ Brenzlige Situationen, die man gemeinsam erlebt, würden einen anders zusammenschweißen. „Der Kollege gibt sein Leben in meine Hände und umgekehrt.“
„Es sollte der Anspruch eines jeden Polizeibeamten sein, Menschen zu helfen.“
Für Lochner ist sein Job „kein Beruf, sondern eine Berufung“. Was er besonders schätze: „Wir arbeiten für die Bürgerinnen und Bürger. Niemand bereichert sich an unserer Arbeit, wir arbeiten für kein Unternehmen.“ Zudem erhalte man Einblicke, die sonst niemand bekomme. „Wir sehen alle Gesellschaftsschichten.“ Lochners Bestreben: „Gerechtigkeitssinn leben. Es sollte der Anspruch eines jeden Polizeibeamten sein, Menschen zu helfen.“

Ausbildung bei der Polizei: „Bieten 100-prozentige Übernahme“
Ein großer Vorteil der Ausbildung beim Land Baden-Württemberg: „Wir bieten 100-prozentige Übernahmegarantie und der Job ist krisensicher.“ Zudem müsse man nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen. „Jeder, der acht Jahre in Deutschland lebt, kann sich bewerben.“ Als Beamte auf Lebenszeit können die Kollegen sich innerhalb der Polizei auch immer wieder umorientieren oder die Abteilung wechseln, wenn es in einem Arbeitsbereich nicht mehr passt. Die Pension nach 40 Dienstjahren beträgt 71,75 Prozent vom letzten Nettogehalt. Zusätzlich hat man eine kostenfreie Krankenversicherung, die freie Heilfürsorge.
Die Einstellungsberatung des Polizeipräsidiums Heilbronn steht gerne für persönliche Gespräche bereit. Wer Fragen zu Ausbildung und Studium hat, kann per E-Mail unter heilbronn.berufsinfo@polizei.bwl.de oder telefonisch einen Termin vereinbaren. Die Kontaktdaten von Steffen Lochner und weiteren Einstellungsberatern finden sich unter Unsere Ansprechpartner – Polizeipräsidium Heilbronn. „Ein Beratungsgespräch ist jederzeit möglich“, sagt Lochner. Eine Anmeldung zu BORS und BOGY ist unter BORS und BOGY – Polizeipräsidium Heilbronn möglich. Weitere Infos finden Interessierte unter www.karriere-polizei-bw.de.
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