Neuer Soko-Leiter fängt von vorne an

Heilbronn - Der neue Leiter der Polizistenmord-Soko hat noch ein Jahr Zeit, die Mörder zu finden. Denn in zwölf Monaten geht Josef Schäffer in Pension. Bis dahin will der 59-Jährige einen der schlagzeilenträchtigsten Fall der deutschen Nachkriegskriminalgeschichte aufgeklärt haben.

Von Helmut Buchholz

Neuer Soko-Leiter fängt von vorne an
Trauer auf der Heilbronner Theresienwiese nach dem Polizistenmord im April 2007: Wird der Fall jemals aufgeklärt?Fotos: Buchholz, Archiv/Veigel

Heilbronn - Der neue Leiter der Polizistenmord-Soko hat noch ein Jahr Zeit, die Mörder zu finden. Denn in zwölf Monaten geht Josef Schäffer in Pension. Bis dahin will der 59-Jährige einen der, wenn nicht den schlagzeilenträchtigsten Fall der deutschen Nachkriegskriminalgeschichte aufgeklärt haben. "Ich bin nicht pessimistisch, dass mir das gelingt", sagt der passionierte Angler, der in seiner 42-jährigen Polizeikarriere schon so manchen dicken Fisch gefangen hat. Bisher führten die Ermittlungen des "alten Hasen" unter den Fahndern im Stuttgarter Landeskriminalamt (LKA), wie er selbst sagt, stets zu Festnahmen.

Desaster

Josef Schäffer erhofft sich viel, angesichts des schweren Erbes, das er übernommen hat. Zwei Jahre lang hatten die Ermittler ein Phantom gejagt, das sich als harmlose Angestellte in einem Herstellerbetrieb für Spurensicherungsmaterial herausstellte. Der peinliche Irrtum ging als "Wattestäbchen-Panne" in die Kriminalgeschichte ein. Doch das Desaster betrachtet der neue Mann der Polizistenmord-Soko nicht als Hypothek. Zumindest nicht für ihn und seine Aufgabe. Denn nun könne seine Truppe - 13 erfahrene Fahnder, plus zehn Fachleute bei Bedarf - ohne diese falsche Spur weiterermitteln.

Dass Außenstehende kaum noch an die Aufklärung des Falls glauben, "darf sich nicht auf die Stimmung der Soko übertragen", sagt Schäffers Vorgesetzter Anton Hönig. "Das ist mein Job", erklärt der Abteilungsleiter "Organisierte Kriminalität" im LKA. Er will Druck von außen, den das Wattestäbchen-Fiasko ausgelöst hat, von den Ermittlern fernhalten. Hönig betont, dass die Soko auch für LKA-Verhältnisse groß ist. Das sei ein Signal, dass die Polizei nicht nachlassen will, die Heilbronner Mörder zu fassen. Soko-Leiter Schäffer charakterisiert die Stimmung in der Soko so: "Meine Leute sagen: Jetzt erst recht. Die sind hochmotiviert."

Ist das nur Zweckoptimismus? Schäffer muss jedenfalls zugeben, dass die Ermittler zweieinhalb Jahre nach dem Verbrechen auf der Heilbronner Theresienwiese keine heiße Spur haben. 55 Hinweise bearbeiten die Fahnder zurzeit. Wie gut die Qualität von neuen Spuren und Zeugenaussagen noch sein kann, so lange Zeit nach dem Mord, ist für Schäffer "eine interessante Frage". Eine Antwort sucht sein Team, indem es sich nochmals auf den Anfang des Falls konzentriert: Wie sind die Mörder an jenem 25. April 2007 vom Tatort geflüchtet? Wer war auf der Theresienwiese? Die Fahnder vernehmen Schausteller und reisende Personen. Auch mögliche Zusammenhänge mit osteuropäischer Organisierter Kriminalität werden weiterhin überprüft. Die Betonung liegt aber auf "mögliche". Denn noch immer weiß niemand, warum die Polizistin sterben musste. Auch Josef Schäffer nicht: "Das Motiv ist völlig unklar."

Neuer Soko-Leiter fängt von vorne an
Josef Schäffer

Zur Person: Josef Schäffer

Polizist zu werden, war für den gebürtigen Schwaben schon als Kind der Wunsch. Den Beruf lernte er von der Pike auf: 1967 fing er bei der Bereitschaftspolizei an, kam 1973 zur Kripo und wechselte 1979 zum Landeskriminalamt. Spezialgebiete des zweifachen Vaters und vierfachen Großvaters: Rauschgift- und Organisierte Kriminalität. Der 59-Jährige klärte zum Beispiel im Jahr 2000 die spektakulären Überfälle von Ost-Banden auf Juweliergeschäfte in ganz Europa auf. mut


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Zeitleiste




Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

Zeitleiste vergrößern

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Videos


Stimme Premium: Alle Videos zum Polizistenmord