War Beate Zschäpe in Heilbronn?

Heilbronn - War die verhaftete Beate Zschäpe am Tag des Polizistenmordes in Heilbronn doch mit dabei? Der Heilbronner Stimme liegen Aussagen eines Zeugen vor, der zwei auffällige Männer und eine Frau in direkter Tatortnähe beobachtete.

Von Adrian Hoffmann

An dieser Stelle in der Nähe der Otto-Konz-Brücke will ein Zeuge gesehen haben, wie sich ein Mann am Tag des Polizistenmords Blut von den Händen wusch. Ein weiterer Mann und einer Frau mit Kopftuch hätten ihn begleitet.

 

Heilbronn - Es sind noch immer viele wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord unbeantwortet – selbst ein halbes Jahr, nachdem die Rechtsterroristen der sogenannten „Zwickauer Zelle“ für die Tat verantwortlich gemacht worden waren. Was oft vermutet wird, aber bislang nicht mit Fakten belegt werden konnte: War Beate Zschäpe in Heilbronn dabei, als Michèle Kiesewetter erschossen wurde?

Die Bundesanwaltschaft, die den Fall betreut, will zu weitergehenden Ermittlungen nichts sagen. Aber es gibt spannende Zeugenaussagen, die zu dieser Frage vielleicht mehr Aufschluss geben können. Die zumindest darauf hindeuten, dass Zschäpe bei der Tat in Heilbronn am 25. April 2007 auf der Theresienwiese dabei gewesen sein könnte.

Kopftuch

So gab ein heute 59 Jahre alter Mann aus dem Süden Heilbronns im Mai 2009 bei der Polizei zu Protokoll – zweieinhalb Jahre, bevor der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) bekannt wurde –, dass ihm am Tattag gegen 14 Uhr nahe der Otto-Konz-Brücke, nicht weit vom Tatort entfernt, zwei Männer und eine Frau mit weißem Kopftuch entgegengekommen seien.

 

 

Aus heutiger Sicht könnte es gut sein, dass die Frau mit Kopftuch Beate Zschäpe war. Auf Fotos, die von ihr in den Medien veröffentlicht wurden, ist sie immer wieder mit Kopftuch zu sehen.

Kurz bevor er damals mit den drei Personen auf dem Neckaruferweg unterhalb der Brücke zusammengetroffen ist, sei einer der beiden Männer eine Treppe zum Neckar hinuntergegangen, sagte der Zeuge vor drei Jahren bei der Polizei aus. Er habe gesehen, dass dieser Mann Blut an den Händen hatte und sie sich im Neckar wusch.

 

 



Er habe seine Beobachtungen nicht gleich bei der Polizei gemeldet, weil er dachte, ihm glaube niemand, gibt der Zeuge im Gespräch mit der Heilbronner Stimme an. „Meine eigene Familie hat mir nicht geglaubt“, sagt er. Aber als zwei Jahre später die Ermittlungen der Polizei mit der Wattestäbchen-Panne ins Leere liefen, konnte er eigenen Angaben nach nicht mehr anders.

Die Ermittler messen den Angaben offenbar Relevanz bei. Mehrfach trafen sich Kripobeamte mit ihm, hörten sich seine Schilderungen an. Zuletzt, sagt der Zeuge, seien Polizisten kurz nach dem Auffliegen der „Zwickauer Zelle“ im November bei ihm gewesen. Sie hätten ihm Bilder gezeigt. Ob es sich bei der Frau, die er am 25. April 2007 gesehen hatte, tatsächlich um Beate Zschäpe handelt, will er aber auch jetzt – angesichts der Fotos des Neonazi-Trios – nicht 100-prozentig bejahen.


 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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