Und wieder schweigen die Komplizen des Phantoms eisern

Saarbrücken/Heilbronn - Das Phantom ist ein „Homejacker“. Mittendrin in einer Bande von Autodieben, die nachts in Häuser einbrechen, die Schlüssel stehlen und mit den Wagen vor den Anwesen kurzerhand wegfahren – während die Bewohner im Haus schlafen. Zwei Einbrecher und Autodiebe wurden in Frankreich verhaftet, in deren Bande das Phantom agiert haben muss.

Von Carsten Friese

Ein Kreuz und ewige Lichter stehen an der Stelle in Weinsberg, wo Diana Pawlenko tot gefunden wurde. Foto: S. Lambert


Saarbrücken/Heilbronn - Das Phantom ist ein „Homejacker“. Mittendrin in einer Bande von Autodieben, die nachts in Häuser einbrechen, die Schlüssel stehlen und mit den Wagen vor den Anwesen kurzerhand wegfahren – während die Bewohner im Haus schlafen.

„Das Phantom hat sich in Kreisen aufgehalten, in denen wir es schon lange vermutet haben“, sagt Dieter Appel, der Sprecher des Landeskriminalamts in Saarbrücken. Dort, im Saarland, haben die Ermittler seit Sommer 2007 eine ganze Serie von Einbrüchen bearbeitet, bei denen 21 hochwertige Autos,  Schmuck und Bargeld gestohlen wurden. Meist waren es Audi, BMW, Mercedes. Wagen, „mit denen man auch eine Verfolgung durch die Polizei nicht scheuen muss“, sagt Appel.

Auslieferung

An vier Tatorten – zweimal Quierschied und Tholey im Saarland, einmal Riol im benachbarten Rheinland-Pfalz – tauchte auch der genetische Code der gesuchten Unbekannten im Heilbronner Polizistenmordfall auf. Wo genau die DNA-Spuren entdeckt wurden und ob es Haut, Haar, Speichel oder Blut war, sagen die Ermittler nicht.


Als ob der Fall nicht schon mysteriös genug ist, streuen die Puzzleteile nun wieder über Ländergrenzen hinweg. Im Raum Metz in Frankreich schlugen Ermittler am 9. Dezember zu, durchsuchten 25 Wohnungen, beschlagnahmten Diebesgut aus der „Homejacking“-Serie und nahmen 26 Personen vorläufig fest. Zwei Hauptverdächtige für die Hauseinbrüche sitzen in Untersuchungshaft und sollen demnächst nach Saarbrücken ausgeliefert werden. Es handelt sich um einen 26 Jahre alten gebürtigen Jugoslawen, der in einem Parkhaus in Metz arbeitete, und einen gebürtigen Albaner, einen Arbeiter. Beide hatten in Metz einen festen Wohnsitz, beide sind französische Staatsbürger, erfuhr die HSt. Vom Phantom aber fehlt weiterhin jede Spur.

Die zwei Männer kennen die große Unbekannte, da sind sich die Ermittler sicher. Die Verhafteten aber schweigen. Alle, auch die, die inzwischen wieder auf freiem Fuß sind. Dass sie die Polizei „deutlich näher an das Phantom herangebracht haben“, davon geht der LKA-Sprecher aus. „Jetzt geht es darum, herauszufinden, warum die Gruppe zu dem Phantom nichts sagt“, betont Appel.

Die neuen DNA-Spuren stammen vom März und April 2008. Sie sind definitiv weiblich, das haben Rechtsmediziner bestätigt. Welche Rolle das Phantom in der  „Homejacker“-Gruppe gespielt hat, ist noch unklar. Fest steht, dass die Täter mit den gestohlenen Autos Strecken bis zu 20.000 Kilometer zurücklegten und für weitere Einbrüche einsetzten. 19 der 21 Autos tauchten wieder auf. Einige waren stark beschädigt, zwei völlig ausgebrannt. Dass Täter da Spuren komplett verwischen wollten, nehmen die Ermittler an.

Bezugspunkte

Im Frühjahr Saarland, im Oktober nun Weinsberg: Mit dem neuesten DNA-Fund der mutmaßlichen Serientäterin kehrt die Spur des Phantoms in die Region Heilbronn zurück. Bewohner beschleicht – wieder einmal – ein mulmiges Gefühl.

Bisher sei das Phänomen „Homejacking“ in unserer Region nur ganz selten aufgetreten, teilt Heilbronns Polizeisprecher Rainer Köller mit. Dass ein Hauseinbruch vom April 2008 in Oberstenfeld ins Schema passt, verneint er nicht. Auch dort hatten die Bewohner geschlafen. Warum das Phantom nun erneut ins Unterland kam? Die Polizei weiß es nicht und sucht nach Bezugspunkten, auch in der Autobranche.

Bei der Serie im Saarland wachte kein Hausbewohner bei den Einbrüche der „Homejacker“ auf. Was tun, wenn man bei einem Einbruch doch wach wird? „Auf keinen Fall auf die Täter zugehen“, mahnt Rainer Köller. „Man weiß nie, ob sie bewaffnet sind.“ Der Polizeisprecher rät, die 110 zu rufen, wenn ein Telefon in der Nähe ist. Ansonsten: Im Zimmer einschließen, das Fenster öffnen und um Hilfe rufen – bis ein Nachbar die Polizei verständigen kann.



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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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