Spur des Phantoms taucht bei Dreifachmord auf

Die DNA der mutmaßlichen Polizistenmörderin von Heilbronn ist erneut im Zusammenhang mit einem Verbrechen aufgetaucht; diesmal im Fahrzeug zweier mutmaßlicher Täter, die im Januar drei Georgier ermordet haben sollen. An Brisanz gewinnt die Sache deshalb, weil als Verdächtiger in dem zweiten Fall aus Hessen ein V-Mann des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA) in Untersuchungshaft sitzt

Von Nicole Amolsch und Helmut Buchholz



Heilbronn/Frankenthal - Der Fall wird immer mysteriöser. Erneut ist eine Spur jener Frau aufgetaucht, die als Täterin im Fall der am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese getöteten Polizistin Michéle Kiesewetter gilt. Besonders brisant: Die DNA-Spur fand sich in einem Fahrzeug eines V-Mannes des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts (LKA).

Der aus dem Irak stammende Talip O. versorgte das LKA mit Insider-Informationen aus der Islamistenszene. Dafür hatte das LKA ihm einen weißen Ford Escort zur Verfügung gestellt. Derzeit sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Er steht in Verdacht, zusammen mit dem Somalier Ahmed H. im Januar 2008 im Raum Heppenheim drei georgische Autohändler ermordet zu haben.

Tot im Rhein Der Iraker soll den Georgiern ein Fahrzeug zum Kauf angeboten haben. Ende Januar seien sie in Begleitung des Somaliers in den Ford eingestiegen. Die Georgier hatten nach Polizeiangaben eine größere Menge Bargeld für den Autokauf bei sich. Dann verliert sich ihre Spur. Kurz darauf wurden die drei Männer tot aus dem Altrhein bei Mannheim geborgen. Zwei der Männer waren erschossen worden, der Dritte wurde erstickt. Das Auto fanden die Ermittler am Frankfurter Flughafen.

Entscheidend ist nun: Wie und vor allem wann kam die DNA der gesuchten Frau, des Phantoms, in das Auto? „Wir wissen bislang weder das eine noch das andere“, sagt Oberstaatsanwältin Gisa Thermann von der für den Dreifachmord zuständigen Staatsanwaltschaft Frankenthal. Da die bisherigen Ermittlungen nicht auf einen Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord hindeuteten, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die DNA bereits im Auto war, als das LKA den Wagen gekauft hat. Das war im Frühsommer 2007.

Im Oktober 2007 übergab das LKA das Auto an den V-Mann. Woher der Wagen stammt? „Es gibt keine bestimmte Adresse, wo das LKA solche Fahrzeuge kauft“, sagt Herbert Klein vom LKA Rheinland-Pfalz. Es hinge davon ab, wofür sich das Fahrzeug eignen müsse. Zudem würden die Verkäufer überprüft. Purer Zufall also, dass ausgerechnet diese Spur in diesem Wagen war? So richtig mag man das nicht glauben. „Dieser Fall sprengt alles, was bisher da war“, bringt es der Heilbronner Polizeisprecher Peter Lechner auf den Punkt.

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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