Quälende Suche schürt Spekulationen (21.05.07)

Noch immer keine heiße Spur von Michéle Kiesewetters Mördern. Die Lage ist so schlecht, dass die Unterländer Polizei auf die nächste Folge der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ hofft, die am 31. Mai ausgestrahlt wird - Pressekonferenz gegen Gerüchte

Von Franziska Feinäugle


Heilbronn - Noch drei Tage, dann liegt der Mord an der Polizistin Michéle Kiesewetter (22) auf der Heilbronner Theresienwiese genau einen Monat zurück. Je mehr Zeit seit den Kopfschüssen auf die junge Frau und ihren dadurch lebensgefährlich verletzten 24-jährigen Kollegen verstreicht, desto quälender ist - für die 45-köpfige Sonderkommission „Parkplatz“ ebenso wie für die von der Bluttat erschütterte Öffentlichkeit - das täglich gleiche Bekenntnis der Ermittler: „Noch immer keine heiße Spur.“

Die Lage ist so schlecht, dass die Unterländer Polizei auf die nächste Folge der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ hofft, die am 31. Mai ausgestrahlt wird. Als Studiofall soll der Heilbronner Polizistenmord dort vorgestellt werden. Was gezeigt wird? „Nicht viel“, sagt Heilbronns Polizeisprecher Peter Lechner. „Weil wir nicht viel haben.“ Unterdessen schießen die Spekulationen ins Kraut. Halbwahrheiten lassen sich nur schwer von Wahrheiten trennen, Belangloses wird als womöglich Wichtiges verbreitet, und dass sich inzwischen sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft nicht mehr zu Gerüchten äußern, macht das Durcheinander eher größer, als es einzudämmen.

Defensive Während Pressekonferenzen nach Kapitaldelikten gemeinhin einberufen werden, um Fahndungsergebnisse und Tatverdächtige zu präsentieren, gab es gestern am frühen Abend deshalb nun eine Pressekonferenz der anderen Art. „Leider keine Fahndungserfolge“ werde man vermelden, hatte Innenministeriumssprecherin Alice Loyson-Siemering bereits im Vorfeld angekündigt, „sondern etwas zu den Spekulationen“ sagen.

Keine Offensiv-, sondern eine Defensivkonferenz also. Die baden-württembergische Polizeiführung war wie berichtet wegen ihrer Einsatztaktiken in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Michéle Kiesewetter als Scheinkäuferin in Zivil in der Unterländer Drogenszene Rauschgift angekauft und dadurch zur Verurteilung eines Dealerpärchens beigetragen hatte, später aber in Uniform wieder in derselben Region eingesetzt worden war.

Name fiel nicht Als „urdeutsch, ohne Migrationshintergrund“ beschreibt Ralph Andreß, der Anwalt der verurteilten Dealerin, seine Mandantin. Michéle Kiesewetters Name sei in dem Prozess vergangenen Sommer nicht zur Sprache gekommen, stehe aber in der Gerichtsakte. Dem Mitangeklagten war der Name also auch bekannt.

Bei seiner Mandantin hat die Soko wie berichtet ohne konkrete Ergebnisse ermittelt; auch dass der Mitangeklagte etwas mit den Kopfschüssen zu tun haben könnte, glaubt der Heilbronner Anwalt nicht, zumal es nur um Kleinkriminalität ging. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wegen solchem Pillepalle jemanden umbringt.“ Die beiden Drogenankäufe bei dem Pärchen, für die Michéle Kiesewetter als in der hiesigen Drogenszene unbekanntes Gesicht angefordert worden war, gingen nach Stimme-Informationen im nördlichen Landkreis vonstatten.

 

Fahndungsaufruf | Soko-Telefon: 07131 - 104 - 2077

Fahndungsplakate der Polizei als pdf-Download

PDF-Datei: Flyer: deutsch Dateigröße: 289.21 KBytes. Datum: 03.05.2007

PDF-Datei: Flyer: albanisch Dateigröße: 267.34 KBytes. Datum: 03.05.2007

PDF-Datei: Flyer: russisch Dateigröße: 275.78 KBytes. Datum: 03.05.2007

PDF-Datei: Flyer: serbokroatisch Dateigröße: 255.56 KBytes. Datum: 03.05.2007

PDF-Datei: Flyer: türkisch Dateigröße: 257.37 KBytes. Datum: 03.05.2007

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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