Polizistenmord lähmt Heilbronn

Eine 22-jährige Polizistin ist gestern auf der Heilbronner Theresienwiese durch Kopfschüsse getötet worden. Auch auf ihren 24-jährigen Kollegen wurde geschossen. Er schwebt in Lebensgefahr.

 

 

Spurensicherung am Tatort: Am Rande der Heilbronner Theresienwiese ist gestern eine Polizistin durch einen Kopfschuss getötet worden. Ihr Streifenkollege schwebt nach einem Kopfschuss in Lebensgefahr. Vom Täter fehlte gestern jede Spur.

Eine 22-jährige Polizistin ist gestern auf der Heilbronner Theresienwiese durch Kopfschüsse getötet worden. Auch auf ihren 24-jährigen Kollegen wurde geschossen. Er schwebt in Lebensgefahr. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar. Von dem oder den Tätern fehlt jede Spur. Die Dienstwaffen und Handschellen der Polizisten, die Schutzwesten trugen, sind verschwunden.

Die Bereitschaftspolizisten aus Böblingen befanden sich auf einer routinemäßigen Streife in Heilbronn und wollten laut Polizeisprecher Rainer Köller „verdächtige Personen” kontrollieren. Ein Radfahrer fand gegen 14 Uhr ihre blutüberströmten Körper vor dem Dienstwagen liegend und verständigte die Polizei.

Die Polizei löste sofort eine Ringfahndung aus. Mehrere hundert Polizisten waren im Einsatz. An allen Stadtausgängen und auf der Autobahn wurden Fahrzeuge kontrolliert. Die Stadtbahn wurde gestoppt und die Passagiere wurden überprüft. Im Zuge der Fahndung wurden mehrere Gebäude durchsucht ­ auch das Druckhaus der Heilbronner Stimme im Alten Industriegebiet. Gegen 18 Uhr informierte die Polizei den Geschäftsführer der Tageszeitung, Tilmann Distelbarth, darüber, dass in Höhe des Druckzentrums ein Verdächtiger aus einem Taxi ausgestiegen sei. Das gesamte Areal wurde daraufhin abgesperrt und von einem Sonderkommando durchkämmt. Der Täter wurde dabei nicht gefunden. Bei Redaktionsschluss dauerte die Fahndung an.

 

Der Verkehr in der Heilbronner Innenstadt brach am Mittwoch Nachmittag total zusammen.

Stunden im  Stau

In und um Heilbronn brachen der gesamte Verkehr und zeitweise einige Handynetze zusammen. Autofahrer kamen über Stunden nicht weiter. Trotz der fieberhaften Suche ist die Hinweislage dünn. Weder Schüler in der Kreisberufschule, die sich gegenüber der Theresienwiese befindet, noch Aufbauhelfer, die Stände für das Maifest auf dem Festgelände montieren, haben vom Verbrechen etwas bemerkt oder Schüsse gehört.

Tiefe Betroffenheit äußerte Landes-Polizeipräsident Konrad Jelden angesichts der Tat gestern Abend in Heilbronn. Einen „kaltblütigen Mord” nannte er das Geschehene.

Der Unterländer Polizeichef Roland Eisele sagte, dass „nach wie vor nicht klar ist, was da passiert ist”. Er mahnte die Bevölkerung, wachsam zu sein und keine Anhalter mitzunehmen. Der oder die Täter seien bewaffnet. Mit welcher Waffe die Schüsse abgefeuert wurden, soll eine Obduktion klären. cf/mut


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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