Polizistenmord: Neue Gedenkstele, anderer Akzent

Heilbronn - Familie des Opfers legt sich auf einheitliche Schreibweise des Vornamens der getöteten Michèle Kiesewetter fest

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Polizistenmord: Neue Gedenkstele, anderer Akzent
Auf alten Polizistenmord-Stele steht noch der "falsche" Akzent.Foto: Archiv

Heilbronn - Am 25. April jährt sich der Polizistenmord zum fünften Mal. An diesem Tag wird am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese eine neue Gedenkstele enthüllt, die die alte ersetzt und auf der alle Namen der Neonazi-Mordserie stehen werden − auch der der getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter.

Nicht nur die Stele ist neu, auch die Schreibweise des Vornamens. Inzwischen hat sich innerhalb der Familie Kiesewetter der Wunsch durchgesetzt, den Vornamen von Michèle Kiesewetter künftig mit dem französischen Akzent "grave" − also "è" − zu schreiben. Dieser kleine Strich über dem ersten "e" hatte in der Vergangenheit für Irritation gesorgt.

Denn die Polizei und die meisten staatlichen Stellen, die mit der Fahndung nach den Mördern beschäftigt waren, setzten den Akzent "aigu", der von links unten nach rechts oben zeigt. Sie richteten sich nach der Schreibweise in der Geburtsurkunde der Beamtin. Ihr Name war auch in dieser Form in den Polizei-Personalakten und im Einwohnerregister ihrer Heimatstadt Oberweißbach in Thüringen verzeichnet.

Varianten

Die Heilbronner Stimme hat wie viele andere Medien in der Berichterstattung über den Polizistenmord die "aigu"-Schreibweise von der Polizei übernommen. Wohlwissend, dass diese Variante sprachlich nicht korrekt war. Michèle Kiesewetter hat selbst unterschiedliche Varianten gebraucht. In ihrem Bewerbungsschreiben zur Böblinger Bereitschaftspolizei wählte sie den "grave"-Akzent, der von links oben nach rechts unten weist. Bei Unterschriften verzichtete sie auch ganz auf den Strich in ihrem Vornamen.

Nachdem aber auch auf dem Grabstein von Michèle Kiesewetter der "grave" stand, entschloss sich die Stimme-Redaktion, den Akzent ganz wegzulassen, bis Klarheit über die von der Familie gewünschte Form herrscht. Das ist jetzt geschehen. Auch unsere Zeitung wird künftig dem Wunsch der Hinterbliebenen entsprechen. Einige der Angehörigen werden auch am 25. April von 14 Uhr an bei der Stelen-Enthüllung und dem Polizistenmord-Gedenken auf der Theresienwiese erwartet. Innenminister Reinhold Gall wird eine kurze Rede halten.

Einheitliche Botschaft

In allen sieben deutschen Städten, in denen die Terrorzelle gemordet hat, sollen Gedenkstätten entstehen, an denen die Namen der zehn Opfer stehen werden. Die Kommunen sehen dies als gemeinsame Botschaft gegen rechtsextreme Gewalt.


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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