Plante NSU-Trio Anschlag in Stuttgart?

Stuttgart/Heilbronn  Bilder, die am Donnerstag im NSU-Prozess gezeigt wurden, legen nahe, dass die Terrorgruppe weitere Anschläge plante. Die Bilder zeigen einen türkischen Imbiss in Stuttgart und ein SPD-Büro in Hof.

Die NSU-Terroristen könnten weitere Anschlagsziele ausgespäht und ins Auge gefasste Tatorte fotografiert haben. Das sagte ein Kripobeamter am Donnerstag als Zeuge im Münchner NSU-Prozess. Er hatte Fotos ausgewertet, die auf einer CD in der ausgebrannten Fluchtwohnung des NSU-Trios gefunden wurden. Die Bundesanwaltschaft wirft der Gruppe zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor. 

Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.l) im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München zwischen ihren Anwälten Anja Sturm und Wolfgang Heer. Foto: Andreas Gebert/dpa
Insgesamt habe es sich um zehn Fotos gehandelt sagte der Ermittler. Mehrere davon, die das Gericht auf eine Leinwand projizieren ließ, zeigten einen türkischen Imbiss an der Nordbahnhofstraße in Stuttgart. Auf zwei dieser Bilder war außerdem ein Mann zu sehen, der, so der Polizist, mit hoher Wahrscheinlichkeit das NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt sei. Der Mann lehnte an einem Fahrrad, trug ein dunkles T-Shirt und eine Baseball-Kappe. Diese Bilder seien am 26. Juni 2003 aufgenommen worden, sagte der Zeuge.

Am Tag darauf seien dann zwei Fotos entstanden, auf denen das Schild des SPD-Unterbezirks Hof in Oberfranken an einer Hausfassade zu sehen ist. Eines der Bilder zeigt außerdem das Straßenschild „Landwehrstraße“. In der Bildersammlung habe sich außerdem ein Schnappschuss befunden, der zwei Stunden nach dem Bild von dem SPD-Büro aufgenommen wurde und auf dem Böhnhardt zusammen mit Beate Zschäpe auf einem Sofa zu sehen ist. 

Anschließend sollte ein weiterer Polizist über Vernehmungen der Hauptangeklagten Zschäpe und des wegen Beihilfe angeklagten Ralf Wohlleben im Jahr 1996 berichten. Seine Befragung dauerte allerdings nur kurz, weil er sich an keine der Vernehmungen mehr erinnern konnte.

Kommende Woche will das Gericht erneut einen Zeugen aus dem Chemnitzer Unterstützerumfeld des NSU vernehmen. 

 

Zschäpe soll häufig in Baden-Württemberg gewesen sein

Bereits vor einigen Wochen hatte eine Kripo-Ermittlerin aus Baden-Württemberg im NSU-Prozess über häufige Reisen von Beate Zschäpe nach Ludwigsburg berichtet. Zschäpe sei meist in Begleitung von Uwe Mundlos dort gewesen, ein oder zwei Mal auch als Trio mit Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Treffen hätten im Keller eines Mannes stattgefunden, dessen Telefonnummer sich auf einer Liste von Mundlos gefunden habe.

Sie habe dazu mehrere Zeugen vernommen, sagte die Polizistin. Den Besitzer des Kellers habe sie allerdings nicht mehr befragen können, weil er gestorben sei. Nicht geklärt werden konnte dagegen, ob das Trio auch an Treffen der rechtsextremen Szene in Heilbronn und Stuttgart teilgenommen hat.

Die Polizistin hatte wegen des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 ermittelt.

 

 

 

Tagebuch zum Polizistenmord

Lähmendes Entsetzen auf der Theresienwiese in Heilbronn: Wie Journalisten unserer Zeitung die Tage des Verbrechens erlebt haben erzählen sie hier.  lsw/red

 

 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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