Phantomsuche zieht Medien an

Heilbronn - Mit dem Schnellzug von Paris nach Mannheim, dann mit einem gemieteten BMW nach Heilbronn: Die französische Fernsehjournalistin Sabine Pacini und Kameramann Jean-Michel Canovas zogen gestern auf den Spuren des Phantoms durch Heilbronn. Für den Sender France 2 drehen sie einen Film über die gesuchte Unbekannte im Heilbronner Polizistenmordfall, deren Taten inzwischen auch die Menschen im Nachbarland elektrisieren.

Von Carsten Friese

Polizeisprecher Rainer Köller: „Inzwischen kommen pro Woche ein bis drei überregionale Medien bei uns vorbei.“


Heilbronn - Mit dem Schnellzug von Paris nach Mannheim, dann mit einem gemieteten BMW nach Heilbronn: Die französische Fernsehjournalistin Sabine Pacini und Kameramann Jean-Michel Canovas zogen gestern auf den Spuren des Phantoms durch Heilbronn. Für den öffentlichen Sender France 2 drehen sie einen Film über die gesuchte Unbekannte im Heilbronner Polizistenmordfall, deren Taten inzwischen auch die Menschen im Nachbarland elektrisieren.

„Das ist eine unglaubliche Geschichte. Und mittlerweile gibt es ja auch zwei Bezüge nach Frankreich“, erklärt die 34-Jährige die wachsende Aufmerksamkeit. Ihr Freund ist Polizist. „Es tut einem weh, wenn man das sieht“, sagt sie auf der Theresienwiese an der Tafel, die an die erschossene Michéle Kiesewetter erinnert.

Immer mehr überregionale Medien klopfen zum mysteriösen Fall in Heilbronn an. Polizeisprecher Rainer Köller gab den französischen Journalisten ein Interview. Sein wievieltes es war, kann er nicht mehr zählen.

Mediendauerlauf

Die Pressearbeit wird zum Mediendauerlauf. Bis zu drei überregionale Medien geben sich inzwischen pro Woche ein Stelldichein. Spiegel und France 2 waren es diese Woche, am Dienstag kommt Stern TV. „Das ist natürlich Stress für uns. Wir machen die Arbeit ja nebenher“, sagt Köller. Mittlerweile wird allen Medien eingeschärft, sich im Internet gründlich vorzubereiten. Die Zeit für ein Interview mit Soko-Chef Frank Huber wird auf eine Stunde begrenzt. Köller: „Er hat ja noch anderes zu tun.“

Gratwanderung

Die ganze Medienarbeit kostet die Pressesprecher „Zeit ohne Ende“. Doch in dem komplexen Fall, so Köller, sei man auch auf die Öffentlichkeit angewiesen. Nach einem Bericht könnte ja „der entscheidende Hinweis“ dabei sein.

„Es ist immer eine Gratwanderung, aber es ist eine Säule unserer Arbeit“, betont Soko-Chef Frank Huber. Er will den Fall dauerhaft in den Medien präsent halten. Damit sich doch noch ein Zeuge oder ein Mittäter meldet. Seine Aufgaben als Soko-Leiter kämen nicht zu kurz, versichert Huber. Demnächst ist er bei Günther Jauch in Stern TV. Huber ist schon gespannt auf den prominenten Moderator. Und bei einer Einschaltquote von drei Millionen Fernsehzuschauern könne man viele für das Thema sensibilisieren.

Als sich das französische TV-Duo gestern von Rainer Köller verabschiedet, wirkt der Beamte entspannt. Er hat schon andere Fernsehteams erlebt, die manche Szene fünf, sechs Mal drehen wollten, weil sich eine Wolke vor die Sonne schob oder ein Windzug störte. Ob es heute anstrengend war? „Nicht mehr so“, sagt er lachend. Inzwischen hat er wie sein Chef Routine.

Hintergrund: Von der Zeit bis Playboy

Kaum zu glauben: Selbst der Playboy hat bei der Heilbronner Polizei schon zum Polizistenmordfall angerufen und einen Fragenkatalog geschickt. Alle großen Medien waren inzwischen in Heilbronn. Zeit, Spiegel, Focus, ARD, ZDF, SAT 1, RTL, FAZ, Süddeutsche, Berliner Zeitung. Auch drei französische TV-Sender waren da. Rund 70 bis 80 Medien haben das Thema inzwischen intensiver beleuchtet.


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Zeitleiste




Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

Zeitleiste vergrößern

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Videos


Stimme Premium: Alle Videos zum Polizistenmord