Phantom schlägt erneut zu

Heilbronn/Saarhölzbach - Plötzlich ist der kleine Angelsportverein Saarhölzbach mittendrin im Fall um den Heilbronner Polizistenmord. Nachdem die Polizei die 33. Spur des gesuchten weiblichen Phantoms nach einem Raubüberfall im abgelegenen Vereinsheim des ASV entdeckte, haben rund 80 Ermittler gestern die Holzhütte und das gesamte Waldgebiet um das Anglerareal mit dem idyllischen Fischteich durchsucht.

Von Carsten Friese und Nicole Amolsch

Das Vereinsheim des Angelsportvereins Saarhölzbach. Hier sicherten die Ermittler nach dem Überfall auf eine 57-Jährige erneut den genetischen Fingerabdruck der Tatverdächtigen im Heilbronner Polizistenmord. Fotos: Björn Becker

Heilbronn/Saarhölzbach - Plötzlich ist der kleine Angelsportverein Saarhölzbach mittendrin im Fall um den Heilbronner Polizistenmord. Nachdem die Polizei die 33. Spur des gesuchten weiblichen Phantoms nach einem Raubüberfall im abgelegenen Vereinsheim des ASV entdeckte, haben rund 80 Ermittler gestern die Holzhütte und das gesamte Waldgebiet um das Anglerareal mit dem idyllischen Fischteich durchsucht.

„Der ganze Verein ist geschockt, dass dieser Raub eine solche Tragweite hat. Wenn da so viele Morde dranhängen, ist das schon erschreckend“, sagte Vereinsvorsitzender Jürgen Morbe am Donnerstag im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Am 9. Mai war die Wirtin gegen 17.30 Uhr im Vereinsheim und putzte mit dem Rücken zur Tür den Ofen. Plötzlich hörte sie Stimmen von mindestens zwei Personen. Noch ehe sie sich aufrichten konnte, wurde sie von einem Täter zunächst ins Gesicht geschlagen und dann mit einem spitzen Gegenstand attackiert. Weil sie Arme und Hände vors Gesicht hielt, erlitt sie nur an den Unterarmen leichte Stichverletzungen. Dabei verlor sie kurz das Bewusstsein und kann heute nicht mehr viel über die Angreifer und ihre Stimmen sagen. Nur, dass der Schläger offenbar ein Mann war. Wie Jürgen Morbe berichtet, hat der Angelverein Konsequenzen gezogen. „Allein geht keiner mehr ins Vereinsheim – bis der Fall hoffentlich aufgeklärt wird.“


DNA-Spur an Stein

Die DNA-Spur der großen Unbekannten war nach HSt-Informationen an einem Stein, der neben der Handtasche der Wirtin am Tatort lag. Den Geldbeutel der Frau hatten die Täter geleert und einen dreistelligen Betrag entnommen. Danach waren sie geflüchtet. Weiter fehlte im Vereinsheim nichts.

Wieder eine Spur der mutmaßlichen Serientäterin, wieder gibt es aber nicht sehr viel weitere Hinweise. War sie die Schlägerin, weil sie wie ein Mann aussieht? Oder war sie nur Begleiterin und hat den brutalen Attackierer unterstützt? „Die DNA-Spur ist eindeutig weiblich, das sagen alle Gerichtsmediziner“, erklärt Heilbronns Polizeisprecher Peter Lechner. Er betont aber nochmals, dass die Unbekannte möglicherweise als Mann wahrgenommen werde.

Der Fall in Saarhölzbach zeige zudem, „in welchem gewaltbereiten und hoch kriminellen Umfeld die Spurenlegerin sich aufhält“. Auf das „enorme Aggressions- und Gewaltpotenzial“ verweist auch Soko-Chef Frank Huber. Man werde weiterhin alles Menschenmögliche tun, um das Phantom und seine Begleiter „dingfest zu machen“. Rund 20 Beamte umfasst die Heilbronner Soko „Parkplatz“ derzeit. Zwei Teams unterstützen die saarländischen Ermittler. „Nach wie vor gehen jeden Tag mehrere Hinweise bei uns ein, der Fall ist stark in den Köpfen der Leute“, sagt Lechner. „Die Zuversicht bei der Soko, die Unbekannte zu fassen, ist weiterhin sehr groß.“

Waffe nicht gefunden

Die Stichwaffe des Überfalls auf die Vereinsheimwirtin ist noch nicht gefunden. Ein Messer halten die Ermittler für unwahrscheinlich. Ein dreieckiger Camper-Hering „ist eine Arbeitshypothese“, sagte Dieter Appel, Sprecher des Landeskriminalamts Saarland, gestern auf Nachfrage. Dass die DNA-Spur an dem Stein zu dem gesuchten Phantom passt, davon erfuhren die saarländischen Polizisten Ende voriger Woche.

Am Stein befand sich nach Angaben des LKA-Sprechers keine DNA-Spur des Opfers. Gut möglich, dass das Phantom den Stein für ein mögliches Eingreifen in Händen hielt.

Inzwischen haben Ermittler Kleidungsstücke im Wald um das Anglerheim gefunden. Ob sie vom Phantom getragen wurden, wird geprüft.

150.000 Euro Belohnung

Für Hinweise, die zur Ermittlung der Täter des Polizistenmordes führen, ist eine Belohnung in Höhe von 150.000 Euro ausgesetzt. Sie ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflichten die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört.

Hinweise nimmt das LKA Saarland, Telefon 0681/962-3333, die Soko „Parkplatz“, Telefon 07131/104-4444, oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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