Phantom-Komplizen wieder frei

Saarbrücken/Heilbronn - Die nächste Hoffnung auf eine heiße Spur zum Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall ist zunächst zerstoben. Zwei mutmaßliche Einbrecher, die Frankreichs Behörden an die Saarbrücker Polizei ausgeliefert hatte, sind nach zwei Tagen Vernehmung wieder auf freiem Fuß. Die beiden Franzosen haben zwar zu einer Serie von Einbrüchen und Diebstählen im Saarland ein Teilgeständnis abgelegt. Vom Phantom, deren DNA-Spur an vier von mehr als 30 Tatorten entdeckt worden war, wussten die Männer angeblich nichts.

Mögliche Komplizen des Phantoms sind wieder frei
Die bisher letzte Spur des Phantoms: Im Auto einer tot im Regenrückhaltebecken gefundenen Weinsbergerin entdeckten Ermittler den Gencode.Foto: Archiv/Lambert

Saarbrücken/Heilbronn - Die nächste Hoffnung auf eine heiße Spur zum Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall ist zunächst zerstoben. Zwei mutmaßliche Einbrecher, die Frankreichs Behörden an die Saarbrücker Polizei ausgeliefert hatten, sind nach zwei Tagen Vernehmung wieder auf freiem Fuß.

Die 26 und 33 Jahre alten Männer haben zwar zu einer Serie von Wohnhauseinbrüchen und Autodiebstählen im Saarland ein Teilgeständnis abgelegt. Vom Phantom, dessen DNA-Spur an vier von mehr als 30 Tatorten der Serie entdeckt wurde, wussten die Männer angeblich nichts. Bei den Taten, die sie einräumten, „war keine Frau beteiligt“, gibt LKA-Sprecher Dieter Appel die Aussagen der aus Albanien und dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Männer wieder.

Haftbefehl außer Vollzug

Ob sie auf weitere männliche Komplizen verwiesen, sagt Appel nicht. „Details aus den Vernehmungen geben wir derzeit nicht preis.“ Immer wieder haben Heilbronns Ermittler betont, dass die gesuchte Unbekannte äußerlich auch als Mann wahrgenommen werden könnte.

Am 29. Dezember hatte die französische Justiz die in Metz wohnenden Männer bereits überstellt. Sie blieben eine Nacht in Polizeigewahrsam und sind seit dem 30. Dezember wieder in Frankreich, gab Appel am Montag bekannt. Unter Auflagen hat ein Saarbrücker Ermittlungsrichter den Haftbefehl vorläufig außer Vollzug gesetzt. Den Haftgrund Fluchtgefahr sieht die Behörde nicht. Die Tatverdächtigen, die in Metz einen festen Wohnsitz haben und bis zu ihrer Verhaftung auch Arbeit hatten, müssen jeden Wechsel des Aufenthaltsortes melden und jeder Ladung von Justiz und Polizei Folge leisten. Im Polizeialltag sei dieses Vorgehen „gang und gäbe“, sagt Appel dazu.

Jetzt wollen die LKA-Ermittler die Informationen der Vernommenen „auf Herz und Nieren prüfen“. Ob sie noch die Hauptverdächtigen seien? Der Sprecher ist vorsichtig. „Für uns sind sie nach wie vor Verdächtige.“ Mehr könne man nicht sagen.

Enttäuscht über die Entwicklung gibt sich Heilbronns Polizeisprecher Roberto Monaci nicht. Auch er sieht den außer Vollzug gesetzten Haftbefehl als „normalen Verfahrensgang“ an. „Wir haben keine Probleme damit.“ Vier Ermittler der Heilbronner Soko sind seit Monaten in Saarbrücken. Sie standen in engem Kontakt mit den saarländischen Vernehmungsbeamten. Monaci: „Wir arbeiten Hand in Hand. Die Aussagen der zwei Männer müssen jetzt ausgewertet werden. Jedes Detail kann uns weiterhelfen.“

38 Genspuren

Seit 1993 wird die unbekannte Frau gesucht, deren DNA-Spur an 38 Tatorten in Süddeutschland, Österreich und Frankreich aufgetaucht ist. Beim kaltblütigen Mord an der Polizistin Michéle Kiesewetter im April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese entdeckten die Ermittler ihren Gencode am Streifenwagen.

Bei der „Homejacker“-Serie im Saarland, bei der Täter nachts in Häuser einbrachen und reihenweise wertvolle Autos vor den Gebäuden stahlen, fanden Ermittler die Spur des Phantoms in Quierscheid, Tholey und Riol in Rheinland-Pfalz.


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Zeitleiste




Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

Zeitleiste vergrößern

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Videos


Stimme Premium: Alle Videos zum Polizistenmord