NSU-Unterstützer hatte Kontakte in Heilbronn

Stuttgart/Region  Zwei "Schlüsselfiguren im NSU-Unterstützerumfeld" hatten Kontakte nach Heilbronn. Das wurde im Untersuchungsausschuss des Landtages am Montag deutlich.

Von Helmut Buchholz

NSU-Unterstützer hatte Kontakte in Heilbronn
NSU-Untersuchungsausschuss auf Lokaltermin 2015 am Polizistenmordtatort auf der Heilbronner Theresienwiese: Zumindest ein Neonazi aus dem engen Unterstützerumfeld des NSU war in in den 1990ern zu Besuch im Heilbronner Raum. Foto: Archiv/Veigel

Thomas S., ein Neonazi aus Sachsen, den Ermittler zum unmittelbaren Umfeld des NSU-Terrotrios zählen, hatte offenbar einige Kontakte in Heilbronn. Dies sagte am Montag ein Polizeibeamter im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags aus. Der Ausschuss will Verbindungen der Thüringer Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die sich "Nationalsozialistischer Untergrund" nannten, nach Baden-Württemberg klären.

Dem Trio wirft die Bundesanwaltschaft zehn Morde an Migranten in Deutschland und der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn vor. Hinter der Arbeit des Untersuchungsausschusses stehen auch die Fragen: War Kiesewetter, die auch aus Thüringen stammt, wirklich ein Zufallsopfer? Wie sind die Mörder darauf gekommen, ihren Anschlag ausgerechnet in Heilbronn zu verüben? Hatten sie Helfershelfer, die ihnen bei der Tatortsuche halfen?

Schlüsselfiguren im NSU-Umfeld

Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler (SPD) bezeichnete die Neonazis Thomas S. und Mike F. als "Schlüsselfiguren im NSU-Unterstützerumfeld". Thomas S. war 1996 mit Beate Zschäpe liiert, soll dem Trio auch Sprengstoff geliefert haben, sagte der Polizeibeamte im Ausschuss aus. Thomas S. sei auch der Erste gewesen, bei dem das Zwickauer Terrortrio Unterschlupf bekam, nachdem es Ende der 1990er untertauchte und dann seine Mordserie startete. Der Polizeibeamte hatte den Neonazi aus Sachsen mehrmals vernommen. Gegen Thomas S. läuft ein Ermittlungsverfahren. Er lehnt eine Aussage vor dem Stuttgarter Ausschuss ab. Darum war sein Vernehmungsbeamter geladen. Mike F. fehlte trotz Ladung gestern unentschuldigt in der Ausschusssitzung.

Wie kam die Verbindung nach Baden-Württemberg zustande? Über Mike F.: Der Chemnitzer zog für eine Ausbildung in den Südwesten und lernte zwischen 1991 und 1994 viele Gesinnungsgenossen in Ludwigsburg kennen, so der Fahnder. Da Thomas S. und Mike F. Kumpel waren, kam Ersterer einige Male nach Ludwigsburg − zu Partys in der rechten Szene und Konzerten.

Party mit dem Heilbronner Michael D.

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Während die Stuttgarter Parlamentarier nach Aufklärung suchen, steht Beate Zschäpe in München vor Gericht. Fotos: dpa

V-Mann Thomas S. sei auch bei den sogenannten 1000-Dosen-Partys in einem Steinbruch im Raum Heilbronn gewesen, die von Michael D. organisiert wurden und bei denen viel Alkohol geflossen sein soll. Michael D. ist schon seit vielen Jahren eine bekannte Figur aus der rechten Szene Heilbronns. Der Untersuchungsausschuss hat ihn bisher noch nicht als Zeugen geladen. Thomas S. habe in seinen Vernehmungen aber auch von einer weiteren Person aus Heilbronn berichtet, die Mitte der 1990er mit Waffen gehandelt haben soll. Pikant: Thomas S. war V-Mann für das Landeskriminalamt Berlin. Doch zu diesem Thema "sage ich nichts", erklärte der Polizeibeamte.

Im Ausschuss sagten zudem frühere NPD-Funktionäre aus dem Raum Stuttgart und Heilbronn aus. Auffallend für Drexler: "Viele lebten in Oberstenfeld." Bekanntlich wurde das Kennzeichen des Wohnmobils, mit dem mutmaßlich Böhnhardt und Mundlos vom Heilbronner Polizistenmordtatort flüchteten, kurz nach dem Verbrechen in Oberstenfeld von der Polizei registriert. "Ich frage mich, warum die Mörder nicht auf dem kürzesten Weg auf die Autobahn sind, sondern den Umweg über Oberstenfeld nahmen", sagte der Heilbronner FDP-Obmann Nico Weinmann. "Wurde ihnen in Oberstenfeld Unterschlupf gewährt?"

Auf diese Frage gab es nur ein Achselzucken der Zeugen. Niemand der früheren NPD-Funktionäre, die noch heute rechts eingestellt sind, will das Terror-Trio gekannt haben. Gleichgesinnte − auch aus dem Osten − hätten aber ab und zu bei ihnen übernachtet.

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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