NSU-Ausschuss: Weitere Kritik von Experten

Stuttgart  Im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags haben weitere Sachverständige die Ermittlungen zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter kritisiert. Thema war zudem der mutmaßliche Suizid eines jungen Mannes, der am Stuttgarter Wasen in seinem Auto verbrannte.

Die Journalistin Andrea Röpke, die sich seit Jahren zum Rechtsextremismus recherchiert, forderte die Abgeordneten am Freitag in Stuttgart auf, Verbindungen der rechtsextremen Szene zur organisierten Kriminalität zu prüfen.

Kiesewetter sei in ihrer thüringischen Heimat im Jahr 2005 mit einem Türsteher liiert gewesen. Die Ermittler hätten das aber nicht weiter verfolgt. Die Mischszene der Hooligans, Rocker, Türsteher und Neonazis müsse näher beleuchtet werden, um mehr Licht in den Mordfall zu bekommen. 

Mindestens vier Töter?

Der Berliner Rechtsextremismus-Professor Hajo Funke sagte, die Behauptung der von Innenminister Reinhold Gall (SPD) eingesetzten Ermittlungsgruppe (EG) Umfeld, wonach es keine Zweifel an der Zwei-Täter-Theorie beim Mord an Kiesewetter gebe, sei nicht haltbar. Damit habe die Gruppe nur die These der Bundesanwaltschaft übernommen. Die zur Aufklärung des Kiesewetter-Mordes eingesetzte Sonderkommission habe aber im Jahr 2011 Hinweise gehabt, wonach es mindestens vier Täter gegeben habe.

Auch hätten die auf Phantombildern dargestellten Männer keine Ähnlichkeit mit den beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, denen die Bundesanwaltschaft den Mord an der Polizistin zuschreibt.

Oberweißbach: Zentraler Ort der Neonazi-Szene?

Zuvor hatten unter anderem die beiden früheren Obleute des NSU-Ausschusses im Bundestag, Clemens Binninger (CDU) und Eva Högl (SPD), sowie der Journalist Stefan Aust die offiziellen Ermittlungen zum Mordfall Kiesewetter hinterfragt. Röpke bekräftigte als Zeugin im Ausschuss, Kiesewetters Heimat Oberweißbach sei ein zentraler Ort für die Neonazi-Szene - so gebe es dort mehrere Kneipen, in denen sich Rechtsextremisten träfen. Die Polizistin sei in Thüringen auch mehrmals als „Lockvogel“ bei Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität eingesetzt worden. 

Mutmaßlicher Suizid gibt Rätsel auf

NSU-Ausschuss - Stuttgart
ARCHIV - Ein PKW, in dem ein potenzieller Zeuge zum Mord an der Polizistin Kiesewetter verbrannt war, steht am 16.09.2013 auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart-Bad Cannstatt (Baden-Württemberg). In seinen Sitzungen am 2., 9. und 13. März 2015 will sich der Untersuchungsausschuss "Rechtsterrorismus/NSU BW" des baden-württembergischen Landtags mit dem Fall einer angeblichen Selbstverbrennung befassen. Der im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt zu Tode gekommene Mann war ein potenzieller Zeuge zum Mord an Kieswetter. Der Mann sei kurz vor seiner Aussage bei der Polizei in seinem Auto verbrannt. Foto: Andreas Rosar/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) werden zehn Morde von 2000 bis 2007 zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an Kiesewetter. Neben dem Kiesewetter-Mord gibt der mutmaßliche Suizid eines jungen Mannes im September 2013 am Stuttgarter Wasen Rätsel auf: Florian H. verbrannte in seinem Auto. Zuvor soll er angedeutet haben, dass er Kiesewetters Mörder kenne. Eine erste Aussage bei der Polizei habe Florian H. bereits im Juli 2011 gemacht, sagte Funke. „Die Aussagen wurden so ernst genommen, dass ein Zeugenschutzprogramm diskutiert wurde.“ Der junge Mann habe unter erheblichem Druck gestanden - von den Ermittlern einerseits und der rechten Szene andererseits. 

Kurz vor seinem Tod bekam Florian H. laut Funke, der mit Familienmitgliedern sprach und auch Einblicke in Akten hatte, einen Anruf, der ihn in Todesangst versetzt haben soll. Von wem der Anruf kam, sei bis heute unklar. Mit dem mutmaßlichen Selbstmord will sich der Untersuchungsausschuss in den Sitzungen im März beschäftigen. dpa


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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