Mehr als 2000 Speichelproben ohne Erfolg

Heilbronn - Die Fahndung nach der mutmaßlichen Heilbronner Polizistenmörderin wird immer mysteriöser: Auch ein Massen-Speichel-Test hat die unbekannte weibliche Serientäterin bisher nicht entlarven können. „Mehr als 2000 Menschen hatten in den vergangenen Monaten einem Speicheltest zugestimmt“, sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn. Allerdings stimmte keine der Speichelproben mit der an vielen Tatorten gefundenen DNA-Spur des Phantoms überein. Eine heiße Spur ergab sich auch nach einer am Montagabend gesendeten ARD-Dokumentation über den Fall nicht.

Heilbronn - Die Fahndung nach der mutmaßlichen Heilbronner Polizistenmörderin wird immer mysteriöser: Auch ein Massen-Speichel-Test hat die unbekannte weibliche Serientäterin bisher nicht entlarven können. „Mehr als 2000 Menschen hatten in den vergangenen Monaten einem Speicheltest zugestimmt“, sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn. Allerdings stimmte keine der Speichelproben mit der an vielen Tatorten gefundenen DNA-Spur des Phantoms überein.

Eine heiße Spur ergab sich auch nach einer am Montagabend gesendeten ARD-Dokumentation über den Fall nicht. „Wir erhielten aber viele Hinweise und auch Tipps“, sagte ein Heilbronner Polizeisprecher am Dienstag auf Anfrage.

Meistgesuchte Verbrecherin Deutschlands

Die als sehr gefährlich und äußerst brutal geltende Serienkriminelle, die mittlerweile als meistgesuchte Verbrecherin Deutschlands gilt, zieht eine Gewaltspur durch Deutschland, Österreich und Frankreich. Sie wird seit 15 Jahren vergebens gesucht. Den Fahndern fehlt bis heute auch der entscheidende Hinweis zur Aufklärung des brutalen Mords an der 22 Jahre alten Polizistin Michéle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn - trotz einer Belohnung von 150.000 Euro. Auch das Mord-Motiv ist unklar. Unmittelbare Tatzeugen fehlen.

Zuletzt war die DNA-Spur der Serien-Verbrecherin im Wagen der 45-jährigen Diana Pawlenko gefunden worden. Spaziergänger hatten die Leiche der Krankenpflegerin Ende Oktober in Weinsberg gefunden. Ob die Frau ermordet wurde, ist unklar. Außerdem wurde der genetische Fingerabdruck des Phantoms an vier Tatorten von Einbrüchen im Saarland und in Rheinland-Pfalz entdeckt.

Zwei mutmaßliche Einbrecher, die die Unbekannte kennen könnten, waren Ende Dezember von Frankreich ins Saarland ausgeliefert worden. Doch auch nach der Vernehmung der beiden französischen Staatsbürger, die aus Kroatien und Albanien stammen, habe es keine konkreten Hinweise auf die kriminelle Frau gegeben, sagte ein Sprecher des saarländischen Landeskriminalamtes am Montag. Bei ihren Taten „ist keine Frau dabei gewesen“, behaupteten die Männer.

Massen-DNA-Test

1300 freiwillige Speichelproben hätten Frauen und Männer allein bei Polizeikontrollen in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn abgegeben, sagte der Heilbronner Polizeisprecher. Die Ermittler hatten bei verdächtig erscheinenden Passanten oder Autofahrern in diesen Regionen um einen Speicheltest gebeten. Die meisten hätten sich damit einverstanden erklärt. „Die Ablehnerquote liegt unter einem Prozent“, sagte der Polizeisprecher. Ausweis- und Fahrzeugkontrollen hatte es verstärkt in der Nähe von Gartenhäusern und Weinberghütten gegeben. Eine der vielen DNA-Spuren des Phantoms wurde in Kornwestheim nach Gartenhausaufbrüchen sichergestellt.

Fast ein Jahr nach dem Mord an der Polizistin in Heilbronn hatte die Polizei mit einem Massen-DNA-Test bei Frauen begonnen, um der Täterin auf die Spur kommen. Die Sonderkommission (Soko) „Parkplatz“ nahm bislang Speichelproben bei rund 700 von 800 Frauen, die wegen Einbruchs oder Gewalt aufgefallen sind. Die Proben wurden mit der DNA-Spur der mutmaßlichen Mörderin abgeglichen: kein Treffer. Nach Auskunft des Landeskriminalamts Baden-Württemberg ist dies in einem Mordfall der landesweit erste große Gentest ausschließlich unter Frauen. Die Suche nach den verbliebenen rund 100 Frauen gestaltet sich schwierig. Oft sind die Gesuchten weggezogen oder schlicht nicht auffindbar.

Die Polizei weist darauf hin, dass das Phantom zwar eine Frau ist, aber durchaus auch als Mann wahrgenommen werden könnte. lsw

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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