Kiesewetter-Mord: Wer war der dunkel gekleidete Mann?

Stuttgart/Heilbronn  Am Montag sorgten zwei Zeugen aus Heilbronn im NSU-Ausschuss für eine kleine Überraschung. Sie berichteten von einer Beobachtung am Tag des Polizistenmordes, die sie bisher nicht erwähnt hatten.

Von Daniel Stahl und dpa

Der NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag steigt jetzt tiefer in den Mordfall Kiesewetter ein. Am Montag befragten die Abgeordneten mehrere Zeugen, die verdächtige Beobachtungen am 25. April 2007 in Heilbronn gemacht haben, als die Polizistin Michèle Kiesewetter dort ermordet wurde.

Überrascht waren die Ausschussmitglieder von der Aussage von zwei Eheleuten aus Heilbronn. Das Paar hatte sich bereits am Tag des Polizistenmords bei der Polizei gemeldet. Sie sagten schon damals aus, dass sie kurz nach dem Mord einen Mann beobachtet hatten, der im Wertwiesenpark auffällig schnell wegrannte und sich vor einem Hubschrauber versteckte.

Neu war allerdings, dass das Ehepaar von einem zweiten fliehenden Mann berichtete. Beim Spielplatz im Wertwiesenpark soll der dunkel gekleidete Mann in den Büschen verschwunden sein.

„Der zweite Mann, das war für uns alle neu“, sagte Wolfgang Drexler, der Vorsitzendes des Ausschusses. "Das ist eine neue Situation." Neu war auch, dass die Polizei das Ehepaar erst vor wenigen Wochen erneut befragt haben soll. Dabei hätten die Beamten ein neues Foto vorgelegt, berichteten die Eheleute. Dabei will die Frau sich an den zweiten Mann erinnert haben, der eine Mann auf einem Foto zumindest ähnlich gesehen haben soll.

Jetzt will der Ausschuss herausfinden, um wen es sich bei dem Mann handeln könnte. In nicht-öffentlicher Sitzung wollen die Abgeordneten später vom Innenministerium wissen, ob und warum das Heilbronner Ehepaar erneut von Polizisten befragt wurde - und welchen Mann die Frau möglicherweise auf einem Foto erkannte.

Kiesewetter war am 25. April 2007 ermordet worden. Ihr Kollege überlebte schwer verletzt. Die Bundesanwaltschaft schreibt die Tat den Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zu. Jedoch gibt es Zweifel an der Annahme der Bundesanwaltschaft, dass Kiesewetter ein Zufallsopfer war und die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Polizistin allein töteten. Deshalb befragt der NSU-Ausschuss mehrere Zeugen.

Den Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an Kiesewetter. Jedoch gibt es Zweifel an der Annahme der Bundesanwaltschaft, dass Kiesewetter ein Zufallsopfer war und der NSU die Polizistin alleine tötete.

Der Ausschuss untersucht die Bezüge des NSU nach Baden-Württemberg und mögliches Behördenversagen im Südwesten.


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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