Ist die Mutter des Phantoms Osteuropäerin?

Heilbronn - Das Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall ist wieder im Gespräch. Nach dem ZDF-Film „Die Frau ohne Gesicht“ am Dienstagabend gingen bei der Heilbronner Polizei rund 35 Hinweise ein. Nach erster Durchsicht sei „keine heiße Spur dabei“, sagte Polizeisprecher Peter Lechner am Mittwoch. Dennoch: Der gut gemachte Dokumentarfilm mit nachgestellten Szenen und Bildern von Originalschauplätzen bringt neue Details.

Von Carsten Friese

Heilbronn - Das Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall ist wieder im Gespräch. Nach dem ZDF-Film „Die Frau ohne Gesicht“ am Dienstagabend gingen bei der Heilbronner Polizei rund 35 Hinweise ein. Nach erster Durchsicht sei „keine heiße Spur dabei“, sagte Polizeisprecher Peter Lechner am Mittwoch.

Dennoch: Der gut gemachte Dokumentarfilm mit nachgestellten Szenen und Bildern von Originalschauplätzen bringt neue Details. Zwei Fernsehredakteurinnen haben Profiler des Landeskriminalamts bei der Arbeit begleitet und von den Spezialisten Einschätzungen über die mutmaßliche Serientäterin erhalten. „Sie ist nicht die große Bandenchefin, sie schließt sich anderen an und schlägt sich mit brachialer Gewalt und ständig wechselnden Komplizen durchs Leben“, kommt ein Profiler zu Wort. „Ankerpunkte“ ihrer Bewegungen: die Region Heilbronn-Ludwigsburg und das Saarland, wo sie im undurchsichtigen Puzzle ihrer 33 Tatorte jeweils mehrfach auftauchte. „Dort muss es Kontaktpersonen geben“, stuft auch Heilbronns Soko-Chef Frank Huber die Situation ein. So klar hatte er dies bisher noch nicht gesagt.

Ein neues Detail lässt aufhorchen. Ein DNA-Spezialist eines Innsbrucker Instituts hat den Gencode der Unbekannten mit einer neuen Methode auf die mütterliche Erblinie analysiert. Das ist in Österreich erlaubt, in Deutschland verboten. Dass diese DNA „gehäuft in Osteuropa und im Gebiet der angrenzenden Russischen Föderation“ auftrete, war das Ergebnis. Über die Herkunft des Vaters oder das Aussehen des Phantoms sagt dies jedoch nichts aus. Dass die Täter aus Osteuropa stammen können, „ist schon lange ein großer Komplex unserer Ermittlungen“, rückt Polizeisprecher Peter Lechner die Information zurecht. Insofern bringe diese Erkenntnis „uns nicht wirklich weiter“.

Als Kind dabei?

Eine weitere Theorie: Eine Polizeipsychologin hält es für denkbar, dass das Phantom beim ersten Mord 1993 in Idar-Oberstein als Kind oder Jugendliche dabei war und „als Türöffner“ fungierte. Wenn ein Kind mit extremer Gewalt im Alltag aufwachse, sei es gut möglich, dass es später als Erwachsener gegenüber dem Leben anderer wenig Respekt zeige.

Warum die Polizistin Michéle Kiesewetter sterben musste, dafür bietet das ZDF eine Theorie an. Bei kriminellen Geschäften im Umfeld der Theresienwiese soll es am Tattag um viel Geld gegangen sein. Vielleicht hätten die Täter die im Streifenwagen vespernden Polizisten als vermeintliche Zeugen angesehen und deshalb ermordet. Mögliche Waffen- oder Drogengeschäfte im Umfeld seien ein Ermittlungskomplex gewesen, wertet Peter Lechner die Aussagen. Konkrete Erkenntnisse „gibt es jedoch nicht“.

2,78 Millionen Zuschauer haben „Die Frau ohne Gesicht“ gesehen. Für das ZDF „eine gute Quote“. Im aktuellen Film steckten über drei Monate Recherchearbeit, davon die letzten sechs Wochen „nonstop“, berichtet Redakteurin Ulrike Eichin. Mit welcher Dreistigkeit die große Unbekannte an den Tatorten vorgeht, hat sie am meisten überrascht.

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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