Polizistenmord: Was hat das Phantom mit der Pflegehelferin zu tun?

Heilbronn/Weinsberg - Die Polizistenmord-Soko prüft, ob das Phantom möglicherweise ein Patient im Weinsberger Klinikum am Weissenhof (KaW) war. Der Verdacht kam auf, nachdem Diana Christiane Pawlenko Ende Oktober tot in der Nähe des Klinikums gefunden wurde. Die 45-Jährige arbeitete als Pflegehelferin in der Psychiatrie. In ihrem Auto fanden Ermittler eine DNA-Spur jener Serientäterin, die auch für den Heilbronner Polizistenmord verantwortlich gemacht wird.

Von Carsten Friese und Helmut Buchholz

Heilbronner Polizistenmord 467

Heilbronn - Die tote Weinsbergerin und die neue Spur zum Phantom im Polizistenmordfall: Auch am Tag nach Bekanntwerden des neuesten DNA-Treffers im Auto der tot aufgefundenen Diana Pawlenko (45) wird immer dieselbe Frage gestellt: Was hat diese Frau mit der mutmaßlichen Serientäterin zu tun?

Wer in der Nachbarschaft und an ihrem Arbeitsplatz nachfragt, stellt verblüfft fest: So richtig kannte niemand die Verstorbene. Als zurückhaltend, ruhig, freundlich, sehr hilfsbereit und nett wird sie beschrieben. „Doch über ihr Privatleben haben wir nicht wirklich etwas gewusst“, sagt eine Kollegin.

Auf Station P 9 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie hat die gebürtige Deutsche als Pflegehelferin im Klinikum am Weissenhof gearbeitet - außerhalb des Maßregelvollzugs mit seinen psychisch kranke Straftätern. Schon seit 1988 war sie angestellt. Hier werden Patienten zwischen 18 und 62 Jahren betreut, die nicht suchtkrank sind. Diana Pawlenko wohnte einige Jahre in einer Dienstwohnung auf dem Klinikumgelände. Im Sommer 2008 zog sie in der Weinsberger Wohnung ihres Ex-Mannes mit ein.

Die Pflegehelferin und das Phantom? „Das ist so abstrakt, so dubios“, findet eine Kollegin keine Erklärung. „Wir tappen wie alle Bürger auch im Dunkeln“, sagt Klinikum-Chefarzt Hans-Jürgen Luderer. Theorien, dass das Phantom vielleicht mal Patient gewesen sei, kennt er. Bei rund 8000 Patienten im Jahr „lässt sich das nicht ausschließen“. Doch Anhaltspunkte dafür gebe es nicht, berichtet auch der Betriebsdirektor des Klinikums am Weissenhof, Klaus Kupfer. „Der Zusammenhang zwischen der DNA-Spur und uns ist mir ein Rätsel. Ich kann mir das alles nicht erklären.“

Als Diana Pawlenko verschwand, hatte sie eine Woche dienstfrei. In diesem Zeitraum sei definitiv kein Patient untergetaucht, sagt Luderer. Reine Personendaten von Patienten darf die Polizei abfragen. Reihenweise Patientenakten überprüfen darf sie nach Angaben des Klinikum-Chefs jedoch nicht. Das Arztgeheimnis steht darüber. Nur wenn Ermittler einen konkreten Verdacht hätten, müsse ein Arzt bei der Gefahr weiterer schwerer Straftaten eine Güterabwägung treffen. DNA-Merkmale untersucht ein Krankenhaus nicht. Und eine Blutbank steht im Klinikum auch nicht zur Verfügung. Hans-Jürgen Luderer: „Nur die Ergebnisse werden archiviert.“

Trauerfeier

Als „immer sehr gepflegt“ beschreibt die Pflegedienstleiterin Diana Pawlenko. Für einen Nachbarn war es dagegen völlig überraschend, auf der Trauerfeier für die Tote einige „verwahrloste Gestalten“ zu sehen. „Da waren Unrasierte mit ungepflegten Haaren im Parka dabei, denen ich nicht im Dunkeln begegnen möchte.“ Er kannte Diana Pawlenko nur flüchtig. „Meist waren die Rollläden runter. Nur zum Wäsche aufhängen ist sie auf den Balkon gekommen.“

Fahndungsaufruf

Diana Christiane Pawlenko hat am Mittwoch, 22. Oktober, morgens noch das Geschirr daheim abgespült, bevor sie die Wohnung verließ. Vier Tage später wurde ihre Leiche gefunden. Den Fahndern ist noch nicht genug bekannt, mit wem sich die Weinsbergerin in den letzten Monaten ihres Lebens regelmäßig oder sporadisch traf. Hinweise an die Kripo unter der Telefonnummer 07131 / 104-4444.

Appell an Bürger

Die Polizei bittet die Bevölkerung, vor allem Gartenhausbesitzer, Spaziergänger, Jogger, auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge zu achten. Gibt es noch nicht gemeldete Einbrüche in Wengerthütten? Die Serientäterin könnte äußerlich auch als Mann wirken. Die Ermittler empfehlen, die Personen nicht anzusprechen, sondern die Polizei unter Notruf 110 zu verständigen. mut

Mehr zum Thema:

Phantom kehrt in die Region zurück (Video, Bildergalerie)

Und wieder schweigen die Komplizen des Phantoms eisern




- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Zeitleiste




Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

Zeitleiste vergrößern

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Videos


Stimme Premium: Alle Videos zum Polizistenmord