Polizistenmord: Phantom kehrt in die Region Heilbronn zurück

Heilbronn/Weinsberg - Zwischen dem Heilbronner Polizistenmord und dem Weinsberger Leichenfund Ende Oktober besteht offenbar ein Zusammenhang. Eine DNA-Spur des Phantoms, das auch für den Polizistenmord verantwortlich gemacht wird, fand sich in dem Fiat von Diana Pawlenko, deren Leiche Spaziergänger nahe eines Weinsberger Wanderparkplatzes fanden.

Von Helmut Buchholz und Andreas Tschürtz







Heilbronn/Weinsberg - Das Phantom ist zurück. Wieder mal. „Aber so nah an Heilbronn war es seit dem Polizistenmord vor eineinhalb Jahren nicht mehr“ sagt Heilbronns Polizeisprecher Rainer Köller. Als das Labor die Soko am vergangenen Freitag vom DNA-Treffer benachrichtigte, waren die Fahnder wie elektrisiert. Doch, auch das sind die Ermittler schon gewohnt: Jeder neue Treffer wirft neue Fragen auf. Zum Beispiel diese: Wie und wann kam der genetische Fingerabdruck in das Auto von Diana Christiane Pawlenko? Kannte sie das Phantom – zufällig oder schon länger?

Todesursache

Spaziergänger fanden die Leiche der 45-Jährigen Weinsbergerin am 26. Oktober in einer großen Wasserlache in der Nähe eines Wanderparkplatzes zwischen Grantschen und dem Klinikum am Weissenhof, wo sie arbeitete. Zwei Tage muss sie dort tot gelegen haben, stellen die Rechtsmediziner bei der Obduktion fest. Die Todesursache ist mittlerweile bekannt. Doch die Polizei verrät darüber nichts. Nur so viel: Die geschiedene Mutter einer Tochter hatte Medikamente in therapeutischer Menge eingenommen, die sie „nicht zum ersten Mal eingenommen hat“, so Polizeisprecher Rainer Köller. Tödlich war die Arznei jedenfalls nicht.

Immer noch sind die Todesumstände unklar. Der Wanderparkplatz ist für Schäferstündchen bekannt. Auf eine Sexualstraftat gibt es keine Hinweise. Die Ermittler halten einen Suizid für eher unwahrscheinlich. Es wurde kein Abschiedsbrief gefunden. Außerdem fanden sich an der Leiche keine äußeren Spuren von Gewalt. Ein Unfall? Möglich. Aber wer glaubt an einen Unglücksfall, wenn eine „gefährliche, brutale“ Serientäterin (Köller), nach der die Polizei in halb Europa fahndet, mit im Spiel ist?

Was also verbindet Diana Christiane Pawlenko und das Phantom? Bis jetzt vor allem eins: das Auto. Der Fiat stand nur wenige Meter von der Leiche mit geschlossen Türen. Die 45-Jährige hatte das Auto vor fünf Jahren neu gekauft. Wichtig ist der Polizei herauszufinden, mit welchen Personen Diana Christiane Kontakt hatte. Nach den bisherigen Erkenntissen hielt sie sich nicht in kriminalitätsnahen Milieus auf – etwa in der Drogenszene. Vielleicht hat sie ja jemand in Begleitung gesehen. „Das ist unsere große Chance“, sagt Polizesprecher Rainer Köller, „ein Zufallstreffer.“

Klar ist, dass das Phantom immer wieder in die Region Heilbronn zurückkehrt. Kein gutes Gefühl. „Ich bin bestürzt, dass der ungeklärte Todesfall mit dem Phantom in Zusammenhang gebracht wird. Sollte das Phantom in Weinsberg unterwegs gewesen sein, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken“, sagt Bürgermeister Stefan Thoma.

Fahndungsaufruf

Diana Christiane Pawlenko hat am Mittwoch, 22. Oktober, morgens noch das Geschirr daheim abgespült, bevor sie die Wohnung verließ. Vier Tage später wurde ihre Leiche gefunden. Den Fahndern ist noch nicht genug bekannt, mit wem sich die Weinsbergerin in den letzten Monaten ihres Lebens regelmäßig oder sporadisch traf. Hinweise an die Kripo unter der Telefonnummer 07131 / 104-4444.

Appell an Bürger

Die Polizei bittet die Bevölkerung, vor allem Gartenhausbesitzer, Spaziergänger, Jogger, auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge zu achten. Gibt es noch nicht gemeldete Einbrüche in Wengerthütten? Die Serientäterin könnte äußerlich auch als Mann wirken. Die Ermittler empfehlen, die Personen nicht anzusprechen, sondern die Polizei unter Notruf 110 zu verständigen. mut

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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