Soko-Leiter Huber: „Ich werfe mir und der Soko kein Fehlverhalten vor“

Interview - Frank Huber, der Leiter der Polizistenmord-Soko, sieht auch nach den Pannen bei der Fahndung mit verunreinigten Wattestäbchen keinen Anlass, der Kriminaltechnik zu misstrauen. Das sagt er im Gespräch mit Helmut Buchholz.





Heilbronn - Frank Huber, der Leiter der Polizistenmord-Soko, sieht auch nach den Pannen bei der Fahndung mit verunreinigten Wattestäbchen keinen Anlass, der Kriminaltechnik zu misstrauen. Das sagt er im Gespräch mit Helmut Buchholz.

Wie geht es Ihnen? Gibt es Häme, Spott?

Frank Huber: Ich würde lügen, wenn ich sage, es geht mir gut. Es ist eine schwierige Zeit und die Enttäuschung ist bei allen Beteiligten aufgrund der Entwicklung natürlich groß. Konstruktive Kritik ist uns immer willkommen.



Haben Sie einen Fehler gemacht?

Huber: Sicherlich wird man sehr nachdenklich. Aber auch bei aller Selbstkritik kann ich bei mir und in meiner Soko nach jetzigem Stand kein Fehlverhalten erkennen.



Sie hatten ja schon länger Zweifel an der Zuverlässigkeit der DNA-Analyse. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, öffentlich immer das Gegenteil zu behaupten?

Huber: Neben den Ermittlungen haben wir parallel immer wieder die Möglichkeiten von Fehlerquellen im Zusammenhang mit der DNA-Spur diskutiert und durch Spezialisten beleuchten lassen. Bis zum 18. März 2009 ergaben sich dabei keine konkreten Anhaltspunkte auf eine mögliche Kontamination durch Arbeitsmittel. Die Zusammenhänge waren kriminalistisch mit jedem neuen DNA-Treffer zwar immer schwieriger erklärbar, die objektiven Befunde standen jedoch dagegen. Dennoch sind wir weiter beharrlich und intensiv dieser Hypothese nachgegangen, die nunmehr definitiv belegt ist. Für uns ein herber Rückschlag, aber die Zweifel sind nun geklärt.



Fallen die Fahnder jetzt in ein Loch?


Huber: Es steckt sehr viel Herzblut in den Soko-Ermittlungen durch die äußerst engagierten Kollegen. Wir müssen das alles erst verarbeiten. Dennoch schauen wir positiv nach vorne. Wir werden alles Erdenkliche tun und weiter mit hoher Motivation versuchen, den Mordfall aufzuklären.



Wo liegt denn Ihrer Meinung nach der Fehler? Ist der Wattestäbchen-Lieferant schuld oder hätten die DNA-Experten oder die Einkäufer der Polizei besser aufpassen sollen?


Huber: Die Abläufe und Zusammenhänge müssen erst sorgfältig ausgewertet werden, bevor man daraus voreilig Schlüsse zieht. Entsprechende Arbeitsgruppen mit DNA-Spezialisten wurden eingerichtet.



Der LKA-Chef in Österreich sagt, er habe seine Kollegen schon im Januar 2009 darauf aufmerksam gemacht, dass das Untersuchungsmaterial nicht in Ordnung sei. Sie nennen aber den 18. März. Ein Widerspruch.

Huber: Fakt ist, dass wir definitiv erst am 18. März 2009 durch das LKA Oberösterreich von dem Umstand erfahren haben, dass an Tatorten in Österreich, bei denen die Spur festgestellt worden war, offensichtlich Wattestäbchen der besagten Firma Verwendung fanden. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch in Österreich nach unserem Kenntnisstand keinerlei konkrete Anhaltspunkte für eine mögliche Fremdkontamination. Dies ist inzwischen auch vom Bundeskriminalamt Wien offiziell bestätigt worden.



Am Tatort in Heilbronn sollen mehrere hundert DNA-Spuren gesichert worden sein. Gibt es Hinweise auf unbekannte Täter?

Huber: Natürlich wurde am Tatort in Heilbronn eine sehr umfangreiche Spurensicherung durchgeführt. Diese Spuren konnten bisher keinem Täter zugeordnet werden.



Wird der Gen-Reihentest, den die Polizei an mehreren hundert Frauen gestartet hat, gestoppt?

Huber: Das sogenannte „Massenscreening“ war auf die unbekannte weibliche Person „uwP“ ausgelegt. Da nun diese Spur nicht mehr relevant ist, wurden die Maßnahmen natürlich abgebrochen und das Löschen von Daten veranlasst.



Wird die Soko verkleinert und/oder zurück nach Heilbronn verlagert?

Huber: Die Soko „Parkplatz“ wurde ins LKA Stuttgart verlagert, um die Polizeidirektion Heilbronn personell zu entlasten. Dies war das Hauptziel. Und daran hat sich nichts geändert. Von einer Verkleinerung beziehungsweise Rückverlagerung ist mir nichts bekannt.



Ist mit der falschen Fährte nicht wertvolle Zeit verloren gegangen, andere Spuren zu verfolgen?

Huber: Wir haben parallel auch immer andere Komplexe schwerpunktmäßig mit verfolgt und unsere Ermittlungen von Beginn an sehr breit angelegt.



Welche Spuren gibt es überhaupt, die noch nicht abgearbeitet sind?

Huber: Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich die Ermittlungsansätze nicht öffentlich präsentieren kann. Doch so viel: Zum Tatzeitpunkt waren sehr viele Personen am Tatort. Da haken wir weiter ein.



Hand aufs Herz: Wie sehr erschüttert ist nun Ihr Vertrauen in die Kriminaltechnik?

Huber: Ich sehe keine Veranlassung, der Kriminaltechnik zu misstrauen.



Zur Person: Frank Huber
Der 41-Jährige kam im Herbst 2006 zur Polizeidirektion Heilbronn und leitet dort die Kriminalinspektion I. Gleich zu Beginn klärte er den Mordfall Duttiné auf. Seit 25. April 2007, dem Tattag des Polizistenmordes, ist er nur noch mit der Aufklärung des Verbrechens beschäftigt. Er leitet die Soko „Parkplatz“, blieb auch deren Chef, nachdem die Polizeiführung die Sonderkommission im Februar 2009 zum Stuttgarter Landeskriminalamt verlagerte.


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