Neue Phantom-Spur aufgetaucht

Stuttgart/Heilbronn - Im Saarland ist eine neue Spur der mutmaßlichen Polizistenmörderin aufgetaucht. Wie die Polizei am Dienstag am späten Abend bekannt gab, sind sich die Ermittler sicher, dass die unbekannte Serientäterin in einem Wohnwagen war. Dieser stand Anfang April 2008 im Wald an einem Zufahrtsweg zu dem Clubheim des Angelsportvereins Saarhölzbach. Am 9. Mai wurde die Pächterin des Heims überfallen. An einem Stein am Tatort fanden die Spurensicherer DNA des Phantoms. Nun steht fest, dass die Unbekannte in dem Wohnwagen übernachtet haben muss.

Von Helmut Buchholz und Joachim Rüeck

In diesem Wohnwagen war das Phantom. Hinweise nimmt die Polizei im Saarland unter 0681/962-3333 oder in Heilbronn unter 07131/104-4444 entgegen.

Stuttgart/Heilbronn - Im Saarland ist eine neue Spur der mutmaßlichen Polizistenmörderin aufgetaucht. Wie die Polizei am Dienstag am späten Abend bekannt gab, sind sich die Ermittler sicher, dass die unbekannte Serientäterin in einem Wohnwagen war. Dieser stand Anfang April 2008 im Wald an einem Zufahrtsweg zu dem Clubheim des Angelsportvereins Saarhölzbach. Am 9. Mai wurde die Pächterin des Heims überfallen. An einem Stein am Tatort fanden die Spurensicherer DNA des Phantoms.

Nun steht fest, dass die Unbekannte in dem Wohnwagen übernachtet haben muss, der in der Nähe des Clubheims stand. Sie könnte sich sogar mehrere Tage in dem Anhänger aufgehalten haben. Der Wohnwagen wurde am 2. Mai weggefahren. Da der Überfall am 9. Mai passierte, nehmen die Fahnder an, dass die Serientäterin mit einem Begleiter die Nächte in einem Gartenhaus oder in einem anderen Unterschlupf verbracht haben könnte.


Die Heilbronner Ermittler gehen davon aus, dass die beiden Pistolen, die bei dem Polizistenmord auf der Theresienwiese geraubt wurden, noch im Umlauf sind. Deshalb können für die Soko „Parkplatz“ auch Hinweise auf Pistolen der Marke Heckler & Koch, Typ P 2000, die außerhalb der Polizei geführt werden, sehr wichtig sein. Vielleicht kann beim Auffinden einer der Waffen der Weg zurück bis zu den Tätern verfolgt werden. Die schwarzen Pistolen haben das Kaliber 9 mm X 19. An der linken Seite ist das baden-württembergische Wappen eingestanzt. Auf dieser Seite steht auch die Bezeichnung HK P2000. Auf dem oberen Teil des Griffstücks steht auf der rechten Seite klein „Heckler & Koch GmbH Made in Germany“. Die Mörder von Michéle Kiesewetter hatten außerdem auch eine Polizeihandschließe geraubt, die ebenfalls bis heute verschwunden blieb.

300.000 Euro Belohnung

Die CDU/FDP-Landesregierung hat die Belohnung im Heilbronner Polizistenmordfall gestern verdoppelt. Sie ist jetzt die bisher höchste in der baden-württembergischen Kriminalgeschichte. „Wir wollen 300.000 Euro ausloben für Hinweise, die zur Aufklärung dieses schlimmen Verbrechens beitragen“, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger in Stuttgart. Die Frage, ob die Erhöhung vor allem darauf abziele, dass Komplizen die „Frau ohne Gesicht“ verraten, bejahte der Regierungschef.

Das Justizministerium begründet die Höhe der Belohnung mit deren „präventiver Wirkung“. Schließlich könne das Phantom jederzeit wieder zuschlagen, meinte ein Sprecher von Minister Ulrich Goll. Die Staatsanwaltschaft, welche die Gesamtsumme zusammen mit der Polizei und Privatleuten aufbringt, lobe ansonsten bestenfalls einige tausend Euro für Hinweise auf Täter aus. Ausnahmen habe es lediglich bei der Suche nach Nazi-Verbrechern gegeben.

Heilbronns Juso-Chef Martin Krebs wirft dem Ministerpräsidenten und CDU-Generalsekretär Thomas Strobl eine „geschmacklose Phantom-Show“ vor. Der Vorschlag für eine höhere Belohnung, der vom Heilbronner Abgeordneten Strobl stammt, „ist ein reiner PR-Gag“, so Krebs. Die Jusos fordern stattdessen, mehr Geld für die Landespolizei zur Verfügung zu stellen. Strobl bucht diese Kritik unter „Wahlkampf“ ab. Die Polizei selbst habe auf die Erhöhung gedrängt. Die gesuchte Serientäterin komme aus einem Milieu, in der es nur um Geld gehe. Die Erhöhung der Belohnung erhöhe die Chancen, das Phantom zu fassen. Denn vielleicht reden dann die Komplizen, die wissen müssen, wer die Unbekannte ist.

„Ein gutes Signal“, nennt der Heilbronner Polizeichef Roland Eisele die Erhöhung. „Wir freuen uns.“ Es gehe darum, Anreize zu schaffen, „dass sich der ein oder andere bewegt“. Sprich, „dass sich potenzielle Zeugen melden oder möglicherweise Mittäter reden“.






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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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