Gericht: NSU-Prozess beginnt nicht vor Anfang April

Heilbronn/München - Das Oberlandesgericht München hat die Anklage gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe in vollem Umfang zugelassen. Der 38-Jährigen wird auch der Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn vorgeworfen.

 

Heilbronn/München - Nach Zulassung der Mordanklage gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe will das Münchner Oberlandesgericht (OLG) nun die Termine für das spektakuläre Verfahren festsetzen. Dies werde aber noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, teilte das OLG am Freitag mit. Beginn des Prozesses werde voraussichtlich nicht vor Ende der Osterferien Anfang April sein.

Das OLG bestätigte zugleich offiziell, dass sich Zschäpe wegen Mittäterschaft an den zehn Morden der Neonazi-Gruppe NSU vor Gericht verantworten muss - dies war bereits am Donnerstag bekannt geworden.

Die Anklage der Bundesanwaltschaft wurde laut OLG unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Auch die Anklage gegen vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) ließ das Gericht zu - und ordnete an, dass Zschäpe und der Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben weiter in Haft bleiben müssen. Die beiden sitzen seit November 2011 in Untersuchungshaft.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des Terror-Trios: Ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich selbst. Die 38-Jährige soll laut Anklageschrift nicht nur Mitbegründerin und gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihr zudem Mittäterschaft bei sämtlichen Taten des NSU vor: bei den neun Morden an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Herkunft, dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 und bei zwei Bombenanschlägen in Köln, bei denen mehr als 20 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Auch an 15 Banküberfällen, die der Gruppe zugerechnet werden, sei sie Mittäterin gewesen. Darüber hinaus lautet die Anklage auf Mordversuch - wegen der Brandstiftung in der letzten Wohnung des Trios in Zwickau.

Ralf Wohlleben und Carsten S. wurden wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Sie sollen die Pistole des Typs „Ceska 83“ beschafft haben, die bei der Mordserie verwendet wurde. Außerdem wurden André E. und Holger G. als mutmaßliche Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt waren 1998 untergetaucht, nachdem die Polizei eine Bombenwerkstatt der Neonazis entdeckt hatte. Fast 14 Jahre lang konnte sich die Gruppe im Untergrund halten und morden.

 

 

Zschäpe in Heilbronn?

 

 

An dieser Stelle in der Nähe der Otto-Konz-Brücke in Heilbronn will ein Zeuge gesehen haben, wie sich ein Mann am Tag des Polizistenmords Blut von den Händen wusch. Ein weiterer Mann und einer Frau mit Kopftuch hätten ihn begleitet.

 

Wie die Heilbronner Stimme bereits im Juni berichtete, soll Zschäpe möglicherweise beim Mord an Michèle Kiesewetter am Tatort in Heilbronn gewesen sein.  dpa/red

 

 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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