Gedenkstätte für Polizistin geschändet (02.02.08)

Es reißt nicht ab an der Theresienwiese. Dort, wo die Gedenktafel für die getötete Polizistin Michéle Kiesewetter stand, ist nur noch ein Erdloch. In der Nacht zum Samstag haben Unbekannte die Stehle ausgegraben und vermutlich in den Neckar geworfen. Bisher fehlt noch jede Spur von den Tätern -



Heilbronn - Es reißt nicht ab an der Theresienwiese. Dort, wo die Gedenktafel für die getötete Polizistin Michéle Kiesewetter stand, ist nur noch ein Erdloch. In der Nacht zum Samstag haben Unbekannte die Stehle ausgegraben und vermutlich in den Neckar geworfen.

Bisher fehlt noch jede Spur von den Tätern. „Vieles deutet darauf hin, dass der oder die Täter die Gedenktafel über das Geländer der Fußgängerbrücke Richtung Böckingen gehievt haben“, sagt der Heilbronner Polizeisprecher Peter Lechner. „Dafür, dass es nicht nur einer war, spricht die Tatsache, dass die Stehle mitsamt Betonsockel ausgegraben wurde.“

Am Morgen nachdem die Täter die Gedenkstätte an der Heilbronner Theresienwiese geschändet haben, sichert die Polizei Spuren.Foto: Andreas Veigel
Dass es geplant war, da ist sich Kripo-Chef Volker Rittenauer sicher: „Die hatten einen Spaten dabei.“ Er zeigt auf die glatten Ränder der Kuhle. „Wir haben viele Spuren gesichert und werden ab Montag im Neckar nach der Gedenktafel tauchen.“ Denn selbst wenn sie mehrere Tage im Fluss liegt, ließen sich noch DNA-Spuren sichern. Das Motiv für die Tat ist zwar noch unklar, aber „es besteht wohl kein Zusammenhang zum Polizistenmord“, vermutet Peter Lechner. „Wohl eher zu den Maßnahmen in Sachen Jugendkriminalität.“

Die Betroffenheit in der Bevölkerung ist groß. Viele Heilbronner kommen am Samstagmorgen an der Theresienwiese vorbei: „Eine Sauerei ist das. Was geht in diesen Köpfen vor?“, fragt sich Martin Bühler. „Man sollte solche Gedenkstätten absolute in Ruhe lassen, das ist tabu.“ Das Ehepaar Hildegard und Rudolf Wal geht hier oft spazieren: „Das ist eine Unverschämtheit“, sagen beide. Und sie ergänzt: „Man ist nirgends mehr sicher.“ Auch Ottmar Gauer kann es nicht verstehen: „Wer macht so etwas?“ Er fischt regelmäßig am Neckar und kann nur wiederholen, was viel sagen: „Das ist eine riesen Sauerei.“ Heilbronns Oberbürgermeister Himmelsbach reagierte bestürzt: „Ich bin entsetzt und enttäuscht, dass so etwas passiert.“

Die Polizei hofft auf Hinweise von möglichen unmittelbaren Zeugen oder Personen, die im Umfeld der potenziellen Täter Verdächtiges gehört oder beobachtet haben. Das Polizeirevier Heilbronn nimmt Hinweise unter der Telefonnummer 07131/104-2500 entgegen.


 



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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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