Funkzellen-Auswertung zum Kiesewetter-Mord ohne heiße Spur

Stuttgart/Heilbronn  Die Bundesanwaltschaft hält die Polizistin Kiesewetter für ein Zufallsopfer des rechtsterroristischen NSU. Daran gibt es Zweifel. Doch belegen lässt sich das Gegenteil bislang nicht. Hätte eine genauere Auswertung der Funkzellendaten mehr gebracht?

 

Bei der Auswertung der Funkzellendaten nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter hat es einige Treffer auf Personen aus der organisierten Kriminalität gegeben. Ebenso seien Handys von Mitgliedern des Heilbronner Rockerclubs Hells Angels in der Funkzelle angemeldet gewesen, sagte ein Kriminalhauptkommissar des Landeskriminalamtes (LKA) am Montag im NSU-Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags. Zum Teil hätten sich die Spuren als nicht relevant erwiesen. Zum Teil habe man sie nicht klären können, da einige Handys auf Fantasienamen angemeldet gewesen seien. 

Die Funkzellenauswertung ergab 16 deutsche Mobilfunknummern mit Hinweisen zur osteuropäischen Kriminalität, die nach Ansicht der Ermittler ausgewertet werden sollten, was dann aber nicht geschah. Zudem gab es mehrere Treffer auf Personen, die europaweit von Europol gesucht wurden. Abschließend geklärt wurden diese Themen allerdings nicht. Der LKA-Beamte erklärte, dass die Funkzellendaten später auch auf die der Polizei bekannten Handynummern von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe untersucht wurden - ohne Treffer.

Das Thema ist deshalb relevant, weil die Bundesanwaltschaft davon ausgeht, dass Kiesewetter und ihr Streifenpartner zufällig ins Visier des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) gerieten. Dies wird immer wieder angezweifelt - ebenso wie die Annahme, dass die NSU-Mitglieder Böhnhardt und Mundlos die Tat alleine ausführten. Manche vermuten, die organisierte Kriminalität könnte bei dem Mord die Finger im Spiel gehabt haben. 

Grünen-Obmann Jürgen Filius zeigte sich nicht zufrieden mit der Auswertung der Funkzellendaten. „Dass das systematisch und komplett durchgearbeitet ist, kann man nicht sagen.“ CDU-Obmann Matthias Pröfrock vertrat hingegen die Auffassung, dass diese Spur der osteuropäischen Kriminalität die Ermittler vermutlich nur noch weiter in eine Sackgasse hineingeführt hätte. 

Der Ausschuss untersucht die Bezüge des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zum Südwesten. Dem NSU werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn. Er ging am Montag auch der Frage nach, ob Kiesewetter und ihr Streifenpartner vor dem Angriff von ihren späteren Mördern observiert wurden. Der frühere Leiter der Sonderkommission Parkplatz, Axel Mögelin, sagte, am Polizeifahrzeug hätten sich keine Hinweise auf Peilsender oder Ähnliches gefunden. Allerdings ließen sich Peilsender auch schnell und unkompliziert wieder entfernen. 

Der Ausschuss will am 7. Dezember, spätestens am 11. Dezember, seine Arbeit abschließen. Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) sagte, der Ausschuss habe bislang niemanden gefunden, der belegen könne, dass es andere Täter gegeben als Mundlos und Böhnardt. Auch gebe es keine Belege für Mittäter oder Helfer, obwohl die Vermutung groß sei, dass es ohne Helfer nicht gegangen sei.

Bereits klar ist, dass ein neuer NSU-Ausschuss nach der Landtagswahl im März nächsten Jahres eingesetzt werden soll, um die Arbeit fortzuführen. Große Hoffnungen setzen die Abgeordneten auch auf die Aussage von Beate Zschäpe. Sie will vor dem Oberlandesgericht München eine Erklärung abgeben. lsw

 

Rückblick

Im April 2007 wird die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen, ihr Kollege überlebt schwer verletzt. Diese Videos entstanden in den ersten Stunden nach dem Attentat.  

 

 

 

 

 

 

 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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