Ein Keller als Treff der rechten Szene

Stuttgart/Heilbronn  Sein Privatkeller in der Nordstadt diente jahrelang als Treffpunkt der rechten Szene. Am Freitag wurde ein 61-jähriger Heilbronner vom NSU-Untersuchungsausschuss befragt.

Von Heike Kinkopf

Bernd P. kann sich nicht erinnern. Das sagt der 61 Jahre alte Heilbronner wieder und wieder im NSU-Untersuchungsausschuss. Unstrittig ist, dass sich in seinem Privatkeller in der Heilbronner Nordstadt häufiger die rechte Szene traf. P. bestreitet jedoch, dem NSU-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Unterschlupf gewährt zu haben.

Der Landtagsausschuss untersucht, ob die Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) im Südwesten Helfer hatten. Die Mitglieder Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe stammen aus Thüringen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Trio zehn Morde vor, auch den an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.

Neue Deutsche Welle und Rechtsrock im Bayern-Keller

Die Befragung im Stuttgarter Plenarsaal wirft ein Schlaglicht auf rechte Umtriebe in Heilbronn. Bernd P. zufolge nahm der Privatkeller − auch Bayernkeller genannt − Anfang der 1970er-Jahre in der Heilbronner Nordstadt den Betrieb auf. Eine Gaststättenlizenz habe er dazu nicht benötigt.

Eine steile Treppe führte in den etwa 40 Quadratmeter großen Raum. Darin befand sich eine Theke. Es gab Bier für eine Mark, später dann für zwei Mark. In den 80er-Jahren lief Musik von Nena und Hubert Kah vom Band, erzählt der 61-Jährige − aber auch von den Böhsen Onkelz sowie Störkraft und Kraftschlag, bekannt für rechte Rockmusik. Anfang der 90er-Jahre machte Bernd P. den Keller dicht.

"Der Keller war rein privater Natur", sagt der 61-Jährige. Eine Möglichkeit, im privaten Kreis zu feiern. Ein Treff für Freunde und Bekannte, die er "zumindest vom Sehen her" kannte. Immer wieder spricht P. von einer "geschlossenen Gesellschaft". Im Schnitt kamen 30 Personen, meistens dieselben. Zu ihnen gehörten offenbar Fußballfans und der Motorradclub Die Arier.

Geht es konkret um Namen, lässt das Gedächtnis den 61-Jährigen im Stich. "Es war Ihr privater Keller und Sie können sich nicht erinnern?", hakt Boris Weirauch nach, Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses. Er habe nicht das Sagen gehabt, wehrt sich Bernd P., und er sei es auch nicht gewesen, der "irgendeine Richtung" vorgegeben habe. Immerhin: "Ich stehe dazu, dass ich der Betreiber war." Verkehrten auch Besucher aus Thüringen bei ihm? "Daran kann ich mich nicht erinnern."

Staatsschutz sei häufig aufgetaucht

Die Befragung des 61-Jährigen verläuft zäh. Er winde sich herum, schimpft Ausschussmitglied Petra Häffner.

P. räumt ein, dass Polizeibeamte vom Staatsschutz häufiger bei ihm auftauchten. Diese fragten ihn, ob er den einen oder anderen kenne, erzählt er. Diese Fragen habe er damals beantwortet. Nach wem genau sich die Polizisten bei ihm erkundigten? "Das weiß ich nicht mehr."


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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